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Biallos Ratgeber: Ein Kinderwunsch kann teuer werden

Biallos Ratgeber : Ein Kinderwunsch kann teuer werden

Im Corona-Jahr ist der Anteil künstlicher Befruchtung angestiegen. Durch die gezielte Wahl der Krankenkasse und staatliche Zuschüsse lässt sich der Eigenanteil reduzieren.

Die Nachricht erstaunt: Im Jahr 2020 ist der Anteil künstlicher Befruchtungen um 9,3 Prozent gestiegen. Viele Paare waren offenbar gewillt, viel Geld für eine Kinderwunschbehandlung auszugeben. Durch die gezielte Wahl der Krankenkasse und staatliche Zuschüsse lässt sich der Eigenanteil reduzieren.

 Kosten: Mehr Zeit durch Homeoffice und mehr Geld, das nicht für teure Urlaube ausgegeben wurde, könnten Gründe sein, die zur erhöhten Rate von Kinderwunschbehandlungen geführt haben, vermutet das Deutsche IVF-Register. Bei der künstlichen Befruchtung stehen die Insemination (Samenübertragung), die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) als Methoden im Mittelpunkt. Die Kosten sind erheblich. So beläuft sich der Eigenanteil eines Kassenpatienten oft auf bis zu 1800 Euro (IVF und ICSI) pro Versuch oder gar mehr, etwa wenn Eizellen eingefroren werden. Häufig sind mehrere Versuche nötig, bis eine Schwangerschaft zustande kommt. Manchmal gelingt das auch gar nicht.

 Regelleistung der Kassen: Die Krankenkassen bezuschussen die Methoden mit jeweils bis zu 50 Prozent der Kosten: die Insemination bis zu drei- beziehungsweise achtmal je nach Behandlungsmethode, die IVF und die ICSI jeweils bis zu dreimal. Nur heterosexuelle verheiratete Paare können den Zuschuss erhalten. Zudem muss die Frau zwischen 25 und 39 Jahre alt sein, der Mann darf nicht älter als 49 Jahre sein. „Die Kassen bezahlen nur, wenn Ei- und Samenzellen der Ehegatten verwendet werden. Bei einer Samenspende werden die Kosten nicht getragen“, sagt Sabine Strüder, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

 Staatliche Förderung: Zusätzlich fördern auch einige Bundesländer den Kinderwunsch finanziell: In Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist dies der Fall. „Die Zuschüsse können in den meisten Fällen auch unverheiratete Paare erhalten, die in einer auf Dauer angelegten heterosexuellen Lebensgemeinschaft leben“, sagt Strüder. Die Zuschüsse der Länder variieren, aber häufig gibt es noch mal zwischen 25 und 50 Prozent zum Eigenanteil dazu.

 Zusatzleistungen: Manche Kassen gewähren über die Regelleistungen hinaus deutlich höhere Zuschüsse, zum Beispiel weitere 25 Prozent Zuschuss zum Eigenanteil oder einen zusätzlichen pauschalen Zuschuss von 250 oder 500 Euro pro Versuch. Manche fördern auch einen vierten Versuch oder aber sie heben die Altersgrenze der Frau auf 42 Jahre an. Das Angebot der „IKK – Die Innovationskasse“ sticht hervor: Sie trägt 100 Prozent der Kosten für IVF- und ICSI-Behandlungen. Auch etwa 50 Betriebskrankenkassen bieten ein besonderes Kinderwunsch-Programm an, das ebenfalls Leistungen vorsieht, die nicht zu den Regelleistungen der Kassen gehören.

 Kassenwechsel: Ein Kassenwechsel angesichts höherer Zuschüsse kann sich durchaus lohnen. „Auf solche freiwilligen Zusatzleistungen gibt es aber keine Garantie, sie können auch wieder aus der Satzung der Krankenkasse gestrichen werden“, betont Strüder. Zudem muss die Wunschkasse dem potentiellen Mitglied offenstehen, „manche sind nur regional geöffnet“. Wer wechseln möchte, hat es seit 2021 einfacher: Zwölf Monate Mindestmitgliedschaft bei einer Kasse genügen, um sie wechseln zu können.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.