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Düsseldorf: Sparen für den Nachwuchs: Aktienfonds oder Ausbildungsversicherung?

Düsseldorf : Sparen für den Nachwuchs: Aktienfonds oder Ausbildungsversicherung?

Ein Kind großzuziehen ist schön, kostet aber auch richtig Geld. Soll der Sprössling zum 18. Geburtstag auch noch einen ordentlichen Zuschuss zum Führerschein oder Unterstützung fürs Studium bekommen, ist Sparen angesagt. Doch wie viel Geld bringt man dafür auf? Welche Anlageformen eignen sich?

Das alles müssen sich Eltern genau überlegen. „Wenn der Nachwuchs Geld braucht, muss entsprechend gespart werden”, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Eltern sollten so früh wie möglich damit anfangen. „Grundsätzlich bei Geburt wäre das Optimum”, ergänzt Honorarberaterin Stefanie Kühn aus Grafing bei München.

Wie viel die Eltern für Tochter oder Sohn sparen können, hänge von den eigenen finanziellen Möglichkeiten ab, erklärt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. Häufig sei ein regelmäßiger Sparbetrag zwischen 20 und 50 Euro. Aber auch weniger lohnt sich: „Jeder Euro, den ich spare, hilft mir, am Ende das Ziel zu erreichen”, sagt Scherfling. Die Anlagemöglichkeiten im Überblick:

Fondssparplan: Um zum Beispiel für die Ausbildung der Kinder über einen längeren Zeitraum regelmäßig Geld auf die Seite zu legen, sei ein Fondssparplan eine gute Lösung, sagt Scherfling. „Wenn das Kind dann 14 oder 15 Jahre alt ist, kann man sich überlegen, bei einer guten Börsenphase zu verkaufen und das Geld für die restlichen Jahre sicher anzulegen.”

Bei Investmentfonds sei der Anleger an keine Laufzeit gebunden und könne seine Sparraten ändern oder aussetzen, erklärt Beller. „Empfohlen werden hier breit streuende Fonds, die in Europa oder weltweit in sogenannten Blue Chips investieren, also in Unternehmen, die in den weltweit führenden Aktienindizes gelistet sind.”

Regelmäßiges Sparen ist auch in Exchange Traded Funds (ETFs) möglich. „Das sind Fonds, die an der Börse gehandelt werden und meist einen zugrundeliegenden Aktienindex abbilden”, sagt Beller. „ETFs kosten vergleichsweise weniger Gebühren als ein aktiv gemanagter Fonds.” Sparen kann man nach Angaben von Kühn außerdem, wenn man das Depot bei einer Direktbank eröffnet.

Banksparplan: „Banksparpläne eignen sich gerade dann, wenn man auf ein festes Ereignis, zum Beispiel den 18. Geburtstag hin sparen möchte”, erklärt Beller. Sie böten im Unterschied zum klassischen Sparbuch häufig einen während der Laufzeit steigenden Zins und am Ende einen Bonus an, der zusätzlich zur Sparsumme ausgezahlt werde.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, zu prüfen, ob der Zins variabel oder fest vereinbart ist und wann die Zinsen gezahlt werden. Ob die Sparrate angepasst oder ausgesetzt werden kann, hänge vom einzelnen Vertrag ab, erklärt Beller. Die Zinsen seien derzeit allerdings sehr niedrig. „In der aktuellen Niedrigzinsphase bekommt man für sichere Geldanlagen nur geringe Zinsen”, sagt Scherfling. „Viel mehr als ein Inflationsausgleich ist aktuell kaum möglich.” Dafür sei das Risiko kleiner als etwa beim Fondssparplan.

Tagesgeldkonto, Sparbuch, Girokonto: Auf dem Tagesgeldkonto ist das Geld jederzeit verfügbar. Gerade für kurze Laufzeiten sei es gut geeignet, sagt Scherfling. Außerdem sei es eine leicht verständliche Anlageform. Wie beim Sparbuch oder Girokonto könnten die Kinder hier lernen, mit Geld umzugehen. „Sie sehen, wie man Geld einzahlt und abhebt und wie Zinsen funktionieren.”

Auch für größere Ausgaben wie Schüleraustausch passe das verzinste Tagesgeldkonto bei der Direktbank gut, sagt Kühn. „Da schafft man wenigstens den Inflationsausgleich.” Viele Banken böten außerdem spezielle Kinder-Konten an, die nur im Haben geführt werden können. Hier gebe es auch oft vergleichsweise gute Zinsen.

Ausbildungsversicherung: Die Ausbildungsversicherung ist eine kapitalbildende Lebensversicherung. Zu einem festgelegten Auszahlungstermin, beispielsweise zu Beginn des 20. Lebensjahrs des Kindes, werde die vereinbarte Summe plus möglicher Überschüsse ausgezahlt, erklärt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Statt einer einmaligen Kapitalauszahlung könne auch eine Rentenzahlung vereinbart werden, die zum Beispiel zum Ausbildungsbeginn für einen bestimmten Zeitraum geleistet wird.

Die Beiträge zahlten meist Eltern oder Großeltern, die dann auch die versicherte Person sind. Sterbe diese vor dem vereinbarten Auszahlungstermin, übernehme der Versicherer die fortlaufenden Beiträge, und der Vertrag laufe weiter, erklärt Suliak. Die Höhe des Versicherungsbeitrags hänge deshalb auch vom Alter der versicherten Person ab. „Junge Eltern zahlen weniger als betagtere Großeltern, deren Tod möglicherweise vor dem vereinbarten Auszahlungstermin eintritt”, erklärt Suliak.

Verbraucherschützer Scherfling empfiehlt, Risikoabsicherung und Kapitalaufbau zu trennen. „Wir raten von Ausbildungsversicherungen ab, wenn man für Kinder sparen will.” Für den Kapitalaufbau seien derartige Versicherungslösungen wegen hoher Kosten und geringer Flexibilität nicht gut geeignet.

Einmalanlagen: Als Einmalanlage von größeren Summen, die das Kind etwa zur Taufe oder Konfirmation bekommt, sind Beller zufolge Bundeswertpapiere, Sparbriefe, Bankschuldverschreibungen, Unternehmensanleihen oder Pfandbriefe geeignet. Sie rät, immer die aktuellen Konditionen wie Rating/Bonität, Verzinsung, Laufzeiten und Kurse zu vergleichen. „Generell würde ich bei der Geldanlage für Kinder eher konservative Wertpapiere, das heißt Anleihen oder Schuldverschreibungen mit hoher Bonität empfehlen.” Kühn rät derzeit eher zum Festgeld als zu Anleihen. „Die Rendite ist oft so schlecht, dass ich dem Festgeld momentan Vorrang geben würde.”

(dpa)