1. Leben
  2. Geld

Frankfurt/Main: Die Arbeitskraft versichern: Welche Police sich wann lohnt

Frankfurt/Main : Die Arbeitskraft versichern: Welche Police sich wann lohnt

Der Verlust der Arbeitskraft ist keine Seltenheit: Viele Erwerbstätige können im Laufe des Berufslebens ihrer Arbeit für längere Zeit nicht mehr nachgehen. Seelische Probleme, ein Unfall oder eine lange Krankheit sind die Gründe dafür.

„Jeder, der aus eigenem Einkommen und nicht aus Vermögen lebt, sollte sich gegen den Ausfall seiner Arbeitskraft versichern”, sagt Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt am Main. Sonst stehen Betroffene schnell ohne Lohn und Gehalt da.

Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt zwar eine Erwerbsminderungsrente, wenn keine berufliche Tätigkeit mehr ausgeübt werden kann, jedoch nur bei Vollinvalidität, und das ist eher selten der Fall. Auch die Höhe der Rente ist gering. „Wer seinen gewohnten Lebensstandard behalten will, muss privat vorsorgen”, sagt Una Großmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Oft kommen noch weitere finanzielle Belastungen durch medizinische Versorgung und Betreuung dazu.

Beste Wahl ist eigentlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Diese Versicherung springt ein, wenn der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. „Das ist ein großer Unterschied zur Erwerbsminderungsrente”, sagt der unabhängige Versicherungsmakler Thomas Kliem aus Berlin. „Gute Verträge zahlen bereits, wenn die letzte Tätigkeit zu 50 Prozent nicht mehr ausgeübt werden kann.” Als berufsunfähig gilt meist, wer länger als ein halbes Jahr ausfällt.

Ein guter Berufsunfähigkeitsvertrag ist aber teuer: „Entscheidend für die Höhe der Prämie ist das Risiko des Antragstellers, berufsunfähig zu werden”, sagt Großmann. Das hängt stark vom ausgeübten Beruf ab. Für ihre Berechnung des Risikos nutzen die Versicherer deshalb „Berufskataloge”. Entsprechend hoch fallen die monatlichen Beiträge aus: „Maurer, Dachdecker und Krankenpfleger haben ein hohes Risiko, berufsunfähig zu werden”, sagt Mayer. „Allerdings können sie die Prämien von ihrem Gehalt oft nicht bezahlen.”

So muss ein 25-jähriger Krankenpfleger für eine Berufsunfähigkeitsrente von 1500 Euro, die bis zum 65. Lebensjahr gezahlt wird, eine Jahresprämie von 1700 bis 4500 Euro bezahlen. Zum Vergleich: „Ein Schreibtischtäter im selben Alter bekommt einen guten Tarif schon für 700 bis 1500 Euro”, rechnet Mayer vor. Der einmal festgelegte Beitrag ist dann für die gesamte Laufzeit garantiert - auch wenn der Versicherte den Job wechselt. „Das ist wichtig, weil kaum noch jemand ein Leben lang denselben Beruf ausübt”, sagt Kliem.

Auch der Gesundheitszustand, das Alter und mögliche riskante Hobbys spielen eine Rolle. Vor Vertragsabschluss fragt der Versicherer daher detailliert den Gesundheitszustand ab. „Hier besteht eine gesetzliche Anzeigepflicht”, sagt Mayer. Wer etwas verschweigt, riskiert seinen Versicherungsschutz. Kliem kann das bestätigen: „Jede Versicherung prüft bei einem Leistungsantrag zuerst, ob sie dem Kunden eine Fehlangabe nachweisen kann.”

Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich an einen Berater wenden, der für sie eine anonyme Risikovoranfrage stellen kann. Bei einem besonderen Gesundheitsrisiko können auch Ausschlusskriterien vereinbart werden, erklärt Großmann. „Wer einen angeborenen Herzfehler hat, kann Herz-Kreislauferkrankungen als Leistungsgrund ausschließen.” Wer gar keinen BU-Vertrag bekommt oder sich keinen leisten kann, sollte sich nach einer Alternative umsehen.

Die beste Alternative ist eine Versicherung gegen Erwerbsunfähigkeit. „Die ist zwar nicht viel billiger als eine Berufsunfähigkeitspolice, sie setzt aber oft keine Gesundheitsprüfung voraus”, sagt Kliem. Dafür gibt es strengere Anforderungen an den Versicherungsfall, so zahlt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung nur, wenn gar nicht mehr gearbeitet werden kann.

Eine andere Möglichkeit ist die Dread-Disease-Versicherung. Diese zahlt, wenn aufgrund einer Krankheit nicht mehr gearbeitet werden kann. Wer keine BU mehr bekommt, weil er bereits einen kaputten Rücken hat, kann sich so gegen das Risiko einer Erkrankung versichern. Aber: „Versichert werden immer nur bestimmte, medizinisch definierte Krankheiten”, sagt Mayer.

Eine Multi-Risk-Versicherung ist ein Kombiprodukt aus Unfall-, Krankheits- und Invaliditätsschutz. „Das macht Sinn, wenn ein Handwerker nur ein kleines Einkommen hat, aber dennoch ein hohes Risiko trägt”, sagt Kliem. Oft wird dabei eine Unfallversicherung mit einer Dread-Disease-Versicherung kombiniert.

Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn grundlegende Fähigkeiten wie Sehen oder Hören stark eingeschränkt sind. „Das sind häufig Produkte, die sich gut verkaufen lassen, weil dahinter ein Horrorszenario steht”, sagt Versicherungsmakler Kliem. Sinnvoll sei der Abschluss eines solchen Vertrags aber für die wenigsten Kunden.

„Die Unfallversicherung ist die schlechteste Alternative zur BU”, sagt Mayer. Diese Versicherung leistet nur bei dauerhafter Invalidität, also wenn ein Unfall mindestens ein Jahr überlebt wird und innerhalb von drei Jahren keine Verbesserung zu erwarten ist. Das ist äußerst selten. Sinnvoll sei der Abschluss daher nur für Versicherte mit besonders hohem Unfallrisiko.

(dpa)