Kredit aufnehmen mit Tücken: die größten Fallen bei der Kreditvergabe!

Kredit aufnehmen mit Tücken : Die größten Fallen bei der Kreditvergabe

Die Zahl vermittelter Online-Darlehen steigt seit Jahren sukzessive. Doch neben lukrativen Kreditkonditionen finden sich im World Wide Web auch dubiose Kreditvermittler, die ahnungslose Privatpersonen mit scheinbar attraktiven Zinsen in die Kreditfalle locken.

Für viele Antragsteller ist dies der Schritt in die Überschuldung. Doch es gibt Wege, günstige Kredite von teuren Darlehensangeboten zu unterscheiden.

Die wichtigsten Aussagen in aller Kürze:

- Die Anzahl vermittelter Ratenkredite in Deutschland steigt seit Jahren an.

- Online-Kredite sind in der Regel günstiger als Kredite von der Filialbank.

- Um günstige Online-Kredite zu finden, muss ein Kreditvergleich vorgenommen werden.

- Fallen lauern vor allem im Kleingedruckten: Dubiose Kreditvermittler verlangen zum Beispiel Vermittlungsgebühren und/oder Vorkosten.

- Online-Kredite sollten ausschließlich bei seriösen und somit zertifizierten Portalen beantragt werden.

Schuldenstatistik: In Deutschland steigt die Verschuldung!

Die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 26. März dürfte Bund und Länder erfreuen: Die öffentlichen Schulden zum Ende des 4. Quartals 2018 seien um 2,7 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Bei der Privatverschuldung in Deutschland sieht es aber leider etwas schlechter aus. 2018 waren 6,93 Millionen Privatpersonen überschuldet. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, hat die Überschuldungsquote seither um mehr als zehn Prozent zugenommen!

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele. Plötzlicher Arbeitsplatzverlust, Krankheit, Scheidung oder Tod zählen zu den häufigsten Gründen, warum Menschen in die Schuldenfalle geraten. Hin und wieder sind es aber auch zu teure Darlehen, die nicht mehr bedient werden können. Speziell online ist die Gefahr groß, an unseriöse Kreditvermittler und überteuerte Darlehen zu geraten - zumindest sofern bei der Auswahl des Kreditportals nicht ordentlich hingeschaut wurde.

Online-Kredite - fast immer - günstiger als bei der Hausbank!

Gerade online ist die Verlockung groß, zu schnell einen Kredit mit vermeintlich günstigen Konditionen aufzunehmen, auch wenn laut Marktstudie 2018 der GfK SE die meisten Personen ihren Kredit noch immer persönlich und vor Ort bei der Hausbank abschließen. Doch die Digitalisierung macht auch vor der Finanzwelt nicht halt.

Heutzutage lassen sich Kreditverträge auch bequem vom Smartphone aus abschließen. Dank moderner Verfahren wie dem VideoIdent vergehen vom Kreditantrag bis zur Bonitätsprüfung und schlussendlich auch der Identifikation der eigenen Person nur noch wenige Minuten.

Zudem fällt auch das Kreditportfolio online meist breitgefächerter aus. Ob nun ein Darlehen für das Auto, ein Immobilienkredit, Darlehen zum Zwecke einer Umschuldung oder sogar ein Kredit, der ohne Schufa-Auskunft vergeben wird , dank des Internets stehen Finanzierungen für nahezu alle Vorhaben und für jedwede Personengruppen offen.

Schnelligkeit und Verfügbarkeit sind das eine, der andere große Vorteil liegt aber gewiss bei den Kosten: Denn Online-Kredite sind in der Regel günstiger als Darlehen von der Filialbank. Dies hat seine Gründe. Neben dem hohen Konkurrenzdruck im Internet, der kräftig auf das Preisniveau drückt, zumal Kunden Online-Kredite sehr einfach vergleichen können, fallen auch die Kosten für Banken selbst niedriger aus. Mietkosten für Filialräume, Unterhaltungskosten oder Personalkosten existieren kaum. Diese Einsparungen wirken sich selbstverständlich auf die Kreditkonditionen aus.

Die Vorteile des Online-Kredits zusammengefasst:

1. Meist günstige Konditionen

2. Einfache Vergleichsmöglichkeiten

3. Kreditantrag und Auszahlung schnell abgewickelt - und das ortsunabhängig

Kostenfalle Online-Kredit? Kreditangebote im Internet richtig bewerten!

Online-Kredite scheinen also besonders attraktiv zu sein. Ohnehin gibt es kaum einen besseren Zeitpunkt als den jetzigen, über eine Finanzierung nachzudenken. Denn seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen hat, an ihrer Nullzinspolitik noch bis Ende 2019 festzuhalten, werden Finanzierungen weiterhin günstig sein wie nie zuvor.

Doch dies wissen auch Online-Portale, die Kredite bzw. Finanzierungen an Privatpersonen vermitteln. Was hier auf den ersten Blick besonders lukrativ erscheint, könnte auf den zweiten Blick enorme Kosten verursachen. Doch dubiose Kredit- und Finanzierungsangebote sind vom geschulten Auge schnell zu erkennen!

Kostenfalle 1: die Nullprozentfinanzierung

Die Nullprozentfinanzierung ist eine beliebte Finanzierungsform für Konsumgüter, die vor allem von Elektronikhändlern und Online-Shops angeboten wird. Bei dieser Finanzierungsform schließen Kunden einen herkömmlichen Ratenkredit mit einer Bank ab, die Abwicklung wird aber über den Händler vorgenommen. Wie der Name bereits vermuten lässt, fallen bei der Nullprozentfinanzierung keinerlei Zinsen an. Wo liegt also der Nachteil?

Tatsächlich verleitet die Nullprozentfinanzierung zu unüberlegten Käufen, die manch einer sich womöglich gar nicht leisten kann. Laut einer Studie des Bankenfachverbands aus dem Jahr 2017 wären 61 Prozent aller Käufe ohne diese Form der Finanzierung gar nicht getätigt worden. Die Gefahr einer Überschuldung steigt also.

Doch warum wird diese überhaupt angeboten? Oder anders gefragt: Wer verdient an der Nullprozentfinanzierung? Der Clou liegt oft im Kaufpreis. Eine Nullprozentfinanzierung ist als Finanzierung zwar günstig, nur das finanzierte Produkt ist es in der Regel nicht. Händler versuchen also, überteuerte Produkte an den Mann zu bringen, indem eine günstige Finanzierung angeboten wird, die vom Preis ablenkt.

Und die Banken? Diese erhalten wertvolle Kundendaten, die ansonsten nur über teure Werbe- und Marketingmaßnahmen erhältlich wären. Praktisch zum Nulltarif können diese Daten dann für individualisierte Werbung eingesetzt werden, beispielsweise für Folgeverträge. Dieser Datennutzung müssen Kunden fast immer bei Vertragsunterschrift zustimmen.

Kostenfalle 2: nicht zertifizierte Anbieter

Fakt ist, dass Kreditvermittler eine Genehmigung benötigen. Tatsächlich ist der Job eines Kreditvermittlers sogar ein offiziell eingetragener Beruf - und erfordert demnach auch eine Erlaubnis durch das Gewerbeamt. Auch deswegen ist es immer ratsam, vor Vertragsabschluss im Internet einen Blick in das Impressum zu werfen, wo ein Hinweis zu den zuständigen Aufsichtsbehörden erfolgt sein muss.

Ebenfalls nicht zu vergessen ist ein Blick auf etwaige Zertifizierungen - und das ausstellende Institut. Der TÜV Saarland oder bekannte Zeitschriften wie Focus Money vergeben an seriöse und professionell tätige Kreditportale und -vermittler Zertifikate und Auszeichnungen, die ebenso wie Kundenrezensionen einen Hinweis auf die Integrität eines Kreditvermittlers geben können.

Kostenfalle 3: das Kleingedruckte

Im Internet gibt es die Möglichkeit, Kredite bei Direktbanken oder über Kreditvermittler abzuschließen. Beide Optionen sind legitim, letztere bieten den Vorteil, dass sie bereits einen Kreditvergleich durchführen und Interessenten somit eine Menge Zeit und Arbeit abnehmen. Doch Achtung, eine Garantie auf einen unabhängigen Vergleich gibt es in der Regel nicht. Außerdem ist nicht gesagt, dass tatsächlich alle Angebote der Banken geprüft wurden.

Daher ist es ratsam, auch einen Kreditvergleich nochmals persönlich zu prüfen, um sich tatsächlich einen allumfassenden Überblick zu verschaffen. Mit Argusaugen sollte auch ein Blick auf die AGB bzw. das berühmte Kleingedruckte im Darlehensvertrag geworfen werden. Kreditvermittler erhalten von Banken für die Vermittlung eine Provision und verdienen auf diese Weise ihr Geld.

Mitunter wollen einige Portale aber noch etwas mehr verdienen und verlangen auch vom Kunden eine Provision oder ähnliche Zahlungen für Verwaltungsleistungen oder das Zusenden der Vertragsunterlagen. In solchen Fällen sollte das Kreditangebot auf alle Fälle ausgeschlagen werden.

Kostenfalle 4: unnötige Zusatzleistungen/-versicherungen

Oftmals versuchen Kreditvermittler Antragsteller weitere Produkte zu verkaufen, die angeblich zwingend notwendig sind. Oftmals sind sie es aber nicht und dienen lediglich dem Zweck, den Profit des Vermittlers weiter zu erhöhen. Mitunter werden gar vollkommen themenfremde Leistungen wie eine Reiseversicherung angeboten. Im schlimmsten Fall ist der Abschluss von derlei Versicherungen gar Pflicht. Ist dies der Fall, gilt auch hier wieder: das Kreditangebot ablehnen! Denn für gewöhnlich sind solche Versicherungen lediglich Kostenfallen.

Doch es gibt natürlich auch sinnvolle Kreditversicherungen. Vor allen Dingen ist hier die Restschuldversicherung zu nennen, die Darlehensnehmer im Fall von Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder gar Tod absichert. Doch auch bei der Restschuldversicherung ist es ratsam, Angebote zu vergleichen und nicht blind auf die Offerte des Kreditportals zu vertrauen.

Kostenfalle 5: eigene Fehlkalkulation

Zu guter Letzt ist als typische Kostenfalle noch die eigene Fehlkalkulation zu nennen. Diese fällt zwar nicht zulasten eines Kreditvermittlers, stattdessen in den eigenen Verantwortungsbereich, soll an dieser Stelle aber auch genannt werden.

Wie viel Kredit kann ich mir eigentlich leisten? Um diese Frage fundiert beantworten zu können, ist es ratsam, einen Haushalsplan bzw. eine Haushaltsrechnung aufzustellen, wobei im Grunde nur Einnahmen und Ausgaben des Monats gegenübergestellt werden sollen. Die Restsumme ist der frei verfügbare Betrag.

Hierbei ist es aber wichtig, nicht zu knapp zu kalkulieren! Denn natürlich können auch unvorhergesehene Kosten anfallen, wenn das Auto streikt oder die Waschmaschine kaputtgeht. Deswegen unbedingt in die Haushaltsrechnung eine Sparpauschale einbeziehen! Der Restbetrag steht dann wirklich für die Rückzahlung des Kredits über die Monatsrate zur Verfügung.

Die 5 Häufigsten Kreditfallen

1. Nullprozentfinanzierung

Günstige Finanzierung, meist aber nur für überteuerte Produkte! Zudem werden persönliche Daten für Webezwecke verwendet.

2. Nicht Zertifizierte Anbieter

Kreditvermittler brauchen eine Genehmigung vom Gewerbeamt! Auch Zertifizierungen sollten überprüft werden!

3. Kleingedrucktes

Im Kleingedruckten des Kreditvertrags oder auch in den AGB können weitere Kosten versteckt werden. Zum Beispiel für die Zusendung der Vertragsunterlagen.

4. Zusatzversicherungen

Bis auf eine Restschuldversicherung ist keine Kreditversicherung sinnvoll. Doch auch die Restschuldversicherung sollte mit anderen Angeboten verglichen werden.

5. Fehlkalkulation

Wie viel Kredit man sich leisten kann, muss über einen Haushaltsplan ermittelt werden. Dabei aber auf keinen Fall einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben vergessen!

Fazit: Online-Kredite sind günstiger, wenn?

Dass Online-Kredite gegenüber Darlehen von der Filialbank viele Vorteile bieten, dürfte ersichtlich geworden sein. Doch diese Vorteile, vor allem der Kostenvorteil, ist eben nur ein tatsächlicher, wenn alle Risikofaktoren ausgeschlossen wurden.

Insbesondere auf Kostenfallen in den Kreditverträgen und auf die Seriosität des Anbieters sollte geachtet werden. Kreditangeboten aus dem Internet darf nicht blind vertraut werden! Trotz schneller und unkomplizierter Vergleiche sollte auch immer ein manueller Blick auf den Kreditmarkt geworfen werden. Und wie immer gilt: Sieht ein Angebot zu gut aus, ist meist etwas faul.

(vo)
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