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Berlin: Alt ist nicht schlecht: Tipps für Käufer gebrauchter Smartphones

Berlin : Alt ist nicht schlecht: Tipps für Käufer gebrauchter Smartphones

Mehrere Hundert Euro müssen Smartphone-Käufer für die neuesten Spitzenmodelle von Apple, Samsung und Co. bezahlen. Doch wer sich ein gebrauchtes Gerät zulegt, kann damit einiges an Geld sparen. „Das kann sich für Nutzer lohnen, die nicht unbedingt das neueste Smartphone benötigen”, sagt Hans-Georg Kluge vom Portal „Teltarif.de”.

Älter als ein oder zwei Jahre sollten die Geräte aber nicht sein, rät Kluge. Denn aktuelle Mittelklasse-Modelle übertrumpfen bereits die Technik noch älterer Flaggschiffe. „Bei Android-Smartphones sind auf sehr alten Smartphones oft nur alte Versionen des Betriebssystems verfügbar”, so der Experte weiter. Das führt unter Umständen zu Sicherheits- und Kompatibilitätsproblemen.

Auch der Support ist an das Gerätealter gebunden: „Im Android-Bereich ist ein Support-Zeitraum von zwei Jahren üblich - allerdings nur bei den Spitzenmodellen”, erklärt Andreas Seeger von der Zeitschrift „Connect”. „Bei Apple-Smartphones sind es drei bis vier Jahre.”

Beim Gebrauchtkauf gilt es aber einiges zu beachten. So sollte das Display keine Schäden wie Kratzer oder Brüche aufweisen. Mikrokratzer auf dem Gerät lassen sich zwar kaum vermeiden. Aber: „Tiefere Kratzer und andere, stärkere Gebrauchsspuren sollten sich entsprechend auf den Preis auswirken”, sagt Seeger.

Vorsicht ist bei abgeschlagenen Kanten geboten: Diese können durch einen Sturz entstanden sein. Möglicherweise gibt es dadurch weitere, unsichtbare Schäden im Gehäuseinneren. „Nicht akzeptabel sind Brüche des SIM-Kartenschlittens oder von anderen Teilen, die das Gehäuse zusammenhalten”, sagt Hans-Georg Kluge.

Im Idealfall liegt dem Gebrauchtgerät das Originalzubehör bei. „Vorteilhaft ist es außerdem, wenn das Smartphone-Modell über einen wechselbaren Akku verfügt, da erst nach dem Kauf abzusehen ist, ob dieser vom Vorbesitzer möglicherweise abgenutzt wurde”, so Kluge.

Beim Onlinekauf sollte sich der Käufer vorab viele Bilder des Handys zeigen lassen - so kann er den Zustand besser einschätzen. „Darunter sind idealerweise auch Bilder mit geöffneter Rückseite und ohne Akku - soweit die Konstruktion des Handys dies zulässt”, so der Experte.

Bei einigen Smartphones zeigen Sensoren an, ob das Gerät bereits einen Wasserschaden hatte. So ist es zum Beispiel beim iPhone: „Hier verfärbt sich gegebenenfalls eine Sensorfläche, die tief in der Kopfhörerbuchse oder dem Lightning-Anschluss angebracht ist”, erklärt Hans-Georg Kluge. Darauf sollten Verbraucher daher vor dem Kauf einen Kontrollblick werfen.

Prüfen sollte man auch, ob das Smartphone eine SIM- oder Netzsperre hat. Die sorgt dafür, dass es sich nur in Kombination mit bestimmten SIM-Karten oder in bestimmten Netzen nutzen lässt. Bei älteren Geräten lässt sich die Sperre aber zum Glück relativ unkompliziert aufheben: „Die Netzbetreiber bieten 24 Monate nach dem Verkauf eine kostenlose Entsperrung an”, erklärt Andreas Seeger.

Gebrauchte Smartphones bieten sowohl Privatpersonen als auch Händler an. Vor allem im Netz wird man auf Plattformen wie eBay oder bei Amazon Marketplace schnell fündig. „Der Vorteil bei vertrauenswürdigen Einzelhändlern ist, dass der Käufer das konkrete Smartphone in Augenschein nehmen kann”, sagt Hans-Georg Kluge. Im Bestfall besitzt der Verkäufer die Originalrechnung mit verzeichneter IMEI-Nummer. „Nur dann lässt sich überprüfen, dass es sich nicht um Diebesgut handelt”, erklärt Kluge.

Unseriöse Angebote lauern vor allem im Netz. Die erkennen Verbraucher zum Beispiel daran, dass der Verkäufer im Ausland sitzt oder merkwürdige Forderungen zur Zahlung erhebt. Besteht jemand zum Beispiel auf Vorkasse, ist das selten ein gutes Zeichen. „Skeptisch wäre ich beispielsweise auch, wenn der Verkäufer keine weiteren Fotos zur Verfügung stellen möchte”, so Kluge.

Eine Besonderheit sind sogenannte Refurbished-Angebote: „Hierbei handelt es sich um Versandrückläufer, die vom Händler geprüft wurden und wieder verkauft werden”, erklärt Kluge. Oft ist das Ware, die dem Käufer nicht gefallen oder kleine Schönheitsfehler hat.

„Apple verkauft zum Beispiel manchmal Refurbished-Produkte, und bei Amazon gibt es die sogenannten Amazon Warehouse Deals, die nach dem selben Prinzip funktionieren”, sagt der Experte. Der Vorteil dabei: Der Händler gewährt mitunter volle Gewährleistung und Garantie.

Prinzipiell hängen Garantie und Gewährleistung davon ab, wer der Verkäufer ist. „Kauft der Verbraucher das gebrauchte Handy von einem gewerblichen Verkäufer, ist ein Ausschluss der gesetzlichen Gewährleistungsrechte nur teilweise möglich”, erläutert Ineke Klaholz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein privater Verkäufer kann die Gewährleistung dagegen komplett ausschließen. Bei Mängeln gibt es dann kein Geld zurück.

Anders bei der Garantie des Herstellers: „Der Garantievertrag kann sowohl bei neuen als auch bei gebrauchten Sachen beliebig ausgestaltet werden”, erklärt die Expertin für Verbraucherrecht. Ist zum Beispiel die Frist noch nicht abgelaufen, kann sich unter Umständen auch ein Gebrauchtkäufer darauf berufen. Details verrät ein Blick ins Kleingedruckte.

Welche älteren Modelle sind eine günstige Alternative zu einem neuen Smartphone? „Wenn es ein Gebrauchtes sein soll, dann sollte man zu den Ex-Spitzenmodellen der großen Marken greifen, weil hier die Qualität stimmt”, rät Andreas Seeger.

Außerdem gewähren die Hersteller ihren Flaggschiffen über einen relativ langen Zeitraum Software-Support. Seeger empfiehlt zum Beispiel Top-Modelle aus dem vergangenen Jahr wie das Galaxy S5, das Sony Xperia Z2 oder das iPhone 5s. Gebraucht seien sie für einen Preis von etwa 300 Euro zu haben.

(dpa)