1. Leben
  2. Geld

Berlin: Bei den Zinsen ist vorerst keine Trendwende in Sicht

Berlin : Bei den Zinsen ist vorerst keine Trendwende in Sicht

Anlegen in Zeiten niedriger Zinsen will gut überlegt sein. Hohe Erträge suchen Sparer bei Tagesgeld- und Festgeldkonten derzeit vergeblich.

Häufig genug liegen die Zinsen unter der Inflationsrate. Des einen Freud, des anderen Leid - so kommen viele Häuslebauer in den Genuss guter Kreditkonditionen. Doch Experten warnen vor unüberlegtem Handeln. Ein Überblick:

- SPARZINSEN: Wer noch aufs herkömmliche SPARBUCH setzt, macht in der Regel bei Mini-Zinsen von 0,15 bis 0,5 Prozent keinen guten Fang. „Das Sparbuch gilt gerade älteren Kunden nach wie vor als Hort der eisernen Reserve, kann bis auf wenige Ausnahmen aber nicht wirklich für die Geldanlage empfohlen werden”, sagt Zinsexperte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest.

Die Alternative sind TAGESGELDKONTEN, die aber derzeit ebenfalls kaum etwas abwerfen. „Auch beim Tagesgeld ist der Durchschnittszinssatz zuletzt weiter nach unten gegangen. Normal ist eine eins vor dem Komma und damit ein Niveau unterhalb der Inflationsrate, weshalb es zu realem Geldwertverlust kommt”, erläutert Döhler. Nur wenige Banken zahlen im Normalfall mehr als 2 Prozent. Ansonsten sind einige Angebote auf Neukunden beschränkt und zeitlich befristet.

Zinsen oberhalb der Inflationsrate und damit eine tatsächliche Rendite bieten derzeit nach Einschätzung der Experten vor allem FESTGELDANLAGEN über einen längeren Zeitraum. „Bei Drei-Jahres-Festgeld sind Zinsen um die drei Prozent möglich”, so Max Herbst von der Frankfurter FMH Finanzberatung. Bei kürzer laufenden Anlagen sehe es auch hier mau aus. „Seit der zweiten Jahreshälfte geht es auch beim Festgeld in der Tendenz nach unten”, sagt Warentest-Experte Döhler. „Wann die Talsohle erreicht ist, ist schwer zu sagen. In absehbarer Zeit ist keine Zinswende in Sicht.”

- DISPOZINSEN: Ist das Girokonto im Minus, wird es mitunter richtig teuer. Spitzenzinssätze von mehr als 14 Prozent gibt es nach wie vor. Im Schnitt liegt der Zinsatz zwischen 10 und 11 Prozent. Das Dauerthema wird auch 2013 nicht an Brisanz verlieren. „Unterm Strich sind die Dispozinsen 2012 leicht gesunken, das Niveau ist aber immer noch deutlich zu hoch”, erläutert Warentest-Bankexpertin Stephanie Pallasch und ergänzt: „Die weitere Entwicklung hängt auch davon ab, wie sich der politische Druck bei dem Thema im Wahlkampf 2013 entwickelt.”

Verbraucherschützer fordern schon seit längerem eine gesetzliche Deckelung. Diese ist jedoch politisch umstritten. Als Hauptproblem sieht Pallasch aber vor allem eine fehlende Markttransparenz. „Denn wenn es die nicht gibt, ist auch der Druck für die Banken nicht so groß, die Dispozinsen anzupassen.” Die Kunden hätten wegen der Informationspolitik der Institute häufig erhebliche Schwierigkeiten, die Dispozinsen zu vergleichen.

- RATENKREDITE: Hier ist nach Einschätzung von Expertin Pallasch ein leichter Rückgang zu verzeichnen. „Allerdings kommt nicht jeder Verbraucher an die beworbenen Zinssätze. Denn Banken legen zunehmend bonitätsabhängige Konditionen zugrunde”, erläutert Pallasch. Finanzexperte Herbst erwartet für das kommenden Jahr ebenfalls eine leichte Tendenz nach unten. Doch auch er weist auf die zunehmend bonitätsabhängigen Konditionen hin, was Verbrauchern die Kreditsuche erschwere. Bei BAUKREDITEN erwarten die Experten ebenfalls etwas sinkende Zinsen, raten aber zu aufmerksamem Vergleich.