Aachen: Biallos Ratgeber private Krankenversicherung: Günstiger für junge Besserverdiener

Aachen: Biallos Ratgeber private Krankenversicherung: Günstiger für junge Besserverdiener

Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung erscheint immer attraktiver. Denn mit jeder Gesundheitsreform werden steigende Kosten im Gesundheitssystem zunehmend auf die gesetzlich Versicherten abgewälzt.

So können die Kassen mit den neuen Zusatzbeiträgen ab 2011 Extrazahlungen in beliebiger Höhe von ihren Versicherten einfordern. Gleichzeitig sehen Kassenpatienten die angeblich so umfassende medizinische Versorgung im gesetzlichen Kassensystem immer kritischer. Bei der Terminvergabe beim Arzt, im Krankenhaus, bei Zahnbehandlungen oder Krankengymnastikverordnungen haben sie eindeutig das Nachsehen gegenüber privat Versicherten.

Wer kann wechseln? Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer, die mehr als 49.950 Euro brutto im Jahr bzw. 4162,50 Euro im Monat verdienen (2011 voraussichtlich 49.500 bzw. 4125 Euro) und damit oberhalb der Versicherungspflichtgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegen, können sich privat versichern. Ab 2011 genügt es, wenn Arbeitnehmer die Einkommensgrenze im laufenden Jahr überschreiten.

Für wen lohnt sich ein Wechsel? „Junge, gesunde Alleinstehende, die gut verdienen, zahlen in der Privaten häufig weniger als in der Gesetzlichen”, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Denn in der Gesetzlichen bemisst sich der Beitrag nach dem Einkommen. Wer oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 45.000 Euro im Jahr bzw. 3750 Euro im Monat verdient, zahlt den Höchstsatz, derzeit rund 570 Euro. Etwa 270 Euro davon trägt der Arbeitgeber.

Zum Vergleich: Ein 30 Jahre alter Mann erhält in der privaten Versicherung ab rund 400 Euro im Monat einen leistungsstarken Einstiegstarif, der zudem eine umfangreichere medizinische Versorgung gewährleistet als die Gesetzliche. Eine Frau zahlt im Durchschnitt 500 Euro im Monat. Der Arbeitgeber beteiligt sich auch hier zu 50 Prozent an den Kosten, maximal mit 271 Euro im Monat.

Wo leistet die Private mehr? Die freie Krankenhauswahl, die Chefarztbehandlung und die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer bei einem stationären Aufenthalt sind eindeutige Vorteile. Auch beim Zahnarzt werden deutlich höhere Kosten erstattet. Im ambulanten Bereich kann man sich auch von reinen Privatärzten behandeln lassen. Ebenso erstatten die Versicherer alternative Heilmethoden und Heilmittel in wesentlich größerem Umfang.

Vor allem: „Was einmal vertraglich zugesichert ist, bleibt bestehen. Eine Kürzung von Leistungen wie in der Gesetzlichen gibt es nicht”, sagt Rudnik. Ist allerdings eine Familie zu versichern, wird die Private deutlich teurer als die gesetzliche Krankenkasse, denn hier ist für jedes Familienmitglied ein eigener Vertrag abzuschließen.

Was kostet die Private? Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und der Umfang des gewählten Tarifs fließen in die Beitragsberechnung ein. Ein 30 Jahre alter gesunder Mann zahlt beispielsweise bei der Huk-Coburg rund 190 Euro im Monat (Arbeitgeberanteil bereits abgezogen) für einen guten Schutz, eine Frau 250 Euro. Die Hanse Merkur berechnet 160 Euro bzw. 199 Euro (mehr Angebote siehe Vergleichsrechner auf www.biallo.de).

Mit steigendem Alter erhöhen sich die Prämien, im Durchschnitt um etwa fünf Prozent im Jahr, hat der BdV beobachtet. Um die Kostensteigerung im Rentenalter abzumildern, gibt es die Alterungsrückstellung, die der Versicherer von den Prämien abzweigt.

Welcher Tarif ist der richtige? Billigtarife für unter 100 Euro im Monat später aufzustocken, rächt sich: Man ist älter geworden und hat möglicherweise Vorerkrankungen, die die Beiträge dann in die Höhe treiben. Die Erstattungshöhen der einzelnen Tarifbausteine kann der Versicherte wählen - je nachdem wie viel er im Krankheitsfall selbst dazuzahlen kann. Ein Zahn- sowie ein Krankentagegeldtarif sollten darin enthalten sein.

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