Eine Steuererklärung lohnt sich fast immer

Berlin: Eine Steuererklärung lohnt sich fast immer

Viele Menschen sind mit dem Thema Steuererklärung nicht vertraut und werden auch nur äußerst ungern daran erinnert. Dabei ist die Ausfertigung einer Steuererklärung zumeist gar nicht so schwer und vor allem beinahe immer lohnenswert im Hinblick auf eine satte Rückerstattung - 980 Euro bekommen Arbeitnehmer im Durchschnitt zurück.

Wer Arbeitnehmer ist, zahlt automatisch jeden Monat Einkommensteuer. Das bedeutet, dass die Einkünfte, wenn sie auf dem Konto eingehen, bereits versteuert sind. Wer weder verheiratet ist noch zusätzliche Nebeneinkünfte hat, muss damit keine Steuererklärung abgeben. Dennoch besteht für viele Arbeitnehmer eine Pflicht zur Steuererklärung, auch als Veranlagungspflicht bezeichnet.

In diesen Fällen nimmt das Finanzamt an, dass die monatlichen Steuern in nicht ausreichender Höhe vom Lohn oder Gehalt abgezogen wurden. Das kann beispielsweise dann zutreffen, wenn über den eigentlichen Arbeitslohn hinaus jährliche Zusatzeinkünfte in Höhe von über 410 Euro erwirtschaftet wurden. Dazu zählen beispielsweise auch Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung.

Außerdem besteht eine Veranlagungspflicht, wenn ein Ehepartner die Steuerklasse 5 oder 6 und der andere die Steuerklasse 4 mit Faktor gewählt hat. Auch wenn das Finanzamt einen Freibetrag eingetragen hat, beispielsweise für die Fahrstrecke zur Arbeit oder Betreuungskosten für Kinder, ist eine Veranlagung für die meisten Arbeitnehmer Pflicht. Weitere Bedingungen, die eine Steuererklärung für Arbeitnehmer nach sich ziehen, sind die Beschäftigung bei mehreren Arbeitgebern, der Bezug von steuerfreien Entgeltersatzleistungen ab einer Höhe von 410 Euro im Jahr sowie eine Wiederheirat im selben Jahr der Scheidung.

Freiwillige Steuererklärung empfehlenswert

Um alle Steuervorteile optimal zu nutzen, kann nur empfohlen werden, eine Steuererklärung abzugeben. Die Beauftragung eines Steuerberaters ist dabei für die Mehrheit der Arbeitnehmer gar nicht notwendig und darüber hinaus sehr kostenintensiv. Das von den Finanzämtern zur Verfügung gestellte Onlineprogramm zur Steuererklärung ELSTER ist zwar kostenlos, jedoch nicht gerade benutzerfreundlich und sogar für Fachleute ziemlich kompliziert.

Mittlerweile sind Anbieter für Online-Steuererklärungen eine gute Möglichkeit, die eigene Steuererklärung schnell und kostengünstig abzuwickeln und spart oft den kostspieligen Gang zum Steuerberater.

Eine Steuererklärung darf dabei immer abgegeben werden, auch wenn hierzu keine Verpflichtung besteht. Denn gerade in diesen Fällen lohnt sich die Abgabe einer Steuererklärung fast immer. Ganz gleich also ob Auszubildender, Student, Arbeitnehmer oder Rentner - die Empfehlung lautet dahingehend, immer eine Steuererklärung abzugeben und den vermeintlichen Aufwand dafür nicht zu scheuen.

Im Steuerrecht wurde dafür der Begriff Antragsveranlagung geschaffen, falls freiwillig beim Finanzamt eine Steuererklärung eingereicht wird. Dies ist in den meisten Fällen lohnenswert. sein. Beispielsweise dann, wenn hohe Ausgaben für Ausbildung oder Beruf angefallen sind, ein Umzug stattgefunden hat, sich die Steuerklassen im Jahresverlauf geändert haben oder die Gehaltszahlungen variieren.

Werbungskosten und Sonderausgaben

Auch wer als Arbeitnehmer im Laufe eines Kalenderjahres nicht ununterbrochen in einem Beschäftigungsverhältnis gestanden hat, sollte eine Steuererklärung abgeben. Wer wenig verdient, beispielsweise im Rahmen einer Berufsausbildung oder eines Studiums, kann gegenüber dem Finanzamt einen sogenannten Verlustvortrag geltend machen und damit seine Steuerlast erheblich senken.

Bei haushaltsnahen Dienstleistungs- und Beschäftigungsverhältnissen können ebenfalls Steuerermäßigungen geltend gemacht werden. Darüber hinaus sollte eine Steuererklärung erwogen werden, wenn sogenannte außergewöhnliche Belastungen, Sonderausgaben oder Werbungskosten im Jahresverlauf entstanden sind. Empfehlenswert ist es hierfür, Nachweise für entsprechende Kosten aufzubewahren, um diese auf Nachfrage des Finanzamtes einreichen zu können.

Vielfach besteht Unklarheit darüber, was der Unterschied zwischen Sonderausgaben und Werbungskosten ist. Bei den Sonderausgaben handelt es sich um privat veranlasste Aufwendungen, welche also eigentlich mit der Arbeit oder mit der Ausbildung gar nichts zu tun haben, aber dennoch steuerlich relevant sein können. Im Einkommensteuergesetz ist genau aufgezählt, welche Aufwendungen von den Finanzämtern als Sonderausgaben anerkannt werden.

Bis zu einer Höhe von maximal 6.000 € im Jahr können Sonderausgaben bei der jährlichen Steuererklärung berücksichtigt werden, bei den Werbungskosten gibt es dagegen keine Grenze nach oben. Werbungskosten sind berufsbezogen und beinhalten somit sämtliche Aufwendungen, welche mit der Sicherung oder dem Erhalt von Einnahmen im Zusammenhang stehen. Typische Werbungskosten sind also beispielsweise Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit oder Aufwendungen für Berufskleidung.

Ist eine Steuererklärung freiwillig, so entfallen damit auch alle sonst üblichen Abgabefristen. Dies bedeutet ganz konkret, dass eine Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend noch eingereicht werden kann, ohne dass daraus irgendwelche Nachteile entstehen. Ein Verlustvortrag ist aktuell sogar noch bis zu 7 Jahre rückwirkend möglich.

Für bestimmte Personen- und Berufsgruppen wie Auszubildende, Studierende oder Lehrer gibt es inzwischen spezialisierte Online-Steuererklärungen. Diese Programme gehen gezielt auf die steuerliche Situation der jeweiligen Zielgruppe ein. Dadurch ist die Steuererklärung weniger komplex und zeitaufwändig.

(vo)
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