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Berlin: Kampf um die Rendite: Wie sich bei Kosten fürs Depot sparen lässt

Berlin : Kampf um die Rendite: Wie sich bei Kosten fürs Depot sparen lässt

Wer sein Geld in Wertpapiere investiert, hofft auf Gewinn. Doch die Depotgebühren knabbern an der Rendite. Beim Verwahren und Verwalten von Aktien und anderen Papieren lassen sich Kosten sparen. Das zählt vor allem für Kleinanleger. „Je geringer die Anlagesumme, desto stärker beeinflusst die Depotgebühr die Rendite”, erläutert Christina Häußler vom Verband mittelständischer Versicherungs- und Finanzmakler. Dagegen wirken sich bei größeren Beträgen die Ausgaben für Trading und Transaktionen sowie Ausgabeaufschläge stärker aus als die Depotgebühren.

Preiswerte Angebote für die Aufbewahrung der Wertpapiere finden Anleger bei Filialbanken, Direktbanken und Discountbrokern. In ihre Überlegung, welche Variante die richtige ist, sollten sie sowohl die Höhe ihres Investments einbeziehen als auch die Anlageart und die Häufigkeit der Umschichtungen. Ein Aspekt ist der Service. Einsteiger brauchen mehr Beratung als erfahrene Trader. Deshalb können Anfänger bei einer Filialbank besser aufgehoben sein als auf einer Plattform im Netz, die ohne Beratung funktioniert und darum weniger kostet.

Ein unerfahrener Anleger sollte den Kostenfaktor Depotgebühr erst ins Kalkül ziehen, wenn er so fit ist, dass er seine Börsengeschäfte ohne fachmännische Unterstützung in Eigenregie abwickeln kann. Verbraucherschützer haben grundsätzlich nichts gegen Online-Verwahrung. Ihrer Einschätzung nach sind die Angebote transparent. Als günstige Option empfiehlt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Anlegern, nach einem ETF-Sparplan-Angebot Ausschau zu halten. Das gebe es oft kostenlos.

Dennoch dürfte sich der Anlegerwunsch nach dem Verwahren der Wertpapiere ohne zusätzliche Ausgaben selten erfüllen. Es wird keine Bank ein Depot kostenfrei zur Verfügung stellen können, ohne die langfristige Aussicht, daran doch noch zu verdienen, sagt Finanzmaklerin Häußler.

Manche Geldinstitute machen die Verwahrgebühr abhängig vom Depotvolumen. Wird die Gebühr prozentual berechnet, kämen Anleger mit hohen Einlagen besser weg als solche, die Papiere für kleinere Summen im Depot hätten, sagt Thomas Hentschel, Finanzreferent der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Filialbanken arbeiten seiner Beobachtung nach auch mit einer Variante, wonach die Verwahrung sich nicht am Wert orientiert, sondern pro im Depot befindlichem Titel berechnet wird. Das kann teurer werden für Kleinanleger, die ihr Geld in viele verschiedene Aktien gesteckt haben.

Anleger müssen außerdem Zusatzausgaben einkalkulieren. Online- wie Filialbanken verlangen zum Beispiel üblicherweise Orderkosten. Diese können einem Bericht der Zeitschrift „Finanztest” (Ausgabe 7/2015) zufolge deutlich schwanken. In einem Test lagen die günstigsten Offerten für online geführte Depots unter 10 Euro, beim klassischen Depot reichte die Mindestpreisspanne von 10 bis 35 Euro. Zusätzlich fallen Transaktionskosten für Kauf und Verkauf der Wertpapiere an.

Vielfach hängen die Kosten vom Volumen des Depots und der Art der gehandelten Papiere ab. Laut „Finanztest” fällt der Handel von ETF, Aktien und Zertifikaten im Vergleich zum Handel mit Anleihen in der Regel etwas günstiger aus. Nach Angaben von Thomas Hentschel gibt es bei den Transaktionskosten von Filialbanken selten eine Grenze nach oben. Sein Tipp: Darauf achten, ob solche Belastungen gedeckelt sind.

Pauschalen sind eine Möglichkeiten, die Depotausgaben von vornherein weitgehend zu beschränken. Sogenannte Flatfees oder All-in-Fees beinhalten je nach Gestaltung sowohl die jährliche Depotgebühr als auch den Preis für Orders, erläutert Christiane Häußler. Wenn die Pauschale variabel ist und prozentual vom Nettovermögenswert gerechnet wird, sollte sie „eine maximale Größe haben”, damit der Anleger weiß, woran er ist.

Anleger, die bereits Kunde eines Geldinstituts sind, können auch versuchen zu verhandeln. Dazu rät Verbraucherschützer Nauhauser: Macht eine Bank regelmäßig gute Umsätze mit dem Kunden, habe der Chancen auf bessere Konditionen. Sparpotenzial ergibt sich auch bei der Nutzung des Onlinebankings, das die Hausbank im Angebot hat.

So können Kunden selbst an der Börse aktiv werden und von den meist günstigeren Tarifen im Netz profitieren, ohne ganz auf den gewohnten Service zu verzichten. Das Freischalten kann sich auszahlen, wie Thomas Hentschels Vergleich von Angeboten einer Sparkasse in Nordrhein-Westfalen zeigt: Sie verlangt bei einen Volumen bis zu 15.000 Euro für das Brokerage am heimischen PC 0,5 Prozent, also 75 Euro. Beim Berater sind die Kosten doppelt so hoch.

(dpa)