München: Umweg für billigeren Sprit lohnt nur selten

München: Umweg für billigeren Sprit lohnt nur selten

Es wird gespart - koste es, was es wolle. So denken offensichtlich Autofahrer, die kilometerweite Umwege in Kauf nehmen, um beim Spritpreis ein paar Cent weniger auszugeben. Dank Internet ist die günstigste Tankstelle in der Nähe leicht zu finden. Doch lohnt der Weg?

Fachleute des TÜV Süd in München haben nachgerechnet. Frank Volk von TÜV Süd: „Wer genau kalkuliert, ob sich die Extra-Fahrt rechnet, merkt schnell, dass die vermeintliche Ersparnis rasch verfahren ist.”

Auch ADAC-Fachmann Christian Buric kippt Essig in den Wein. „Viele Autofahrer unterschätzen die entstehenden Kosten pro gefahrenem Kilometer”, glaubt er. Fahre jemand mit einem Mittelklassewagen nur 20 Kilometer zum Tanken und 20 Kilometer zurück, belaste das seinen Geldbeutel mit rund vier Euro - reine Spritkosten.

Wer mit kaltem Motor extra zur Zapfsäule startet, verrechnet sich sowieso und schadet obendrein der Umwelt enorm. In der ersten Minute nach dem Kaltstart liegt der Spritverbrauch bis zu 50 Prozent über dem Durchschnitt, und die meisten Emissionen fallen an.

„Ein durchschnittlicher Benzinmotor verbraucht in der Startphase rund 30 Liter Sprit auf 100 Kilometer und emittiert dann einen Großteil der Kohlenwasserstoffe”, weiß Philip Puls vom TÜV Süd.

Selbst wenn man bereits unterwegs ist, lohnt es sich praktisch nicht, noch schnell eine Schleife zu einer billigeren Tankstelle zu drehen, um einen halben Cent pro Liter günstiger zu tanken. Dies gilt auch, wenn der Sprit gerade zur Neige geht, 60 Liter Super getankt werden sollen und die günstige Zapfsäule nur zwei Kilometer entfernt ist: „Die Ersparnis von 30 Cent wird schon auf der Hinfahrt fast verbrannt”, rechnet Puls vor und geht ins Detail: „Ein Benziner mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 7,5 Litern schluckt bis zur Tanke 0,15 Liter Sprit. Gegenwert: 21 Cent. Bis hierhin also neun Cent gespart.

Muss der Schnäppchenjäger nach der Füllung aber wieder auf die ursprüngliche Route und damit die zwei Kilometer zurück, werden erneut 0,15 Liter Sprit/21 Cent fällig.” Entsprechend lautet die Bilanz der „Sparaktion”: zwölf Cent Mehrkosten und ein knappes Kilogramm Kohlendioxid - für die Umwelt. Dabei noch nicht eingerechnet ist der Mehrverbrauch durch den Neustart nach dem Tanken.

Gerade in Industriegebieten locken freie Tankstellen mit günstigeren Preisen. Drei Cent weniger pro Liter als bei den Markenanbietern sind durchaus drin. Lohnt es sich, für jede Tankfüllung fünf bis zehn Kilometer zu fahren, um das Angebot wahrzunehmen?

Bei gleichen Voraussetzungen wie im ersten Szenario spart der Spritpendler 1,80 Euro an der Kasse. Für die Fahrt an die Tankstelle hat er 0,38 Liter verbraucht und muss dafür 55 Cent abziehen. Fährt er wieder zurück, verdoppelt sich der Ausflugsverbrauch: 0,76 Liter Super und 1,10 Euro. Finanzielle Bilanz: 70 Cent gespart. Verdoppelt hat sich der CO2-Ausstoß: zwei Kilogramm Mehrbelastung für die Umwelt.

Selbst die Sonntagstour in Spritpreisparadiese wie Luxemburg oder Österreich kann man sich nicht schönrechnen. 44 Cent Mineralölsteuer fallen in Österreich pro Liter Sprit an, 65 Cent berechnet der deutsche Fiskus.

Für rund 20 Cent Rabatt pro Liter kann man schon einige Kilometer fahren, denken viele. „Das stimmt auch grundsätzlich”, sagt TÜV-Mitarbeiter Puls. „Zwölf Euro können pro Tankfüllung in Österreich schon gespart werden. Das entspricht einer Fahrstrecke von 110 Kilometern.” Wer exakt rechnet, weiß aber, dass die tatsächlichen Kosten pro gefahrenem Kilometer inklusive Wartung, Steuern, Versicherung und Co. bei durchschnittlich 40 Cent liegen; das entspricht dem Vierfachen der reinen Spritkosten.

Bei genauer Rechnung „schrumpfen” also die durch die Spritkostenersparnis gewonnenen 110 Kilometer auf einen Vorteil von 27,5 Kilometer. Auf der anderen Seite der Bilanz stehen fünf Mehr-Kilogramm Kohlendioxid.

Den Tanktouristen scheinen solche Feinheiten ziemlich schnuppe zu sein. In den abfahrenden Autos sieht man zumeist muntere Gesichter. Die Gewissheit, dem schier unersättlichen deutschen Fiskus und den hohen Spritpreisen ein Schnippchen geschlagen zu haben, lässt buchhalterische Grundsätze zu Erbsenzähler-Allüren schrumpfen.

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