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Hamburg: Sterbegeldversicherung ist oft anderweitig gedeckt

Hamburg : Sterbegeldversicherung ist oft anderweitig gedeckt

Sterbegeldversicherungen gehören zu den emotionalsten Policen. Leider wissen das auch ihre Verkäufer. Nicht selten forcieren sie den Verkauf, indem sie Horror-Szenarien entwerfen.

Demnach stirbt der Kunde, wird möglichst kostengünstig und würdelos von der Familie unter die Erde gebracht und die Angehörigen bleiben auch noch auf den Kosten sitzen. Und genau diese Kosten, argumentieren die Verkäufer, tragen Sterbegeldversicherungen und sorgen für eine würdevolle und angemessene Bestattung. Tatsächlich schlagen Beerdigungen fast immer mit einem vierstelligen Betrag zu Buche. Rechnungen von 5000 Euro sind keine Seltenheit. Natürlich können Versicherungen die Last dieser Kosten tragen helfen.

Verbraucherschützer aber bemängeln vieles an den Versicherungslösungen. Zum einen ist die Rendite oft sehr mager, der Sparvertrag kaum besser als ein durchschnittliches Tagesgeldkonto. Gerade bei älteren Kunden stehen zudem die Kosten für die Risikoabsicherung in keinem Verhältnis zu der möglichen Versicherungsleistung. Darüber hinaus stehen auch die Versicherungsbedingungen oft im Fokus, gelten doch bei vielen Angeboten lange Wartezeiten, bevor im Todesfall überhaupt Geld fließt.

Kritisch können auch die Gesundheitsfragen werden, die bei einigen Versicherern vor Abschluss des Vertrages beantwortet werden müssen. Schwindeln, Mogeln und Verschweigen hilft nichts, denn wie bei anderen Personenversicherungen fliegen die Antragsteller mit falschen Angaben meist auf. Dann wird die Versicherung keinen Cent der vereinbarten Leistung auszahlen. Ausbaden müssen die Falschangaben dann die Hinterbliebenen, die trotz Versicherung für die Bestattung einstehen müssen.

Zudem gibt es ein weiteres Argument, das gegen die Sterbegeldversicherung spricht. Wer Todesfallabsicherung und Sparvertrag trennt, kann sich mit einer Risikolebensversicherung absichern und spart jeden Monat zusätzlich eine bestimmte Summe, um Rücklagen für die eigene Beerdigung aufzubauen. Dafür braucht es keine Top-Zinsen. Nach Recherchen der Stiftung Warentest schlagen schon Tagesgeldkonten mit zwei bis drei Prozent Zinsen die Sterbegeldversicherung.

In vielen Fällen stellt sich zudem die Frage nach dem Sinn der Absicherung durch eine Sterbegeldversicherung. Beispielsweise zahlt die Deutsche Rentenversicherung auf Antrag an den hinterbliebenen Ehepartner drei volle Monatsrenten aus, wenn der Verstorbene eine gesetzliche Rente bekommen hat. Auch im öffentlichen Dienst gibt es Sterbebeihilfen. Die gesetzliche Unfallversicherung ist bei einem tödlichen Unfall gegebenenfalls einstandspflichtig und auch betriebliche Sterbekassen sehen Leistungen vor.

Grundsätzlich also sollte vor Abschluss einer Sterbegeldversicherung immer darauf geachtet werden, ob diese Leistungen nicht schon ausreichend sind für den Ernstfall.