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Frankfurt/Main: Vom Arbeitslosen zum Chef: Gründer brauchen Mut zum Risiko

Frankfurt/Main : Vom Arbeitslosen zum Chef: Gründer brauchen Mut zum Risiko

Vom Investment-Banker zum Würstchenverkäufer - mit diesem Schritt hat Thomas Brauße es geschafft, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. In Sichtweite vom Bürohochhaus, wo er früher mit Millionen jonglierte, grillt er heute Currywürste.

Nachdem er in der Finanzkrise den Job als Broker verlor, machte er sich selbstständig und eröffnete die „Worschtbörse” am Messeturm in Frankfurt. Ein Beispiel, das Vorbild für andere Arbeitslose sein kann. So ein Schritt will aber gut überlegt sein.

Als sein Arbeitgeber die Niederlassung in Frankfurt dichtmachte, war das für Brauße ein Schock. „Die Kündigung kam kurz vor Weihnachten”, erzählt der 44-Jährige. Nach zwölf Jahren in einem Job, in dem er zuletzt ein sechsstelliges Jahresgehalt verdiente, plagten ihn Existenzängste. Heute sieht er die Entlassung als Glücksfall: „Ich bin zufriedener als früher, weil ich mich mehr mit meinem Job identifizieren kann.”

Das Motto „Wenn mich meine Firma nicht mehr will, gründe ich eben selbst eine”, ist aber nicht jedem Arbeitslosem zu empfehlen. Sich nur aus Not selbstständig zu machen, ist wenig erfolgversprechend. Firmengründer bräuchten als Erstes eine gute Geschäftsidee, sagt Jürgen Mehnert von der Handelskammer Hamburg. Seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, garantiere noch keinen Geschäftserfolg. Wer ein Restaurant aufmacht, nur weil er gerne kocht, ziehe damit noch lange keine Gäste an.

Ex-Banker Brauße hatte sich schon früher darüber geärgert, dass zwischen all den Hochhäusern rund um seine alte Arbeitsstätte in Frankfurt eine bodenständige Imbissbude fehlte. Er scheint tatsächlich eine Marktlücke gefunden zu haben: Mit seinem Imbiss habe er nach einem dreiviertel Jahr schon so viel eingenommen, wie er für das ganze erste Jahr eingeplant hatte, erzählt er. Zwar könne nicht jeder eine völlig neue Idee aus dem Hut zaubern, meint Mehnert. Wer aber einen Blumenladen oder Copyshop eröffnet, wie es ihn bereits zigfach im Ort gibt, scheitert wahrscheinlich schnell. „Wenn er sich nicht abhebt von den anderen, wird er es schwerhaben.”

Der nächste Schritt ist ein umfassender Businessplan. Dabei muss das Projekt durchgerechnet und realistisch eingeschätzt werden, wann die eigene Firma Gewinn abwirft. „Planen Sie eine angemessene Anlaufzeit ein”, rät Mehnert. Ein Webdesigner etwa müsse damit rechnen, dass einige Monate vergehen, bis er den ersten Auftrag in der Tasche hat. Außerdem sollten Arbeitslose sich rechtzeitig um Fördermittel kümmern, wenn sie sich selbstständig machen. Für die erste Zeit könnten sie den sogenannten Gründungszuschuss beantragen, erklärt Mehnert. Und für nötige Investitionen, etwa für das Einrichten eines Friseursalons, gebe es Förderkredite der KfW-Bank.

Ob Arbeitslose als Gründer taugen, ist auch eine Typfrage: Dazu bräuchten sie Mut zum Risiko und Stehvermögen, erläutert der Businesstrainer Michael Fridrich aus Aachen. Auch dürften sie sich nicht vor der Kundenakquise scheuen. „Wer sagt: Verkaufen ist nicht so mein Ding, ist nicht dafür geeignet.” Kaufmännisches Denken sei ebenfalls nötig, ergänzt Mehnert: „Ein Hobbykoch versteht nicht unbedingt etwas vom Wareneinkauf.”

In den ersten Jahren seien Wochenarbeitszeiten von 60 bis 70 Stunden für Selbstständige keine Ausnahme, so die Bundesagentur für Arbeit. Thomas Brauße kann das bestätigten: „Selbstständig sein heißt eben: Man arbeitet selbst, und das ständig.”