Berlin: Kellner muss Trinkgeld nicht abgeben

Berlin: Kellner muss Trinkgeld nicht abgeben

Kellner dürfen Trinkgelder von Gästen auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber eine Gemeinschaftskasse eingerichtet hat, an der alle Beschäftigten beteiligt werden sollen.

Ebenso wenig kann der Arbeitgeber die gewünschte Aufteilung des Trinkgeldes dadurch erzwingen, dass er dem Mitarbeiter verbietet, selbst bei den Gästen zu kassieren. Auf eine entsprechende Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen: 10 Sa 483/10) macht die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) aufmerksam.

In dem Fall nahm ein Mitarbeiter eines gastronomischen Betriebs monatlich rund 500 Euro Trinkgeld ein. Weil der Arbeitgeber das eingenommene Trinkgeld nicht nur den Kellnern, sondern dem gesamten Personal zukommen lassen wollte, richtete er eine Gemeinschaftskasse ein. Als der Kellner die Einzahlung der Trinkgelder verweigerte, durfte er nicht mehr bei den Gästen kassieren.

Das Gericht stellte jedoch fest, dass der Arbeitgeber beide Weisungen nicht geben durfte. Da die Empfänger Trinkgelder steuerfrei behalten dürften, stellten sie einen erheblichen Anteil des Einkommens dar. Trinkgelder gehörten arbeitsrechtlich nicht zum Arbeitsentgelt, weil die Gäste sie freiwillig als persönliche Zuwendung aus einer „positiven Motivationslage” heraus erbrächten. Daraus folge, dass diese Zuwendungen dem Kläger unmittelbar zustünden.