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Depotkonten: Starke Unterschiede in der Kostenstruktur

Geldanlange : Depotkonten: Starke Unterschiede in der Kostenstruktur

Aktien erfreuen sich mittlerweile auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Galten wir in der Vergangenheit doch eher als Aktienmuffel, so hat sich dies spätestens im Jahr 2020 geändert.

Im Vergleich zu 2019 gab es 2020 nämlich bereits 2,7 Millionen mehr Anleger, die sich für Aktien, Fonds oder ETF interessierten. Doch wer mit Aktien starten möchte, benötigt zunächst ein gutes Depotkonto. Hierbei weisen gerade die Kosten mitunter recht große Unterschiede auf. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich die Materie etwas genauer anzuschauen.

Bei einem Broker fallen mitunter viele verschiedene Gebühren an

Die Fülle an unterschiedlichen Gebühren bei Depotkonten ist zum Teil erstaunlich. Aus diesem Grund erweist sich ein Anbietervergleich stets als sehr nützlich. Nur so lässt sich herausfinden, welches Depot am Ende zum eigenen Trading-Verhalten passt.

Mögliche Gebühren sind:

1. Kontoführungsgebühren

Die Kontoführungsgebühr wird als fixes Jahresentgelt erhoben. Die Kosten hängen dabei also nicht von der Aktivität des Depotinhabers ab, sondern fallen in jedem Fall an. Da es heute jedoch mehr und mehr Anbieter gibt, die keine Jahresgebühr erheben, lässt sich dieser Kostenpunkt in vielen Fällen einsparen.

Achtung: Auch wenn die Jahresgebühr ärgerlich ist, sollten potenzielle Anleger entsprechende Depots mit diesem Entgelt nicht von vornherein ausschließen. In Einzelfällen wird für die Jahresgebühr im Bereich Service und Sonderleistungen viel geboten. Zudem besteht die Möglichkeit, dass im Gegenzug die Ordergebühren sehr niedrig ausfallen.

2. Ordergebühren

Die Order- oder Transaktionsgebühren bilden den Hauptteil der Kosten, die bei einem Depot anfallen. Aus diesem Grund ist es hier wichtig, genau hinzuschauen. Die Gebührenstrukturen unterscheiden sich zum Teil deutlich, lassen sich aber oft in verschiedene Modelle einteilen:

a) Fixe Gebühr pro Trade plus prozentualer Anteil am Handelsvolumen

Der Standardfall besteht darin, dass pro Trade eine fixe Gebühr fällig wird. Die meisten Broker ergänzen diese Gebühr um einen bestimmten prozentualen Anteil vom Handelsvolumen. Eine typische Gebührenstruktur sähe dann so aus:

- 4,90 Euro pro Trade plus 0,25% vom Ordervolumen

Bei einer Order über 2.000 Euro fallen demnach 4,90 Euro plus 5 Euro als Volumenanteil an. Insgesamt also 9,90 Euro.

b) Fixe Gebühr pro Trade plus Prozent-Anteil mit Mindestgebühr

Liegt die fixe Ordergebühr eher niedrig, wird bei einigen Brokern zusätzlich noch eine Mindestgebühr berechnet. Damit wollen die Anbieter verhindern, bei einer Order mit niedrigem Volumen nur sehr niedrige Gebühren erheben zu können. Im obigen Beispiel könnte so eine Mindestgebühr bei 10 Euro liegen. Eine Order über 1.000 Euro würde dann nicht 4,90 plus 2,50 Euro Volumenanteil kosten, sondern über die Mindestgebühr von 10 Euro abgerechnet.

c) Order-Flatrate (Fixe Gebühr pro Trade)

Bei einer Order-Flatrate zahlt der Anleger lediglich einen fixen Betrag pro Order. So könnte jede Order 5,00 Euro kosten - unabhängig von der Anzahl der Orders und deren Volumen.

Besonders geeignet für: Anleger, die viele Trades pro Monat mit eher hohem Volumen durchführen

d) Prozentualer Anteil am Ordervolumen

Dieses Modell lässt sich nur noch sehr selten vorfinden. Hierbei kassiert der Broker lediglich einen prozentualen Anteil vom Ordervolumen. So zum Beispiel 0,5% vom Volumen. Das Preismodell existiert mit und ohne Mindestgebühr.

Besonders geeignet für: Anleger, die vor allem Trades mit niedrigem Ordervolumen durchführen

Hinweis: Viele Broker verlangen für telefonische Transaktionen oft eine höhere Gebühr, weil dann ein Mitarbeiter aktiv den Trade ausführen muss.

3. Börsenentgelt

Das Börsenentgelt wird vom jeweiligen Handelsplatz für die Durchführung einer Order berechnet. Der Broker gibt diese Gebühr im Normalfall an den Anleger weiter. Unterschiede entstehen hierbei vor allem durch folgende Aspekte:

- Handelsplätze, mit denen der Broker zusammenarbeitet

- Höhe des Anteils, den der Broker an den Anleger weitergibt

In Einzelfällen kann es auch schon vorkommen, dass Broker über einen begrenzten Zeitraum hinweg das Börsenentgelt nicht oder nur teilweise an Kunden weitergeben. Dies passiert dann meistens zum Zweck der Neukunden-Werbung.

4. Weitere Gebühren

Darüber hinaus fallen auch noch Limit-Gebühren oder Ausgabeaufschläge bei Fonds an. Wer sich auf der Suche nach einem Depotkonto befindet, sollte auch diese checken, da sich hier ebenfalls deutliche Unterschiede finden lassen. Im Bereich der ETFs bieten viele Broker zudem die Möglichkeit, eine Vielzahl an Fonds ohne Ausgabenaufschlag erwerben zu können.

Das Depotkonto muss auch kostentechnisch passen

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass Anleger bei der Wahl des Depotkontos eine gewisse Sorgfalt an den Tag legen sollten. Gerade in Bezug auf die Kosten können bei einer klugen Wahl mitunter deutlich Ersparungen erzielt werden. Hierbei gilt: Es gibt nicht das eine beste Depot, sondern die Gebührenstruktur sollte zum eigenen Anlegerverhalten passen.