Berlin/Mainz: Schlüsselfertig bauen ohne böse Überraschungen

Berlin/Mainz: Schlüsselfertig bauen ohne böse Überraschungen

Es klingt verlockend: Man lässt schlüsselfertig zum Festpreis bauen und muss nur noch einziehen. Alles weitere rund um den Bau des Hauses erledigt der Bauträger. Doch die Verbraucherzentralen der Länder und der Bundesverband (vzbv) in Berlin warnen vor undurchsichtigen, unvollständigen und unverbindlichen Baubeschreibungen.

„Nicht aufgeführte Leistungen oder blumige Umschreibungen mit reichlich Interpretationsspielraum können böse Überraschungen und erhebliche Zusatzkosten zur Folge haben”, sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen.

„Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Haus oder eine Wohnung zu bauen oder zu kaufen, geht leider häufig zu leichtgläubig an diese meist größte Investition im Leben heran”, warnt Uta Maria Schmidt, Bauberaterin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. „Er erwartet kompetente Verkäufer, versierte Planer und faire Konditionen.” Fertighaushersteller und Bauträger preisen ihre Objekte gern in bunten Prospekten und mit blumigen Worten an, die Realität am Bau sehe allerdings häufig anders aus.

„Schlüsselfertiges Bauen hat zwar für den Bauherrn die großen Vorteile, dass er einen verlässlichen Festpreis und nur einen Ansprechpartner hat, anstatt jedes der Gewerke einzeln zu vergeben und miteinander abzustimmen”, räumt die Expertin ein. „Prüfen Sie aber penibel, welche Leistungen der Festpreis einschließt. Sonst kann es hinterher zu teuren Überraschungen kommen - zum Beispiel, dass Sie die Erschließungskosten des Grundstücks zusätzlich bezahlen oder aber die Fliesenarbeiten selbst organisieren müssen.” Erst wenn alle Angaben vorliegen, könnten eine risikofreie Finanzierung sichergestellt und Nachfinanzierungen vermieden werden.

„Eine gute Beschreibung führt sämtliche Leistungen und Materialien sowie deren Preise auf”, ergänzt Gerd Billen. Unvollständige Angaben bergen ein hohes Risiko, da der Anbieter nur verpflichtet ist, die im Vertrag erwähnten Arbeiten auszuführen. Bei der Kontrolle der Baubeschreibung könne es sich lohnen, Experten einzubeziehen.

Die Liste unzulänglicher Bau- und Leistungsbeschreibungen ist nach Uta Maria Schmidts Worten lang: Da werden schon mal ganze Häuser auf lediglich drei DIN-A-4-Seiten beschrieben. Beim Punkt „Heizung” heißt es mitunter schlicht „Ja”. Die Beschreibung „Bodenbelag: Fußbodenbeläge auf ungefliesten Flächen” enthält die Überraschung, ob am Ende Teppichboden, Parkett oder Laminat verlegt wird.

Auch der Begriff „schlüsselfertig” sei nicht verbindlich definiert - häufig fehlten Angaben und Kosten zu Leistungen wie Hausanschlüssen, Baustelleneinrichtung, Erdarbeiten oder Maler- und Tapezierarbeiten. „Wer sich die gängigen Leistungsbeschreibungen von Bauprojekten ansieht, findet nur selten verbindliche, rechtlich belastbare Aussagen”, beklagt die Fachfrau.

Weitere Fallstricke: Fertighäuser oder massive Typenhäuser werden gern „ab Oberkante Bodenplatte”, also ohne Keller oder Bodenplatte, angeboten. Oft fehlen laut Schmidt auch notwendige Rückstausicherungen, so dass beim ersten Starkregen der Keller unter Wasser steht. Revisionsschacht und Kanalanschluss sind nur gegen Aufpreis zu bekommen. Sockelleisten und Übergangsschienen fehlen, weil diese zum Bodenlegergewerk gehören. Oder das Einmauern der Badewanne und der Duschwanne entfällt, weil dies Sache des Fliesenlegers ist.

Zu den fehlenden Leistungen kommen dann noch solche, die ungenau beschrieben sind. „Aufbau der Bodenplatte nach Statik” oder „Verglasung gemäß Energiebedarfsrechnung” etwa sind solche Gummi-Formulierungen. „Über das verwendete Material oder den Wärmedurchlasswert von Boden, Wand und Dach ist damit keinerlei Aussage getroffen”, sagt Uta Maria Schmidt. Dabei seien diese Angaben in Zeiten steigender Energiekosten für den Bauherrn enorm wichtig. Er müsse wissen, ob er den Energie-Mindeststandard nach EnEV, KfW 60-, KfW-40- oder Passivhaus-Standard erhält.

Auch Formulierungen wie „Änderungen der genannten Materialien und Produkte aus Gründen technischer Neuerungen oder der Wirtschaftlichkeit bleiben dem Auftragnehmer vorbehalten” in der Baubeschreibung sollten gestrichen werden, fordert die Bauberaterin.

Der Grundsatz laute: Erst Art und Umfang der Leistung inklusive der Bemusterung festlegen, Festpreis ermitteln lassen und erst dann unterschreiben. „Alles, was nicht klar und deutlich schriftlich fixiert ist, kann der Unternehmer nach eigenem Ermessen ausführen”, betont Schmidt abschließend.