Aachen: Börsenguru Bernecker: "Was Herr Trump tut, ist völlig wurscht"

Aachen: Börsenguru Bernecker: "Was Herr Trump tut, ist völlig wurscht"

Trotz positiver Vorzeichen zum Wochenauftakt gibt es noch keine Entwarnung im Dax. "Das Korrekturpotenzial reicht bis 11.000 Punkte", sagt Börsenguru Hans A. Bernecker. 11.831 Punkte - so lautet das bisherige Zwischentief des Deutschen Aktienindex Dax in der jüngsten Korrektur.

Seit dem Allzeithoch am 23. Januar bei knapp 13.600 Punkten belaufen sich die Kursverluste in der Spitze auf dreizehn Prozent. Auch wenn sich der deutsche Leitindex von seinen Tiefständen am 5. März wieder erholen konnte, gibt es noch keine Entwarnung.

Laut Börsen-Urgestein Hans A. Bernecker, Herausgeber des Börsenbriefs "Die Actien-Börse", drohen neue Tiefs. "Wir befinden uns mitten in einer Konsolidierungsphase, die nach so einem langen Aufwärtstrend bitter nötig ist. Das Korrekturpotenzial reicht bis 11.000 Punkte — dann wären wir erst bei 20 Prozent", so der Grandseigneur der deutschen Börsenexperten im Gespräch mit biallo.de.

Chancen nutzen statt Angst haben

Berneckers Wort hat Gewicht - schließlich steht sein Name für über ein halbes Jahrhundert hochkarätige Anlageberatung. Bis Mai, so glaubt er, könnte der Abwärtstrend anhalten. Angst vor dem Kursrutsch sei jedoch auf keinen Fall der richtige Ratgeber, stattdessen solle man darüber nachdenken, wie man die Chancen im danach zu erwartenden Aufwärtstrend am besten nutzt.

"Falls der Dax tatsächlich auf eine Marke rund um 11.000 Punkte fallen sollte, würde die Bewertung im Schnitt unter zehn fallen. Das wäre das tiefste Kurs-Gewinn-Verhältnis, das es jemals in Deutschland gegeben hat. Dann wären Aktien so billig, dass sie wieder glaubwürdiges Rallye-Potenzial haben", sagt Bernecker.

Sein Tipp: "Am Ende der Korrektur muss man ordentlich Cash haben, um die Chancen nutzen zu können." Er empfiehlt das Mitnehmen von Gewinnen im Depot und eine Barquote von mindestens 30 Prozent im Depot. Bei welchen Aktien sich nach Ende der derzeitigen Konsolidierungsphase die besten Chancen bieten werden, ist laut Bernecker noch nicht abzusehen. Allerdings seien MDax- und SDax-Werte von A(urubis) bis Z(alando) generell wesentlich interessanter als die eher schwerfälligen Dax-Werte. Es sei denn, es gäbe ähnliche Sondergeschichten wie die von RWE, Eon oder Lufthansa im Jahr 2017.

Deutsche Bank - "die umstrittenste Aktie Deutschlands"

Einen Anwärter für eine besondere Entwicklung sieht Bernecker in der Deutschen Bank - allerdings nur, wenn sie ihr Führungspersonal austauscht. "Die Deutsche Bank hat ein falsches Management. Die Glaubwürdigkeit ist eine Frage der Personen und wenn es da an der Spitze entsprechende Veränderungen gibt, könnte das einen totalen Meinungswandel an der Börse bewirken", glaubt Bernecker. Fast 20 Prozent hat die Aktie im Jahresvergleich verloren und damit jede Menge Aufholpotenzial. Das gilt auch für den Dax, dem Bernecker trotz des derzeitigen Auf und Abs bis zum Ende dieses Jahrzehnts die 15.000 Punkte zutraut.

Die Analysten der Deutschen Bank rechnen zum Ende dieses Jahres ebenfalls mit über 14.100 Punkten im Dax. Das wären immerhin knapp 14 Prozent mehr als derzeit. In den nächsten Wochen sollte man also vor allem Ruhe bewahren! Die von Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium haben die Börsen im Negativen genauso wenig beeindruckt wie das angekündigte Gipfeltreffen des US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un im Positiven. "Was Herr Trump tut, ist völlig wurscht", sagt Hans A. Bernecker provokativ.

US-Börsen als Richtungsgeber

Viel wichtiger sei, wie sich die Börsen in den USA verhielten, in denen allein die sechs Top-Aktien einen Börsenwert von etwa vier Billionen US-Dollar haben. Bernecker: "Wenn dort etwas passiert, kann das den Ablauf dieser Konsolidierung deutlich nach vorn oder nach hinten verschieben."

Robert Halver erwartet als Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank jedoch keine schlimmen Entwicklungen: "Plastisch ausgedrückt: Die Geldpolitik hat weltweit nicht die Finanzwelt zehn Jahre lang stabilisiert, um sie dann im elften Jahr mit einem dicken Zinserhöhungs-Hintern wieder einzureißen." Auch er empfiehlt, die erhöhte Volatilität und die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen.

Tipp: Vor allem Ruhe bewahren und abwarten, bis eine Bodenbildung bei den Kursen zu beobachten ist. Wo es geht, Gewinne mitnehmen, damit man nach dem Ende des Abwärtstrends Cash für den neuen Einstieg zu günstigen Kursen hat.

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