Berlin/Stuttgart: Kein Anlageprotokoll: „Lieber die Bank wechseln”

Berlin/Stuttgart: Kein Anlageprotokoll: „Lieber die Bank wechseln”

Bankberatung wie sie nicht sein sollte: Der Kunde will Geld anlegen und Zinsen kassieren. Es ist zwar keine Riesensumme, aber auch nicht gerade wenig Geld. Doch der Anlageberater redet nur unverständlich über Zertifikate - und ein Gesprächsprotokoll hat er auch noch nicht angefangen, obwohl der Kunde extra danach gefragt hat.

In einer solchen Situation gibt es nach Empfehlung von Verbraucherschützern nur eine Lösung: „Wird ein Protokoll verweigert, sollte man die Bank wechseln”, rät Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

Die Mitarbeiter von Geldinstituten seien gesetzlich verpflichtet, über Beratungsgespräche ein Protokoll anzufertigen, sagte Nauhauser am Dienstag in einem Gespräch mit dem dpa-Themendienst. „Das Protokoll muss vor allem so angelegt sein, dass Verbraucherschützer und Richter das Beratungsgespräch nachvollziehen können, falls es zum Streitfall kommt”, erklärte Nauhauser.

Dazu muss der Berater aber auch tatsächlich bereit sein, das Gespräch zu protokollieren - und eben das wird vielen Kunden verweigert, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat („Finanztest”, Ausgabe 8/2010).

Ein Berater könne zwar nicht verklagt werden, nur weil er kein Protokoll anfertigt, sagte Nauhauser. Aber der Kunde sollte diesen Verstoß gegen das Gesetz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) melden. Die Behörde könne dann Bußgelder verhängen, schlimmstenfalls könne die BaFin die Bank sogar einer Sonderprüfung unterziehen.

Viele Finanzprodukte sind so kompliziert, dass sie trotz des Gesprächs vom Kunden nicht verstanden werden. Doch was passiert, wenn der Kunde kleinlaut das Protokoll abnickt und das Produkt nicht versteht? „Die Frage ist doch, warum der Berater überhaupt komplizierte Produkte verkaufen will.

Man darf nicht vergessen: Es geht hier um ein Verkaufsgespräch und um Produkte, von denen die Anbieter gut leben”, erklärte Nauhauser. Banken müssten keine komplizierten Produkte wie Zertifikate verkaufen - bei denen man nicht genau weiß, was sie kosten und wie sie sich entwickeln.

Wichtig kann auch die Frage sein, welches Protokollformular verwendet wird. Die Banken hätten hier zum Teil unterschiedliche Lösungen, ebenso wie es verschiedene „Beipackzettel” zu den Finanzprodukten gebe.

Aus Sicht des Verbraucherschützers sind die Banken-Formulare wegen ihrer Uneinheitlichkeit und möglichen Unvollständigkeit aber nicht die beste Wahl. Ein aus seiner Sicht besseres Formular bieten die Verbraucherzentralen zum Download an.

Das Protokoll wird am Ende vom Finanzexperten unterschrieben. Oft fordern die Banken von den Kunden ebenfalls eine Unterschrift und lehnen bei Verweigerung sogar den Verkauf des angebotenen Produktes ab. Dies sei aber nicht rechtens und sollte abgelehnt werden, empfahl der Verbraucherschützer.