BaFin möchte binäre Optionen für Kleinanleger verbieten

BaFin-Plan: Binäre Optionen für Kleinanleger verbieten

Die Bundesfinanzaufsicht (BaFin) plant eine Untersagung binärer Optionen für Kleinanleger auf nationaler Ebene. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Pressemitteilung hervor. Die Maßnahme soll die Kleinanleger vor extremen Verlusten schützen.

Zurzeit gilt bereits ein vorübergehendes Vermarktungs-, Vertriebs- und Verkaufsverbot für binäre Optionen auf europäischer Ebene, das die Europäische Wertpapier- und Markaufsichtsbehörde (ESMA) im August dieses Jahres verhängte und im Oktober um drei weitere Monate verlängerte.

Sogenannte binäre Optionen sind eine sehr riskante Form der Geldanalage. Verbraucherschützer warnen schon seit Längerem (siehe unseren Artikel vom 25.01.17) davor, dass diese Termingeschäfte oftmals auf äußerst undurchsichtigen und rechtlich fragwürdigen Geschäftsbedingungen (AGB) aufruhen. So würden manche Emittenten binärer Optionen damit einhergehende Risiken nicht genügend kenntlich machen und teilweise Nutzungsgebühren verlangen, die von jeglichen Gegenleistungen entkoppelt seien. Die AGB von Brokern, die ihren Sitz im Ausland haben, seien häufig teilweise defizitär übersetzt und verstießen gegen geltende nationale Gesetze. Genau diese Intransparenz nimmt die BaFin nun zum Anlass, "die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von binären Optionen an Privatkunden auf nationaler Ebene zu untersagen."

Wie funktioniert das Geschäft mit den binären Optionen?

Binäre Optionen sind, wie bereits angeklungen, nichts anderes als Termingeschäfte. Was aber sind Termingeschäfte? Im Rahmen von Termingeschäften spekulieren Anleger darauf, dass der Wert einer Anlage zu einem bestimmten Zeitpunkt unter oder über einen konkreten Schwellenwert sinkt bzw. steigt. Wer richtig liegt, kassiert entsprechend ab; umgekehrt droht der Totalverlust. Und weil es eben um die Wertentwicklung einer Anlage zu einem konkreten Zeitpunkt geht, haben binäre Optionen entsprechend sehr kurze Laufzeiten. Nicht zuletzt dadurch, so die BaFin, sei es für Klein- bzw. Privatanleger äußerst schwierig, Risiken bzw. Renditechancen realistisch einzuschätzen.

Hinzu komme ferner, dass es eine "strukturell erwartete negative Rendite" und somit einen "Interessenskonflikt zwischen Anbieter und Kunden" (siehe auch die ESMA-Pressemitteilung vom 27.03.18) gebe. Anders gesagt: Die Interessen von Emittenten binärer Optionen stehen den Interessen ihrer Kunden diametral entgegen, da die Emittenten ja nur dann Gewinne erzielen, wenn ihre Kunden entsprechende Verluste erleiden. Einschlägige Untersuchungen nationaler Behörden zu binären Optionen, so die ESMA, hätten gezeigt, dass Kleinanlegerkonten durchgängige Verluste aufweisen.

Die Tricks der Anbieter von binären Optionen

Die Tricks der Handelsplattformen bzw. Broker, die binäre Optionen anbieten, sind indes teilweise sehr perfide und von Laien kaum zu durchschauen. So berichtet die BaFin, dass Anbieter etwa den Basiswert einer binären Option kurz vor Ablauf dieser verändern oder gar die Laufzeit der Option um Sekunden oder Millisekunden derart manipulieren könnten, dass der Optionsvertrag nicht mehr ausgezahlt werden müsste.

Kleinanleger fallen dabei häufig vor allem auf die horrenden Renditeversprechen zwielichtiger Handelsplattformen herein, weil diese die Risiken verheimlichen oder missverständlich formulieren. Für Klein- bzw. Privatanleger empfiehlt es sich von daher grundsätzlich vor jedweder Geldanlage eine unabhängige Vermögensberatung zu konsultieren, um etwaigen Intransparenzen nicht »blind auf den Leim zu gehen«.

Vor dem geschilderten Hintergrund erscheinen sowohl das europäische als auch das nationale Verbot des Handels mit binären Optionen für diesen spezifischen Kundenstamm als logisch sinnvoll. Demgegenüber sollen professionelle Kunden, die ihren Status gemäß entsprechender Kriterien (z.B. Solvenz) nachweisen können, vom Verbot ausgenommen sein. Das nationale Verbot der BaFin soll nach Ende der Geltungsdauer des ESMA-Verbotes (Ende Dezember) in Kraft treten und es sozusagen ablösen.

Fraglich bleibt am Ende, inwieweit ein nationales Verbot des Handels mit binären Optionen für Kleinanleger langfristig ausreicht, da diese Finanzprodukte schließlich über Ländergrenzen hinweg gehandelt werden. Ein mindestens EU-weites Verbot erscheint somit sinnvoller; da die ESMA etwaige Interventionsmaßnahmen allerdings immer nur für einen Zeitraum von drei Monaten erlassen kann, fragt es sich hier wiederum, ob längerfristige EU-weite Verbote letztlich überhaupt realisierbar sind. In letzter Konsequenz wird dies freilich vom politischen Willen der Involvierten Akteure abhängen.

(vo)
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