1. Leben
  2. Geld

Düsseldorf: Fonds für Einsteiger: Wie Anleger den passenden ETF finden

Düsseldorf : Fonds für Einsteiger: Wie Anleger den passenden ETF finden

Ob Tagesgeldkonto, Festgeld oder Sparbrief - mit Zinsen werden Sparer im Moment nicht reich. Es gibt nur wenige Angebote, bei denen mehr als 1 Prozent drin ist. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung liegt der durchschnittliche Zinssatz bei Tagesgeldkonten derzeit bei gerade einmal 0,47 Prozent, bei Festgeld mit 12 Monaten Laufzeit bei 0,40 Prozent und bei Sparbriefen mit einer Laufzeit von 2 Jahren bei mageren 0,50 Prozent (Stand jeweils: 28.05.15). Vermögen für das Alter aufbauen lässt sich so kaum. Dabei ist genau das wichtig, denn die gesetzliche Rente wird für viele später nicht ausreichen.

Was also tun? „Ohne ein wenig Risiko haben Sie kaum eine Chance auf Rendite”, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Doch vor Aktien scheinen die meisten Bundesbürger Angst zu haben, wie Umfragen immer wieder zeigen. „Aktien sind immer noch negativ besetzt”, hat Oelmann beobachtet.

Dabei ist das oft unbegründet. Langfristig machen Anleger mit Aktien in der Regel ein Plus. So konnte ein Anleger, der 1985 deutsche Standardaktien kaufte und Ende 2014 wieder verkaufte, eine jährliche Rendite von 6,7 Prozent erzielen, rechnet das Deutsche Aktieninstitut vor.

Doch welche Aktien kaufen? Für die meisten Privatanleger ist eine Auswahl schwierig, denn die Gefahr, mit der Entscheidung danebenzuliegen, ist groß. Eine gute Möglichkeit bieten börsengehandelte Indexfonds. Exchange-traded Funds (EFTs) haben gegenüber aktiv verwalteten Fonds einen wesentlichen Vorteil: Sie sind kostengünstig.

„In der Regel gibt es keinen Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsvergütung ist gering”, erklärt Thomas Zipfel von der Freiburger Vermögensmanagement GmbH. Und das wirkt sich positiv auf die Rendite aus. Wie aber kommen Anleger zu einem passenden ETF? Vier Schritte für Einsteiger:

- Depot eröffnen: ETFs gehören bei den meisten Geldinstituten nicht zum Standardangebot. Zwar können sie häufig auch bei Filialbanken gekauft werden. Doch einfacher ist es, einen ETF direkt über ein eigenes Depot zu beziehen. Anleger richten sich einfach bei einer Direktbank ein Depot ein. Das notwendige Antragsformular findet sich auf den Internetseiten des jeweiligen Geldinstituts.

Mit dem ausgefüllten Formular müssen Kunden in die nächste Postfiliale, um unter Vorlage des Personalausweises das Post-Ident-Verfahren durchführen zu lassen. Einige Direktbanken bieten inzwischen aber auch die Video-Legitimation an. Kunden nutzen die Webcam an ihrem Computer, um sich zu identifizieren.

- Index auswählen: Im Gegensatz zu aktiven Fonds bilden ETFs einen Index nach. „Daher ist die Auswahl des passenden Index ein wichtiger Schritt”, sagt Annabel Oelmann. Einsteiger sollten sich eher auf die bekannten Indizes konzentrieren, findet die Verbraucherschützerin. „Setzen Sie nicht gleich auf Exoten, sondern wählen Sie eher Standardindizes.”

Der bekannte und etablierte Index für eine globale Aktienanlage ist der MSCI World. Dieser Index enthält rund 1600 verschiedene Titel von Unternehmen aus der ganzen Welt. Für Aktien aus Europa gibt es zum Beispiel den Dow Jones Stoxx 50 oder den Dow Jones Euro Stoxx 50. Für Aktien nordamerikanischer Unternehmen kommen der S&P 500, der MSCI USA oder der MSCI North America infrage. Für Schwellenländer gibt es den MSCI Emerging Markets.

ETFs gibt es aber nicht nur für Aktienindizes, sondern für Anleihenindizes. Hier sollten Anleger schauen, was in einem Index steckt, empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW. Eine Rolle spielen etwa die Restlaufzeiten der enthaltenen Anleihen oder die Kreditwürdigkeit der Herausgeber.

- Fonds wählen: ETFs sind auf den ersten Blick einfach und transparent. Viele ETFs bilden einen Index nach, indem sie direkt in die Wertpapiere der in dem Index enthaltenen Unternehmen investieren. Bei dieser sogenannten physischen Nachbildung sprechen Experten auch von der Vollreplikation. Der Anteil jeder einzelnen Aktie am Fondsvermögen ist genauso groß wie die Gewichtung dieser Aktie im Index, erklären die Verbraucherschützer. Auch Veränderungen im Index werden in diesem Fall nachvollzogen.

Allerdings gibt es auch ETFs, die einen Index künstlich nachbilden. „Viele der heute so beliebten ETFs haben nicht tatsächlich den Index als Bestandteil, sondern beliebige Wertpapiere und Derivate”, erklärt Rainer Laborenz von der Privatinvestor Vermögensmanagement GmbH. Ein Indexfonds auf den Dax kann also völlig andere Wertpapiere enthalten.

Dennoch entwickelt sich ein solcher Fonds in etwa wie der entsprechende Index. Denn die Fondsgesellschaft hat zugleich mit einem Geldinstitut einen Vertrag abgeschlossen, der ihr zusichert, die Unterschiede zwischen der Entwicklung des Index und des vom Fonds gehaltenen Aktienkorbes auszugleichen. Für die ETF-Anbieter ist diese Möglichkeit in der Regel günstiger. „Das ist eine Riesen-Mogelpackung, weil mit synthetischen Produkten etwas vorgegaukelt wird, was tatsächlich nicht vorhanden ist”, kritisiert Laborenz. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW haben synthetische ETFs aber keine gravierenden Nachteile für Anleger.

- Depot mischen: Auch beim Investment mit ETFs gilt, nicht alles auf eine Karte zu setzen. „Mit ETFs können Sie recht einfach ein breites Depot aufstellen”, sagt Jürgen Kurz. Basis sollte ein weltweit streuender Fonds sein. Wer ein wenig Sicherheit möchte, kann einen Anleihen-ETF dazu kaufen. In diesem Fall haben sich Anleger ihren eigenen Mischfonds gebaut. Ergänzend kann aber auch ein ETF für Europa oder die Schwellenländer ins Depot.

Für den Einstieg brauchen Anleger nicht einmal große Summen. „Viele Direktbanken bieten Sparpläne auf ETFs an”, erklärt Kurz. „Wenn Sie monatlich 200 Euro zum Sparen zur Verfügung haben, können Sie zum Beispiel 50 Euro in einen ETF investieren.” Auf lange Sicht wird sich ein solches Investment vermutlich auszahlen.

(dpa)