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Münster/Hamburg: Wäsche aufhängen statt Party machen: Wenn junge Paare zusammenziehen

Münster/Hamburg : Wäsche aufhängen statt Party machen: Wenn junge Paare zusammenziehen

Es war ihr erster Schritt in die Selbstständigkeit. Katharina aus Bremen ist mit 20 Jahren von zu Hause ausgezogen und hat sich zusammen mit ihrem Freund eine eigene kleine Wohnung gemietet.

Das war ein Fehler, wie die Studentin heute sagt. Die Beziehung ging nach acht Monaten des Zusammenlebens in die Brüche. So ergeht es vielen Paaren, die direkt vom Elternhaus den Schritt in die gemeinsame Wohnung wagen.

„Mit 19 oder 20 ist man noch zu sehr mit der eigenen Entwicklung beschäftigt”, erklärt Anne Frische, Paarberaterin aus Münster. In diesem Alter auch noch Verantwortung für den Partner zu übernehmen, sei schwierig. Die Probleme, die auch ältere Paare beim Zusammenleben lösen müssen, treten bei jungen Menschen noch heftiger auf. „Die Fähigkeit, Konflikte zu klären, ist viel weniger ausgeprägt.”

Dabei sei das gerade auf engem Raum ungeheuer wichtig. Denn man lernt Eigenschaften am Partner kennen, die vorher nie aufgefallen sind. „Hier beginnt die Herausforderung. Das Thema Ordnung zum Beispiel gewinnt erst in der gemeinsamen Wohnung an Bedeutung”, sagt Frische. Bei solchen Fragen geht es nicht ohne Kompromisse. Außerdem müssen die Partner bereit sein, sich zu ändern.

Genau das fällt jungen Paaren besonders schwer, hat der Psychotherapeut Volker van den Boom aus Aachen beobachtet. Junge Leute hätten Idealvorstellungen, von denen sie nicht abrücken wollen. „Das kann schon bei der Wohnungseinrichtung beginnen.” Ein einfaches Sofa werde dann schnell zum Machtkampf. Wer ist stärker? Wer drückt seine Meinung durch?

Der richtige Weg sieht aber anders aus. Das Paar muss gemeinsam einen neuen Weg finden. Oder auch nicht. Krampfhaft zusammen bleiben, wenn es nur noch Streit gibt, sei keine Lösung, sagt van den Boom. „Wer nicht gleich sein ganzes Geld in die neue Wohnung investiert, kann das Zusammenleben auch einfach austesten.”

Katharina war mit ihrem Freund eineinhalb Jahre zusammen, bevor sie mit ihm in die gemeinsame Wohnung zog. „Im Prinzip habe ich schon am Anfang gemerkt, dass das Zusammenziehen nicht der richtige Schritt war”, sagt sie. Trotzdem blieben die beiden zusammen. Letztlich war die Wohnung zwar nicht der eigentliche Trennungsgrund, aber glücklich gemacht hat sie das Paar auch nicht. Und so wollten beide irgendwann nur noch raus.

Doch das ist nicht so einfach. Denn die Kündigungsfrist von drei Monaten sei nur mit Zustimmung des Vermieters zu umgehen, erklärt die Rechtsanwältin Barbara Hausding aus Hamburg. „Ich rate Paaren immer, sich beide als Hauptmieter eintragen zu lassen”, erklärt die Mietrechtsexpertin. „Ansonsten kann der Hauptmieter seinen Untermieter zur Räumung verpflichten.” Im Klartext: Einer könnte im Streit den vorher noch geliebten Partner vor die Tür setzen.

Das alles hört sich verzwickt an und macht nicht gerade Mut. Das Zusammenleben kann aber durchaus gelingen. „Es kann eine Chance sein, denn junge Leute sind noch nicht so in ihren Gewohnheiten verwurzelt”, sagt Anne Frische. Wichtig sei nur, dass sich beide Partner Räume schaffen - innerhalb und außerhalb der Wohnung.

„Einen Raum in der Wohnung für sich zu haben, wäre ideal.” Aber das ist nicht immer möglich. Meist ist die Wohnung so klein, dass die Partner sich ständig begegnen. „Dann muss ein eigenes Hobby her oder Freunde, die jeder Partner alleine besuchen kann”, rät Frische. Dadurch können Konflikte vermieden werden. Wer den Alltag zu sehr in seiner Beziehung spürt, sollte sich einfach mal wieder verabreden.

Ein Patentrezept gegen den Alltagstrott gibt es allerdings nicht. „Man muss sich vor Augen führen: Es kommt der Alltag, und er ist stärker als wir”, sagt Volker van den Boom. So rosig wie in den ersten drei Monaten werde es nicht bleiben. „Eine Beziehung muss man pflegen und offen miteinander darüber reden, was fehlt. Das gilt für junge und ältere Paare.”

Katharina wohnt mittlerweile in einer Wohngemeinschaft und ist damit sehr zufrieden. Sie glaubt, dass sie für die gemeinsame Wohnung mit ihrem Ex-Freund noch nicht reif genug war. Gerade weil ein neuer Lebensabschnitt begann, habe es nicht geklappt. Die Erfahrung möchte sie aber trotzdem nicht missen: „Man lernt ja nur aus Fehlern. Und in diesem Fall habe ich wirklich viel daraus gelernt.”

Schon vor dem Einzug Wohnungsfrage klären

Wer nach einer Trennung die gemeinsame Wohnung behält, sollte am besten schon am Anfang geklärt werden, rät die Rechtsanwältin Barbara Hausding aus Hamburg.

Auch sollte der ausziehenden Person ein Zeitpuffer eingeräumt werden, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Nimmt der Hauptmieter den Partner in seiner Wohnung auf, muss er das dem Vermieter mitteilen. Eine Genehmigung braucht er aber nicht.