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Frankfurt/Main: Langfristig denken: Als Anleger nicht nur auf Quartalszahlen schauen

Frankfurt/Main : Langfristig denken: Als Anleger nicht nur auf Quartalszahlen schauen

Nach dem Osterfest verfallen viele Anleger wieder in Hektik. Denn ein paar Wochen nach Ende eines jeden Vierteljahres öffnen die Unternehmen ihre Bücher. Damit schicken sie die Kurse ihrer Aktien nicht selten auf eine Achterbahnfahrt.

Angesichts dessen sind Panikreaktionen für Anleger aber unangebracht. Vielmehr empfiehlt es sich, neben den Quartalszahlen auch die langfristige Entwicklung eines Unternehmens im Blick zu haben.

Einige Experten bezweifeln ohnehin, ob der Reigen von Quartalszahlen wirklich wichtige Schlüsse für die Anlageentscheidung zulässt. Das Erbsenzählen von Quartal zu Quartal sei eine Nebenerscheinung, meint etwa der Börsenexperte Hans Bernecker. Vielmehr bestimme künftig verstärkt die Unternehmensstrategie, wohin die Reise am Aktienmarkt geht.

Auch Fondsmanager beobachten ein neu erwachtes Interesse an langfristigen Leitlinien - die freilich nur dann eine Kursrakete zünden, wenn die Anleger den Firmenlenkern vertrauen. So passierte es jüngst bei der Deutschen Post. Nachdem der gelbe Riese für die kommenden fünf Jahre ein kräftiges Gewinnwachstum in Aussicht gestellt hatte, schnellten die Titel auf ein Rekordhoch. Die Anleger kauften Konzernchef Jürgen Appell seine Wachstumsstrategie mit Blick auf den boomenden Online-Handel ab - ein Geschäftsmodell, das jeder nachvollziehen kann, der als Privatmann Waren über das Internet bestellt und Pakete geliefert bekommt.

Dennoch: Auch Quartalsberichte haben ihre Berechtigung, und zwar gerade aus Sicht der Kleinaktionäre. Wenn es nicht alle drei Monate harte Zahlen gäbe, müssten sich die Anleger ein Jahr lang im Blindflug bewegen, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Berichte können seiner Meinung nach einen guten Eindruck davon vermitteln, ob ein Unternehmen im Plan liegt.

Gleichwohl besteht die Gefahr, dass die vierteljährlichen Veröffentlichungen der Unternehmen mehr verwirren als beruhigen. Einmal fallen die Zahlen besser als von Analysten erwartet aus, ein anderes Mal verfehlen sie die Erwartungen - nach vier solcher Meldungen sind langfristig orientierte Privatanleger am Ende eines Geschäftsjahres eventuell kaum schlauer als zuvor. Insofern orientierten sie sich vermehrt an den jährlichen Ausschüttungen der Unternehmen, hat Portfoliomanager Andreas Pataniak von Dialog Vermögensmanagement beobachtet. Auch darin spiegelt sich die Strategie einer Aktiengesellschaft: Wer seine Dividende nicht kürzt oder sogar erhöht, signalisiert damit die langfristige Zuversicht in den Erfolg des Geschäftsmodells.

Aber auch Investmentprofis zweifeln am Sinn des vierteljährlichen Zahlenreigens: „Quartalsberichte sind reine Zeit- und Energieverschwendung”, sagt John Bennett, Fondsmanager bei Henderson Global Investors. „Kein Unternehmen wird auf vierteljährlicher Basis geführt.” Deutlich aussagekräftiger seien die Jahresabschlüsse der Unternehmen und insbesondere die Kapitalflussrechnung.

Wichtig aber ist laut Portfoliomanager Pataniak, dass ein Unternehmen Vertrauen bei den Anlegern genießt. Ansonsten werde sich allein durch die Ankündigung einer neuen Strategie wenig ändern. Dies zeigten einige Beispiele aus der Bankenwelt, die massiv unter der Finanzkrise gelitten hat. So verordnete sich die Deutsche Bank einen Kulturwandel, und die Commerzbank stellte sich strategisch umfassend neu auf. Den Aktienkursen jedoch hätten diese Aktionen bislang nur wenig auf die Sprünge geholfen.

(dpa)