Hannover: Risiko Lungenentzündung: Kleinkinder sind besonders gefährdet

Hannover: Risiko Lungenentzündung: Kleinkinder sind besonders gefährdet

Starker Husten, eine schnelle, angestrengte Atmung und Fieber über 38,5 Grad Celsius über mehrere Tage: Wenn ein Säugling oder Kleinkind diese Symptome hat, sollten Eltern ihren Nachwuchs zum Kinderarzt bringen.

„Es könnte sich eine Lungenentzündung dahinter verbergen”, sagt Prof. Gesine Hansen von der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie in Hannover.

Eine Lungenentzündung kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Viele Kinder essen und trinken schlecht, fiebern hoch und interessieren sich nicht für die Umwelt. Andere wiederum spielen weiter, als wären sie völlig gesund. „Es ist manchmal gar nicht so einfach, eine Lungenentzündung zu diagnostizieren, da die Symptome nicht immer typisch sind”, erklärt Hansen.

Den Medizinern stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um der Krankheit auf die Schliche zu kommen: eine körperliche Untersuchung, Bluttests, ein Nasen- oder Rachenabstrich und gegebenenfalls ein Röntgenbild.

„Im Idealfall kann man bei einer Lungenentzündung feinblasige Rasselgeräusche über der Lunge hören”, erläutert der in Hamburg niedergelassene Kinderpneumologe Hans-Eberhard Heuer. Doch sei dies leider nicht immer der Fall. „Manchmal spielt sich das Geschehen so tief in der Lunge ab, dass man es nicht hört.” Da vor allem kleinere Kinder nicht auf Ansage tief einatmen oder husten könnten, erschwere die Untersuchung manchmal. „Dann ist ein Röntgenbild auf jeden Fall empfehlenswert.”

Blutwerte wie der CRP-Wert oder die weißen Blutkörperchen geben oft einen Anhaltspunkt, ob eher Bakterien oder Viren hinter der Infektion stecken. „Meist fängt die Entzündung durch Viren an, auf die sich dann Bakterien draufsetzen und die Entzündung verschlimmern”, fügt Christine Firnhaber vom Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg hinzu. Für das Virus RSV (englisch für „respiratory syncytial virus”) existiert ein Schnelltest, der innerhalb von Minuten Auskunft gibt, nachdem ein Abstrich aus Nase oder Rachen genommen wurde.

Werden Bakterien als Erreger vermutet, so können die Ärzte mit Antibiotika behandeln. Laut Heuer geben viele Mediziner die Bakterienkiller schon frühzeitig, da so teils verhindert werden könne, dass die Kinder schwerkrank werden.

„Gefährlich sind Lungenentzündungen vor allem für Kinder, die Asthma oder schon viele Bronchitiden hinter sich haben”, ergänzt er. Diese Mädchen und Jungen seien nach einer Lungenentzündung oft noch anfälliger. Vorsicht sei auch bei Frühgeborenen, Kindern mit Stoffwechselerkrankungen, Herzfehlern und Mukoviszidose geboten. „Eine Lungenentzündung ist sehr belastend für die kleinen Körper, solche Kinder werden dann eher einmal ins Krankenhaus eingewiesen.

Je kleiner die Kinder sind, desto eher werden sie schon mit dem Verdacht auf eine Lungenentzündung ins Krankenhaus geschickt. „Vor allem bei Kindern unter drei Monaten kann eine Pneumonie unberechenbar sein, und man muss sehr aufpassen”, sagt Hansen.

Ein wichtiger Hinweis sei die Sauerstoffsättigung, die darauf hindeutet, wie gut die Lunge noch Sauerstoff aufnehmen kann. Für diese Untersuchung wird den Kindern ein kleiner Clip an einen Finger geklemmt. Normal sei ein Wert von 98 Prozent oder mehr, unter 93 Prozent sollte ein Kind in die Klinik und Sauerstoff bekommen.

„Trinkt und isst ein Kind schlecht, spielt gar nicht mehr und hat eine blässlich-blaue Gesichtsfarbe, dann behalten wir es auf jeden Fall im Krankenhaus”, sagt Firnhaber. Doch mit der richtigen Behandlung seien die Kinder meist schnell wieder fit und könnten nach einigen Tagen nach Hause. „Wichtig ist, dass die Kinder die Medizin nehmen und bei sich behalten.”

Dass eine Lungenentzündung in jedem Fall ernst zu nehmen ist, zeigen laut Hansen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation. „Weltweit gehen 20 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auf Atemwegsinfektionen wie Pneumonien zurück”, sagt er. Diese Zahlen betreffen überwiegend die ärmeren Länder. In Deutschland gibt es laut Heuer vergleichsweise wenige Todesfälle - auch weil der Respekt so groß sei vor einer Lungenentzündung.


Erreger und Impfungen

Für Lungenentzündungen bei Säuglingen und Kleinkindern sind der Kinderpneumologin Gesine Hansen zufolge meist Viren oder die Bakterienarten Pneumokokken, Hämophilus Influenzae oder Staphylokokken verantwortlich. RS-Viren seien vor allem für Säuglinge gefährlich, da sie zu heftiger Atemnot führen können. Gefürchtet werden Lungenentzündungen, die bei einer Influenza (Grippe) auftreten können. Bislang stehen nur gegen Hämophilus Influenzae und Pneumokokken allgemeine Impfungen zur Verfügung, die im ersten Lebensjahr begonnen werden können.

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