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Düsseldorf: Hoch, höher, Dax: Was Anleger bei Aktien bedenken sollten

Düsseldorf : Hoch, höher, Dax: Was Anleger bei Aktien bedenken sollten

Egal ob Tokio, New York oder Frankfurt - Anlegern bietet sich fast überall das gleiche Bild: Die Kurse an vielen wichtigen Börsenplätzen steigen wieder. Keine Rede mehr von Schuldenkrise oder Lehmann-Pleite. „Die Aussichten sind gut”, sagt daher Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf.

Doch was bedeutet das für Kleinanleger? Lohnt sich der Einstieg auf diesem Niveau überhaupt? „Sie sollten sich nicht von der Rekordjagd beunruhigen lassen”, sagt Kurz. „Die Entwicklung findet ja nicht im luftleeren Raum statt.” Und in der Tat: Die weltweite Konjunktur scheint wieder anzuziehen. So sind nach Einschätzung der Weltbank die Aussichten für die globale Wirtschaft so gut wie lange nicht mehr. Und auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist für Deutschland optimistisch. Kein Wunder also, dass der Dax bald die nächste Rekordmarke überschreiten könnte.

Doch es gibt einen Wermutstropfen: An vielen Anlegern in Deutschland geht dieser Aufschwung vorbei. „Aktie und Kapitalmarkt werden von der Gesamtheit der privaten Anleger nicht angemessen genutzt, insbesondere für die Langfristanlage”, erklärte Christine Bortenlänger, Leiterin des Deutsche Aktieninstituts (DAI), bei der Vorstellung der aktuellen Aktionärszahlen im Herbst vergangenen Jahres.

Zwar investieren viele Sparer ihr Geld angesichts historisch niedriger Zinsen inzwischen direkt in Aktien. So stieg die Gesamtzahl der Aktionäre in Deutschland laut DAI im ersten Halbjahr 2013 um 323.000 oder 7,1 Prozent. Damit hielten insgesamt 4,9 Millionen Anleger beziehungsweise 7,5 Prozent der Bevölkerung Aktien als Direktanlage. Doch das entspricht gerade mal ungefähr dem Stand von 2003.

Und jetzt kommt noch dieses hohe Niveau der Aktienindizes dazu. „Viele Anleger haben Angst vor dem großen Crash”, sagt Jürgen Kurz. Die Erinnerung an die kräftigen Kurseinbrüche, die Anleger in der sogenannten Dotcom-Krise und auch nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers verkraften mussten, scheinen noch zu frisch sein. Doch aus Sicht des Wertpapierexperten ist die Situation dieses Mal eine andere: „Es gibt keine so große Übertreibung.” Die Kurse seien von wirtschaftlichen Zahlen unterfüttert.

Für Anleger kann sich ein Investment an der Börse also auszahlen. Wer etwa Anfang 2013 in den deutschen Aktienindex Dax investiert hat, konnte sich ein Jahr später über ein Plus von etwa 25 Prozent freuen. Ob das aber in diesem Jahr genauso sein wird, ist unklar. „Es ist auch ein wenig Risiko dabei”, erklärt Prof. Marin Weber von der Universität Mannheim. Denn die Kurse können auch fallen. „Das Gute an der Börse ist aber: Niemand kann die Zukunft verlässlich voraussagen, auch die Profis nicht.”

Kleinanleger sollten daher immer einige Regeln im Kopf behalten, wenn sie ihr Geld in Aktien investieren, zum Beispiel den Anlagehorizont. „Sie sollten langfristig investieren”, rät Prof. Weber. Denn wer zehn Jahre oder besser noch länger dabei bleibt, kann auch längere Verlustphasen überstehen. Und über lange Sicht entwickeln sich die Aktienmärkte meist positiv. Auch bei den derzeitigen Rekordkursen kann sich ein Einstieg daher noch lohnen - wenn Anleger genug Zeit mitbringen.

Eine weitere wichtige Regel lautet: „Lege niemals alle Eier in einen Korb.” Anders gesagt: Anleger sollten immer nur einen Teil ihres Geldes an der Börse investieren. Andernfalls können Kursverluste das Vermögen empfindlich schmälern. „Verteilen Sie Ihr Geld besser”, empfiehlt Weber. Denn auch in Zeiten von niedrigen Zinsen kann neben Aktien ein Festgeldkonto sinnvoll sein.

Im Aktiendepot selbst sollte ebenfalls nicht nur ein Titel liegen. „Wer in einzelne Werte investieren will, sollte das Geld über verschiedene Branchen verteilen, zum Beispiel in Unternehmen aus der Nahrungsmittel- oder der Chemie-Branche”, sagt Kurz. Aber auch Aktien von ausländischen Firmen, etwa aus den USA oder Japan, können für Anleger in Deutschland interessant sein.

Außerdem sollten Anleger generell nicht nur in einen Markt investieren, betont Weber. „Der Dax entwickelt sich zwar im Moment gut”, sagt der Finanzwissenschaftler. „In den Emerging Markets sieht das aber nicht unbedingt auch so aus.” Das heißt: Märkte entwickeln sich nicht immer gleich. Gehen die Kurse in der einen Region nach oben, können sie in einer anderen nach unten gehen. In einigen Jahren kann sich das Blatt dann wieder wenden. Anleger, die in beiden Regionen investiert haben, können aber Verluste meist mit Gewinnen ausgleichen.

Ein weiterer Punkt, der für Aktien sprechen könnte: Bei Aktiengesellschaften geht es nicht nur um Kursgewinne. „Auch Dividenden spielen eine Rolle”, erklärt Prof. Weber. Denn diese regelmäßigen Gewinnausschüttungen gehen direkt an die Aktionäre. Bei manchem Dax-Unternehmen ist die Rendite beachtlich: vier Prozent sind durchaus möglich.

Wer nicht direkt in einzelne Unternehmen investieren will, kann auch Fonds kaufen. Geeignet sind zum Beispiel börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, die in der Regel billiger sind als gemanagte Fonds. „Damit können Sie Ihr Geld breit streuen”, erklärt Kurz. Denn die ETFs bilden einen Börsenindex nach, investieren also das Geld der Anleger in genau die Papiere, die in dem jeweiligen Index enthalten sind. „Wenn Sie einen ETF auf den Dax und einen auf den MDax kaufen, haben Sie fast ganz Deutschland in Ihrem Depot.” Läuft die Konjunktur dann wirklich so gut wie derzeit erwartet, kann sich das am Ende lohnen.

(dpa)