Berlin/Offenbach: Brand nach Toilettengang: Versicherer hat keine Regressansprüche

Berlin/Offenbach: Brand nach Toilettengang: Versicherer hat keine Regressansprüche

Verursachen wenige Minuten unbeaufsichtigt brennende Kerzen einen Wohnungsbrand, muss die Versicherung den Schaden bezahlen.

Darauf weist die Deutsche Anwaltsauskunft in Berlin hin. Sie beruft sich dabei auf ein Urteil des Amtsgerichts Offenbach (Az.: 38 C 377/06).

In dem Fall war der Beklagte einige Minuten auf die Toilette gegangen und hatte die hölzerne Weihnachtspyramide unbeaufsichtigt gelassen. In dieser Zeit lösten die Kerzen der Pyramide einen Brand aus. Die Gebäudeversicherung des Vermieters wollte den Mieter in Regress nehmen und klagte.

Das Gericht wies die Klage jedoch als unbegründet zurück. Denn ein Regress sei nur berechtigt, wenn der Beklagte vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat. Beides treffe hier nicht zu. Denn von brennenden Kerzen gehe nicht grundsätzlich eine akute Brandgefahr aus. Außerdem könne ein Brand nach einer kurzen Abwesenheit immer noch zügig gelöscht werden, bevor ein großer Schaden entsteht. Außerdem habe der Beklagte keinen ausgetrockneten Adventskranz oder ähnlich leicht Brennbares alleingelassen.

Seit der Novelle des Versicherungsvertragsgesetzes vom 1. Januar 2008 ist ein Versicherungsschutz bei grober Fahrlässigkeit nicht mehr automatisch ausgeschlossen. Die Anwaltsauskunft erklärt, dass das „Alles-oder-Nichts-Prinzip” nicht mehr gelte. Stattdessen wird in Schadensfällen immer je nach der Schwere des Verschuldens anteilig reguliert.