Wieviel Sauberkeit braucht ein Haushalt mit Kind?

Hygiene : Wieviel Sauberkeit braucht ein Haushalt mit Kind?

Viele frischgebackene Eltern wünschen sich ihren Haushalt hygienisch sauber, wenn das Baby zu Hause einzieht. Doch welches Maß an Hygiene ist gesund und was kann sogar krank machen?

Bakterien und Keime sind grundsätzlich überall. Draußen im Garten, drinnen in der Küche und in den anderen Wohnräumen, auf dem Boden und in der Luft - ein Kontakt ist entsprechend gar nicht zu vermeiden. Zieht dann ein Baby in den Haushalt ein, machen sich viele Eltern Sorgen, dass ihr Kind mit seinem erst schwach ausgeprägten Immunsystems durch Schmutz und Bakterien krank werden könnte. Als Lösung greifen viele Eltern zu aggressiven Putzmitteln und schwingen fast täglich den Putzlappen - doch genau diese übertriebene Hygiene kann die Gesundheit der Kinder gefährden.

Das Immunsystem braucht Training

Das liegt daran, dass das kindliche Immunsystem in einer sterilen Umgebung kaum eine Chance hat, anhand von Umweltreizen zu trainieren. Dabei ist der Kontakt mit (ungefährlichen) Erregern im ersten Lebensjahr durchaus wichtig, um den Organismus abzuhärten und das kindliche Immunsystem reifen zu lassen. Kinder, die in einer nahezu keimfreien Umgebung aufwachsen, haben Experten zufolge ein größeres Risiko, Allergien auszubilden.

Das unterbeschäftigte Immunsystem beginnt damit, Abwehrreaktionen gegen ungefährliche Stoffe wie Lebensmittel (Lebensmittelallergie), Pollen oder Tierhaare zu zeigen. Auch Spuren von chemischen Putzmitteln in der Wohnung können Allergien oder eine Unverträglichkeitsreaktion auslösen - Letztere zeigt sich häufig als Ausschlag. Sollte der Nachwuchs also unbehelligt im Dreck spielen dürfen?

Einer Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zufolge erkranken Kinder, die beispielsweise auf einem Bauernhof aufwachsen und regelmäßig Staub, Dreck und Pollen ausgesetzt sind, rund 15-mal seltener an Allergien als Stadtkinder - ein wenig Schmutz kann demnach nicht schaden. Dennoch sollten Eltern selbstverständlich nicht völlig auf die Hygiene im Haushalt verzichten - gefordert ist ein gesundes Maß.

Sauberkeit ohne zu viel Chemie

Unerlässlich ist eine gute Hygiene beispielsweise in der Küche. Bereiche, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, sollten regelmäßig mit heißem Wasser abgewaschen und mit einem Essigreiniger desinfiziert werden. Dies gilt insbesondere für die Arbeitsflächen, die Spüle und den Kühlschrank - dort befinden sich die meisten Keime, die sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit auslösen können.

Auch das Badezimmer sollte regelmäßig geputzt werden. Verzichten sollten Eltern hierbei jedoch auf chlorhaltige Reinigungsmittel. Denn diese können die Schleimhäute reizen und sind somit Gift für die empfindliche Kinderlunge. Wer sich den Putzalltag vereinfachen möchte, kann zur Reinigung des WCs beispielsweise auch einen Toilettenstein einsetzen, denn er garantiert bei jedem Spülgang Sauberkeit und Frische. Manche Produkte färben sogar das Wasser, was Kinderherzen bestimmt höher schlagen lässt.

Prinzipiell ist es sinnvoll, auf möglichst reizarme und biologisch abbaubare Reinigungsmittel zu setzen.

Staub ist meistens unproblematisch

Und was die Hygiene im Kinderzimmer angeht, so gilt: Das Meiste, was sich in den eigenen vier Wänden befindet, ist unproblematisch fürs Kind. Ein wenig Staub am Schnuller oder der Flusen vom Teppich am Beißring stellen dementsprechend kein Gesundheitsrisiko dar. Vorsicht geboten ist jedoch, wenn das Kind beispielsweise Richtung Katzentoilette oder Mülleimer marschiert - dort können Keime lauern, die das Kind krank machen können. Sollte doch mal etwas Verunreinigtes in Kinderhände gelangen, ist das jedoch kein Grund zur Panik: Beim Händewaschen mit etwas Seife und viel Wasser lässt sich Schmutz mühelos entfernen.

(vo)