Berlin: Selbst ist der Mann: Schlechtgeplante Eigenleistungen können teuer werden

Berlin: Selbst ist der Mann: Schlechtgeplante Eigenleistungen können teuer werden

Viele Bauherren setzen auf die eigene Muskelkraft und auf Freundschaftsdienste von Verwandten und Bekannten, um zu sparen.

Eigenleistungen sind bares Geld wert, werden sogar von den Banken für die Finanzierung der Immobilie einkalkuliert. Laut einer Umfrage des Bauherren-Schutzbundes (BSB) wollen 36 Prozent der Bauherren damit zu geringes Eigenkapital ausgleichen.

Doch einfach so drauflos zu werkeln, bringt nichts. Wer an der falschen Stelle anpackt oder gar pfuscht, macht den Bau am Ende teurer, als wenn er gleich einen Fachmann beauftragt hätte. Eine unrealistische Planung der Eigenleistungen oder ihre unsachgemäße Ausführung könne das ganze Finanzierungsgefüge gefährden, warnt der Bauherren-Schutzbund.

Die Banken lassen sich die geplanten Eigenleistungen konkret mit der Angabe von Material- und Lohnanteil nachweisen. Das hat Einfluss auf den Kreditrahmen. Wer sich verkalkuliert, muss sich um eine Nachfinanzierung kümmern. Und die ist in der Regel teuer.

Hohe Belastung

„Oft wir der Arbeitsaufwand unterschätzt”, erklärt der BSB. Wer 1.000 Stunden Muskelhypothek bei einjähriger Bauzeit veranschlagt, müsse wöchentlich etwa 25 Stunden auf der Baustelle arbeiten. Wenn nur Wochenenden oder der Urlaub zur Verfügung stehen, ist das eine hohe Belastung.

Bauherren sollten also systematisch an die Sache herangehen und genau rechnen. Zuerst müsse klar gestellt werden, welche Arbeiten überhaupt in Eigenregie von Laien ausgeführt werden können. Ratsam sei es, Gewerke zu bevorzugen, die einen hohen Lohn- und geringen Materialanteil enthalten, erläutern die BSB-Experten.

Denn Lohnkosten sind teuer und schlagen in vollem Umfang für die Bauherren zu Buche. Die meisten Häuslebauer übernehmen Maler- und Tapezierarbeiten, verlegen Bodenbelege oder arbeiten an den Außenanlagen.

Von Spezialgewerken wie Heizungs- und Elektroinstallation sollten Ungeübte besser die Finger lassen, raten die Bauexperten. Besonders riskant sei es, wenn sie Arbeiten übernehmen, die spezielle Kenntnis von Bauvorschriften und Regelwerken erfordern. Oft sind dann teure Nacharbeiten notwendig, und der Bauablauf verzögert sich. Zwtl.: Wünsche mit der Baufirma abstimmen

Außerdem muss sichergestellt werden, dass sich die Eigenleistungen reibungslos in den übrigen Bauablauf einfügen. Wer selbst baut, muss bereits vor Vertragsabschluss genau auflisten, welche Bauleistungen er übernimmt. Diese Wünsche müssen anschließend mit der Baufirma abgestimmt und im Vertrag detailliert festgeschrieben werden, wie die Arbeitsgemeinschaft Baurecht im Deutschen Anwaltsverein erklärt.

Die Vertragspartner müssen die Schnittstellen zwischen Fremd- und Eigenleistungen exakt definieren - und zwar in organisatorischer wie auch in zeitlicher Hinsicht. Sonst gibt es hinterher teure Missverständnisse und Probleme bei der Gewährleistung.

Zudem sind Haftungsfragen zu klären. Denn es können zum Beispiel Konflikte auftreten, wenn durch die Eigenleistungen Schäden am Bauwerk entstehen und der Bauträger anschließend nicht fristgemäß weiterbauen kann. So etwas muss unbedingt zuvor geregelt werden. Nicht zu vergessen ist die Sicherheit. Der Bauherr ist verantwortlich dafür, dass auf seiner Baustelle gefahrlos gearbeitet wird.

Bei Arbeitsunfällen haben die Helfer keinen Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung. Deshalb muss der Bauherr sie innerhalb einer Woche nach Baubeginn bei der Bau-Berufsgenossenschaft anmelden, selbst wenn sie für ihn kostenlos arbeiten. Für seine eigene Absicherung kann er entweder eine private Unfallversicherung abschließen oder sich freiwillig bei der Berufsgenossenschaft anmelden.