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Berlin: Mehr Geld für Arbeitnehmer: Neue Regeln beim Reisekostenrecht

Berlin : Mehr Geld für Arbeitnehmer: Neue Regeln beim Reisekostenrecht

Einen festen Schreibtisch im Büro und einen eigenen Parkplatz auf dem Werksgelände? Für viele Beschäftigte sieht der Arbeitsalltag anders aus: Egal ob Verkäufer, Postzusteller oder Pflegekräfte - zahlreiche Arbeitnehmer sind für ihren Job häufig unterwegs.

Ausgaben für Benzin, die Verpflegung oder die Übernachtung können sie in diesem Fall beim Finanzamt geltend machen. Ab Anfang Januar gelten dafür neue Regelungen. Betroffen sind nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer in Berlin bundesweit etwa 35 Millionen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Das geänderte Reisekostenrecht soll künftig transparenter und einfacher zu handhaben sein. „Es gab hierzu in der Vergangenheit viele Gerichtsurteile”, erklärt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Diese wurden in der neuen Gesetzeslage nun berücksichtigt. „Es gibt jetzt klare gesetzliche Regelungen”, sagt der Steuerexperte. Die Änderungen im Überblick:

Fahrtkosten: Der bisherige Begriff der „regelmäßigen Arbeitsstätte” wird neu gefasst und durch die Bezeichnung „erste Tätigkeitsstätte” ersetzt. „Damit soll Rechtssicherheit geschaffen und die aktuelle Rechtssprechung des Bundesfinanzhofs umgesetzt werden”, erklärt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler in Berlin.

Pro Dienstverhältnis kann es nur eine erste Tätigkeitsstätte geben, die in der Regel vom Arbeitgeber festgelegt wird. Fehlt eine solche Festlegung, wird nach quantitativen Kriterien entschieden, zum Beispiel, wie oft ein Beschäftigter an einem bestimmten Arbeitsplatz eingesetzt wird.

Wichtig ist diese Festlegung im Zusammenhang mit den Fahrtkosten. Alle Fahrten zur ersten Tatigkeitsstätte können über die Entfernungspauschale geltend gemacht werden. Anerkannt werden 30 Cent pro Entfernungskilometer für eine einfache Fahrt. Alle Fahrten zu anderen Tätigkeitsstätten können künftig komplett - das heißt für die ganze Strecke - mit der Kilometerpauschale abgerechnet werden.

Verpflegungskosten: Wer beruflich unterwegs ist, kann Pauschalen für höhere Kosten bei der Verpflegung steuerlich geltend machen. Laut Bundessteuerberaterkammer gilt 2013 noch eine dreistufige Bewertung: 6 Euro, 12 Euro und 24 Euro bei jeweils mindestens einer Abwesenheit von 8, 14 beziehungsweise 24 Stunden. „Diese Regelung wurde jetzt vereinfacht”, erklärt Uwe Rauhhöft.

Statt drei gibt es ab dem 1. Januar 2014 nur noch zwei Pauschalen: Arbeitnehmer erhalten dann bei einer Abwesenheit von mindestens 8 Stunden bereits 12 Euro. 24 Euro können künftig bei einer Abwesenheit von 24 Stunden abgerechnet werden.

Vorteile bringt die neue Regelung vor allem für Arbeitnehmer, die mehrere Tage auf Dienstreise sind. Sie müssen keine Mindestabwesenheit von 8 Stunden bei An- und Abreise nachweisen, dürfen aber für diese Tage jeweils 12 Euro in Rechnung stellen. „Das muss künftig nicht mehr alles so genau aufgeschrieben werden”, erklärt Rauhöft.

Übernachtungskosten: Wer auswärts arbeitet und für Übernachtungen in Hotels oder Pensionen bezahlen muss, kann diese Aufwendungen wie bisher beim Finanzamt als Werbungskosten absetzen. Berücksichtigt werden nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach wie vor alle Ausgaben, für die Belege vorliegen.

Ab 2014 berücksichtigt das Finanzamt die Aufwendungen nur noch 48 Monate lang. Danach können nur noch maximal 1000 Euro monatlich für Übernachtungen steuerlich geltend gemacht werden. Wichtig zu beachten: Wurde die auswärtige Tätigkeit mindestens sechs Monate unterbrochen, beginnt die 48-Monats-Frist wieder neu.

Doppelte Haushaltsführung: Bechäftigte dürfen bestimmte Ausgaben bei der Steuer als Werbungskosten absetzen, wenn sie sich nach einem Jobwechsel oder einer Versetzung eine Zweitwohnung am Arbeitsplatz nehmen. Bisher nahm das Finanzamt die Kosten für eine 60 Quadratmeter große Wohnung als Richtschnur und berücksichtigte dafür die maximal übliche Ortsmiete. „Darüber gab es aber oft Streit”, erklärt Uwe Rauhöft.

Deshalb wurde die Regelung hierfür nun vereinfacht: Ab Januar werden maximal 1000 Euro im Monat als Werbungskosten anerkannt. In diesem Betrag ist alles enthalten: Miete für die Wohnung, Betriebskosten und mögliche Ausgaben für einen Stellplatz oder die Garage.

Außerdem prüft das Finanzamt nach Angaben der Verbraucherschützer aus NRW künftig, ob die Zweitwohnung beruflich notwendig ist: Die Entfernung zur Tätigkeitsstätte darf jetzt nicht halb so lang sein wie die Entfernung von der Erstwohnung dorthin. Ein Beispiel: Ist die Erstwohnung 50 Kilometer entfernt, darf die Strecke zwischen Zweitwohnung und Tätigkeitsstätte maximal 24 Kilometer betragen.

(dpa)