Aachen/Hamburg: Mit Pappnase ins Büro: Penetrante Karnevalisten nerven

Aachen/Hamburg: Mit Pappnase ins Büro: Penetrante Karnevalisten nerven

Wer Karneval im Büro feiern will, spricht das besser vorher gründlich mit dem Chef und seinen Kollegen ab. Denn es kann andere schnell nerven, wenn ein Beschäftigter plötzlich mit der Pappnase bei der Arbeit auftaucht - vor allem, wenn er erwartet, dass die Kollegen mitmachen und sich von der Feierlaune anstecken lassen.

Anderen solche Bräuche aufzudrängen, komme nie gut an, warnte die Etikette-Trainerin Imme Vogelsang aus Hamburg in einem Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Penetrantes Stimmungsmachen kann daher nach hinten losgehen und dafür sorgen, dass anderen die Lust zum Feiern erst recht vergeht.

Gerade Karnevalisten und Fasching-Fans im „Exil” würden in der Regel eher schief angesehen und machten sich leicht lächerlich, wenn sie außerhalb der Narrenhochburgen verkleidet zur Arbeit kommen, sagte die Trainerin vom Netzwerk Etikette Trainer International. „Da heißt es dann schnell: Der arme Irre!” Aber auch in Städten wie Köln, Düsseldorf und Mainz gelte es, an Karneval nicht aufdringlich zu werden und höfliche Distanz zu anderen Mitarbeitern zu wahren.

In den Karnevalshochburgen werden in der „fünften Jahreszeit” zwar überall ungefragt Bütze - also Küsse - verteilt und Schlipse angeschnitten. Beim Chef probiert man das aber lieber nicht aus: „Vor allem nicht, wenn er gerade die teure Seidenkrawatte anhat”, warnte Vogelsang - es sei denn, er ist ausdrücklich damit einverstanden.

Auch für ein Glas Sekt um 11.11 Uhr an Weiberfastnacht, wenn die „jecken Tage” beginnen, holen sich Mitarbeiter besser eine Erlaubnis. Bei Alkohol im Dienst und spontanen Arbeitsniederlegungen für eine Polonaise dürften viele Chefs keinen Spaß verstehen. „Heute gilt mehr denn je, dass Alkohol in vielen Betrieben tabu ist”, sagte Vogelsang. Auch Schlager hören im Büro findet nicht jeder Vorgesetzte witzig.

In karnevalsfreien Zonen dürften sich Beschäftigte ohnehin wenig Hoffnung machen, den Karneval gebührend im Betrieb feiern zu können. Exil-Rheinländer und andere „Jecken” könnten zwar versuchen, sich Gleichgesinnte im Unternehmen zu suchen und sich dann in einem separaten Raum zum Anstoßen auf die Karnevalszeit zu versammeln. „In Hamburg zum Beispiel ist das aber eher unrealistisch.” Und wer richtig feiern will, müsse das sowieso nach Büroschluss nachholen.

Es spreche allerdings nichts dagegen, auch außerhalb der Narrenzentren zum Beispiel Krapfen mit ins Büro zu bringen und den Kollegen anzubieten, sagte Vogelsang. Vielleicht kommen sie durch solche „Appetithäppchen” ja auf den Geschmack.

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