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Frankfurt/Main: Kleinanleger brauchen bei Firmeninsolvenzen viel Geduld

Frankfurt/Main : Kleinanleger brauchen bei Firmeninsolvenzen viel Geduld

Zehn Jahre haben sie gehofft und gebangt: Etwa 30.000 Anleger der Frankfurter Pleitefirma Phoenix Kapitaldienst bekommen nun wenigstens einen Teil ihres Geldes zurück. Auch wenn nicht alle Insolvenzverfahren so lange dauern - Geduld müssen Anleger in den meisten Fällen mitbringen, bevor sie ihre Ersparnisse teilweise wiedersehen. Auch weil Profi-Investoren wie Hedgefonds als Gläubiger oft andere Interessen verfolgen als Kleinanleger.

„Insolvenzen, von denen Kleinanleger betroffen sind, sind in der Regel mit zahlreichen Prozessen verbunden. Vier Jahre sind oft das Minimum”, sagt Insolvenzverwalter Ottmar Hermann. „Allein ein Rechtsstreit reicht und fünf Jahre können schnell vorbei sein”, ergänzt der Insolvenzverwalter von Phoenix Kapitaldienst, Frank Schmitt.

2007 hatte es im Fall Phoenix schon einmal nach einer Einigung mit den Gläubigern ausgesehen. Viele Kleinanleger, die ihre Ersparnisse als Altersvorsorge bei der Investmentgesellschaft Phoenix Kapitaldienst angelegt hatten, hofften auf ein baldiges Ende des Verfahrens. Doch der institutionelle Anleger CITCO Global Custody schoss quer und zog gegen den Insolvenzplan vor Gericht.

„Profi-Investoren wie Hedgefonds, die zuvor billig bei einem Krisenunternehmen einstiegen sind, haben oft andere Interessen als Kleinanleger”, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie hofften, bei einer Insolvenz mehr herauszubekommen, als sie investiert hätten - zur Not mit einem Gang vor Gericht. „Sie sind in der Regel wenig kompromissbereit”, sagt der Aktionärsschützer. Im Einzelfall könnten alle Gläubiger davon profitieren. Betroffene Kleinanleger sollten ihre Interessen bündeln. „Einzelne Anleger sind den Profis mangels Know-how nicht gewachsen”, sagt Kurz.

Phoenix Kapitaldienst hatte mit Hilfe gefälschter Unterlagen Wertpapiergeschäfte vorgetäuscht und die Anleger seit Anfang der 1990er Jahre um gut 600 Millionen Euro geprellt. Der Betrug flog im März 2005 auf, weil nach dem Unfalltod des Firmengründers die Geschäftsführung wechselte. Die Investmentgesellschaft musste Insolvenz anmelden.

Nicht alle geschädigten Anleger erleben den Abschluss des Verfahrens: In 1700 Fällen geht das Geld an die Erben, wie Insolvenzverwalter Schmitt berichtet. Insgesamt werden 230 Millionen Euro an 30.000 Anleger und andere Gläubiger verteilt.

Neben juristischen Auseinandersetzungen gibt es auch praktische Probleme, die Zeit kosten: Jeder Gläubiger muss mit aktueller Adresse und Kontonummer erfasst sein. Das wirkt auf den ersten Blick simpel, doch Umzüge, Namensänderungen durch Heirat oder Scheidung sowie Erbfälle machen die Recherche für den Insolvenzverwalter aufwendig. „Bei Gläubigern im Ausland ist es noch komplizierter”, sagt Schmitt.

Eine gewisse Beschleunigung habe die Reform des Insolvenzrechts durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) gebracht. „Ein Insolvenzplan zur Abwicklung eines Unternehmens und Befriedigung der Gläubigerforderungen könnte heute viel schneller und flexibler durchgezogen werden”, sagt Schmitt. „Insbesondere muss nach der Reform ein Insolvenzplan ein Insolvenzverfahren nicht mehr beenden, sondern kann auch nur bestimmte Bereiche der Abwicklung regeln.”

Die geplante Einführung eines Konzerninsolvenzrechts sieht Hermann zwar als Schritt in die richtige Richtung, aber viele Probleme blieben ungelöst. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem einen einheitlichen Gerichtsstand für alle Gesellschaften eines Konzerns vor. „Das ist positiv, aber die Reformen beschränken sich auf das Verfahren. Die inhaltliche Abwicklung wird dadurch nicht erleichtert”, sagt Hermann. So entscheide beispielsweise auch künftig jede einzelne Gemeinde, ob sie Gewerbesteuer auf den Sanierungsgewinn einer bei ihr ansässigen Konzerngesellschaft erhebe oder die Steuer erlasse. „Die Gläubiger müssen unterdessen auf ihr Geld warten.”

(dpa)