Dortmund: Studieren mit Kind: Unis unterstützen junge Eltern

Dortmund: Studieren mit Kind: Unis unterstützen junge Eltern

Nadja Ullmann wird im nächsten Semester nicht zur Dortmunder Uni gehen, sondern stattdessen Geld verdienen. Die 26-Jährige Studentin sorgt nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern auch für den von Niklas.

Ihr Sohn kam vor knapp einem Jahr auf die Welt: „Als Alleinerziehende ist studieren mit Kind nicht einfach, aber möglich”, urteilt Ullmann. Auch deshalb, weil in den vergangenen Jahren viele Hochschulen Initiativen gestartet haben, um familienfreundlicher zu werden.

An der Uni Gießen ist der „Babysitterzuschuss” ganz neu. Wenn Studierende eine Lehrveranstaltung besuchen, arbeiten gehen oder an ihrer Examensarbeit schreiben und einen Babysitter benötigen, können sie sich an die Familienservicestelle des Studentenwerks wenden. Ein Zuschuss von 5,50 Euro pro Stunde ist möglich, pro Monat gibt es maximal 150 Euro.

In Gießen und vielen anderen Unis ist auch das Mensaessen für die Kinder bis zum Schulalter umsonst zu haben. An der Freien Universität Berlin (FU) gibt es sogar einen Eltern-Kind-Raum mit Sofa, Wasserkocher und Wickeltisch. Zudem werden studierenden Eltern spezielle Urlaubssemester gewährt und die Prüfungsordnungen ermöglichen es, die Fristen des Mutterschutzes sowie Elternzeit in Anspruch zu nehmen. An der FU werden Eltern sogar bei der Vergabe von besonders begehrten Seminarplätzen bevorzugt.

„Viele Förderer finanzieren diese und ähnliche Maßnahmen zusammen”, erklärt Silke Moehrke vom Studentenwerk Gießen. Man nutze Bundesmittel zur Sicherung der Qualität in Lehre und Studium, Gelder der Studentenwerke, von privaten Stiftungen wie „audit” und aus dem Europäischen Sozialfonds.

Insgesamt liegen die Zahlen Studierender mit Kind seit Jahren zwischen fünf und sieben Prozent aller Immatrikulierten, hat das Deutsche Studentenwerk ermittelt. Aktuell ist ein Rückgang zu bemerken: Waren es im Jahr 2006 noch 123.000, gab es im Sommersemester 2009 nur noch etwa 94.500 Studenten mit Kind.

Die angehende Rehabilitationspädagogin Ullmann sagt: „Die Betreuung ist schon ein großes Problem”. Gerade in NRW seien die Krippenplätze rar. Sie selbst habe großes Glück gehabt: Gerade als sie zum Semesterstart einen Betreuungsplatz suchte, taten sich in Dortmund zwei Tagesmütter zusammen, um in privaten Räumen für neun Kleinkinder zu sorgen: „Jetzt bin ich verwöhnt mit Betreuungszeiten von bis zu 45 Stunden pro Woche.”

Die braucht die Studentin auch, um von ihrer Vorlesung in Dortmund zu ihrer Arbeit nach Essen zu kommen. „Doch wenn der Zug Verspätung hat, stehe ich blöd da und kann mein Kind nicht abholen.” Freunde springen im Notfall ein. Man müsse halt sehr gut organisiert sein und „sich nicht verrückt machen lassen, dass man nicht die Regelstudienzeit einhalten kann.”

Bei drei Viertel der Studenten und Studentinnen, die mit Kind im Erststudium sind, läuft es weniger reibungslos als bei den anderen, heißt in der Untersuchung „Studieren mit Kind” von Elke Middendorff, die 2008 erschienen ist. Danach unterbrechen junge Mütter oder Väter überdurchschnittlich oft das Studium oder wechseln die Hochschule, meist aus Gründen der Schwangerschaft oder der Kinderbetreuung. Und: Viele studierende Eltern müssten in einem Umfang erwerbstätig sein, der sich nicht mit dem Studium verträgt. Silke Moerke: „Kinder kosten eben viel Geld.”

Die persönliche Sicht der jungen Eltern auf die Vereinbarkeit von Studium und Kind ist sehr individuell. 60 Prozent der Studenten mit Kind würden der Studie zufolge wieder mit Kind studieren. Die anderen würden jedoch beim nächsten Mal lieber beides voneinander trennen.