Disruptive Online-Banken — löst das Smartphone die Bank-Filiale ab?

Berlin: Disruptive Online-Banken: Löst das Smartphone die Bank-Filiale ab?

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag in einem rasanten Tempo. Das gilt unter anderem für die Bankbranche, auch wenn die Deutschen nach wie vor ihr Bargeld lieben.

Im Mobile-Payment-Bereich gibt es heute bereits schon Lösungen, die über das etablierte Online-Banking hinausgehen. Wenn Kunden digitaler werden, müssen Industriezweige folgen. Das trifft auch den Banksektor mit seinen klassischen Filialbanken.

Sparkasse, Commerzbank oder die Volkswagen Bank beispielsweise, haben längst auf die Entwicklungen im digitalen Sektor reagiert. Sie bieten ihren Kunden über Apps die Möglichkeit, alle Bankgeschäfte auf dem Smartphone zu erledigen. Überweisungen, Daueraufträge und die Darstellung von Umsatzanzeigen gehören dazu.

App statt Filiale: Deutsche noch skeptisch beim Online-Banking

Doch die Deutschen sind im europäischen Vergleich konservativ, wenn es um Bankdienstleistungen auf dem Smartphone geht und vertrauen noch immer eher ihrer Hausbank. Erst 29 Prozent der deutschen Bankkunden tätigen ihre Geschäfte laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitcom ausschließlich auf Tablets oder Smartphones.Zwar gaben 76 Prozent der Internetnutzer an auch Online-Banking zu nutzen, doch immerhin 51 Prozent besuchen nach wie vor hin und wieder eine Bankfiliale.

Einer der Gründe: Noch fehlt vielen das Vertrauen in die Technik hinter dem Online-Banking, die die Sicherheit ihrer Daten im Internet gewährleisten soll. Das belegt auch eine Studie der ING Diba. Dennoch: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und das basiert darauf, dass Kunden attraktive Angebote wichtiger sind, als die namenhaften Marken dahinter. Immer mehr Filialen schließen und Banken tun sich zusammen, wenn es um gemeinsame Geldautomaten geht.

Die Bank wird mobil: Neue Geschäftsmodelle im Finanzsektor

Banken wie comdirect,ING-DiBaoder DKB haben den Wandel der Zeit schon in den 90er Jahren erkannt und wickeln seit jeher alle Geschäfte als klassische Direktbanken und abseits von Filialen ab. Aber der Trend geht weiter.

Neben dem Platzhirsch PayPal bieten nun auch Fintech-Startups wie die Online-Bank Number26 Apps an, mit denen man mobil bezahlen kann. Diese Banken holen den Kunden dort ab, wo klassische Banken kaum mehr mithalten können.

Mobile Transaktionen kann man schnell und einfach über das Smartphone erledigen. Geldabheben und Einzahlen ist über die App neuerdings sogar in Supermärkten möglich und alle Ausgaben werden automatisch kategorisiert. Auch die Sicherheit steht laut N26 an erster Stelle. So kann man sich beispielsweise mit seinem Fingerabdruck einloggen und bekommt bei jeder Transaktion sofort eine Push-Nachricht.

Mittlerweile hat N26 eine eigene Lizenz und lockt seine Neukunden als praktische Smartphone-Bank mit einem kostenlosen Girokonto inklusive Kreditkarte. Unter dem Slogan "Banking ohne Bullshit" verbucht das Startup ein monatliches Transaktionsvolumen von mittlerweile über einer Milliarde Euro und spricht mit seinem Konzept besonders die jüngere Generation an.

Mit Spannung wird auch der mobile Bezahldienst Google Pay erwartet, der Ende Juni offiziell vorgestellt wird. Das Partnerunternehmen wird die Tochter der Commerzbank sein, die comdirect. Mit Google Pay können Nutzer von Android Geräten dann drahtlos bezahlen. Beim kontaktlosen Kauf hält der Nutzer das Smartphone nur an ein NFC-Terminal. Seine Daten bleiben dabei auf dem eigenen Gerät. Auch Apple Pay ist für iPhone-Nutzer bereits vorhanden, noch fehlt aber die Markteinführung in Deutschland.

Und was macht das klassische Bankgeschäft in der Zwischenzeit? Im Sommer soll es auch bei den altbekannten Banken mit der digitalen Girocard weitergehen. Nutzer mit einem Girokonto und einem Android-Gerät, sowie mit NFC-Modul, können dann ebenfalls kontaktlos bezahlen.

Dabei sind viele Volksbanken, Sparkassen und Raiffeisenbanken. Die digitalen Karten sollen überall dort funktionieren, wo auch die entsprechenden Kontaktlos-Karten akzeptiert werden.

(rd)