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Sparer in der Realzinsfalle

Berlin : Sparer in der Realzinsfalle

Dass sich Sparer in der Realzinsfalle befinden, ist vielen Anlegern gar nicht bewusst. Ausgehend von einer aktuellen Teuerungsrate in Höhe von 2,0% reichen die Tagesgeldzinsen sowie die Festgeldzinsen meist nicht aus, so dass die Realrendite nicht selten einen negativen Wert enthält.

Bei kurzfristigen Anlagezeiträumen kann das Festgeldkonto gegenüber dem Tagesgeld derzeit in vielen Fällen besser abschneiden.

Tagesgeldkonten waren vor einigen Jahren der Renditebringer überhaupt. Das angesparte Geld kurzfristig und zinsbringend anlegen ist heute jedoch längst nicht mehr so leicht, wie es vor ca. sieben bis zehn Jahren der Fall gewesen ist. Bedingt durch den niedrigen Leitzins (derzeit 0% in Europa), der durch die europäische Zentralbank vorgegeben wird, haben die Banken die Konditionen für Sparkonten massiv gesenkt.

Die aktuellen Zinssätze für Tagesgeldkonten sowie für Festgeldkonten liegen derzeit unter der in Deutschland festgestellten Teuerungsrate von 2,0%. Das bedeutet, dass die Kaufkraft de facto sinkt.

Wie minimiere ich die Realzinsfalle?

Aus einem Vergleich des Finanzportals Tagesgeldvergleich.net, welches von Daniel Franke betrieben wird und zu den ältesten Vergleichsportalen für Tagesgeld- und Festgeldkonten zählt, geht hervor, dass Sparer mit kurzlaufendem Festgeld derzeit besser aufgestellt werden.

Über 100 Banken wurden durch das Portal unter die Lupe genommen - im Schnitt erhalten Tagesgeldkunden gerade einmal 0,16 Prozent Zinsen pro Jahr. Beim Festgeldvergleich wurden 111 Banken untersucht. Hier liegt der Durchschnitt bei immerhin 0,51 Prozent pro Jahr.

Wer sich für ein Tagesgeldkonto entscheidet, erhält heutzutage mit 0,70 Prozent pro Jahr den maximalen Zinssatz gutgeschrieben. Beim Festgeldkonto über eine Laufzeit von zwölf Monaten sind bis zu 1,20 Prozent pro Jahr möglich.

Auch in der Vergangenheit gab es für Sparer immer wieder negative Realzinsen. Im Jahr 2011 lag der Nominalzins bei durchschnittlich 2,22 Prozent und damit deutlich höher. Da sich jedoch die Teuerungsrate zwischen 1,70 und 2,40 bewegte, kam es auch damals schon zu negativen Realzinsen.

Hochgerechnet auf das Jahr 2017 ist mit einem Kaufkraftverlust in Höhe von 32,337 Milliarden Euro bundesweit zu rechnen. Die Daten wurden durch das Team von Tagesgeldvergleich.net berechnet und zwar basierend auf Informationen der Deutschen Bundesbank. Für das Jahr 2018 ist davon auszugehen, dass der Kaufkraftverlust insgesamt noch höher ausfallen dürfte.

Welche Prognose kann für die Entwicklung des Leitzinses gestellt werden?

Die Sparer in Deutschland interessieren sich natürlich für die mögliche weitere Entwicklung der Tagesgeld- und Festgeldkonditionen. Diese sind zu einem großen Teil vom Leitzins in Deutschland abhängig. Es ist denkbar, dass dieser in den kommenden Jahren wieder angehoben wird und damit auch die Anlagezinsen steigen könnten.

Bereits im Mai 2018 stieg die Rendite einer 10jährigen Bundesanleihe auf 0,72%, nachdem sie im Jahr zuvor noch negativ gewesen ist. Ob die Zinswende jedoch schon im Jahr 2018 oder erst in ein paar Jahren kommt, dürfte allein durch die EZB entschieden werden.

(vo)