Berlin: Nur noch ein Einkommen: Steuer-Tipps für Eltern

Berlin: Nur noch ein Einkommen: Steuer-Tipps für Eltern

Junge Eltern können jeden Euro gebrauchen - aber auch Zeit, um sich um ihr Kind zu kümmern. In der ersten Zeit muss immer jemand da sein - die Abwesenheit vom Job soll das Elterngeld ausgleichen.

Bis zu 30 Stunden pro Woche dürfen Bezieher der Lohnersatzleistung zusätzlich arbeiten. Aber Arbeiten lohnt sich kaum, wenn die Steuer und die Ausgaben für die Tagesmutter das Geld gleich wieder auffressen.

Wie sich das eine gegen das andere aufrechnen lässt, ist nicht in knackigen Tipps zusammenzufassen. Jeder muss seine individuellen Eckdaten dafür auf einen großen Zettel schreiben. Die Steuerklasse, die Möglichkeiten steuerlicher Absetzung und die Steuersätze der Eltern - oder des allein erziehenden Elternteils - sind zu berücksichtigen.

Elterngeld: Im Behördenjargon wird es Lohnersatzleistung genannt. Seine Höhe richtet sich nach dem durchschnittlichen Nettolohn dessen, der es beziehen soll - ein Jahr vor der Geburt. Der Bezug wirkt sich steuerlich aus: „Achtung: Elterngeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt”, warnt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Das bedeutet, dass die staatliche Leistung selbst nicht besteuert wird - sie wird aber zur Ermittlung der Summe des insgesamt zu versteuernden Einkommens und damit zur Ermittlung des Steuersatzes herangezogen. „Es kann deshalb sein, dass eine Steuernachzahlung auf Sie zukommt.” Klocke rät Eltern daher, für die Zeit nach dem Elterngeldbezug Geld zurückzulegen.

Mindestbetrag: Das Elterngeld fließt also voll in die insgesamt zu versteuernde Summe ein. Ein Mitgliedsverein des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) in Berlin hat jüngst eine Klage vor dem Bundesfinanzhof angestrengt, dass der Mindestsatz von 300 Euro immer unberücksichtigt bleiben soll. Dieser „Sockelbetrag” wird dann gezahlt, wenn in den zwölf Monaten vor dem Elterngeldbezug sehr niedrige oder gar keine Einkünfte geflossen sind. Noch ist das aber nicht entschieden.

Steuerklassenwechsel: Eltern können die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, die allen Steuerzahlern zustehen. Dazu gehört der Steuerklassenwechsel. Mit Blick auf den Elterngeldbezug kann ein von langer Hand vorbereiteter Wechsel sinnvoll sein: „Es gibt ein Urteil, dass der Steuerklassenwechsel vor dem Elterngeldbezug zulässig ist”, sagt Klocke. Der Hintergrund ist folgender: Mit dem Wechsel der Steuerklasse können Paare das Elterngeld erhöhen. Denn wenn die bei der Berechnung zugrundeliegenden Einnahmen höher sind, gibt es auch mehr Elterngeld.

Ähnlich verdienende Paare lassen sich in der Regel beide in Steuerklasse IV eingruppieren, erläutert die Bundessteuerberaterkammer in Berlin. Bei unterschiedlich hohen Steuerklassen wird die Kombination III/V gewählt. Da Frauen meistens weniger verdienen, sind sie überwiegend in der ungünstigeren Steuerklasse V eingestuft, erläutert der Steuerzahlerbund. Der Ehemann mit dem höheren Einkommen hat die günstigere Lohnsteuerklasse III. Mit dieser Aufteilung wird das höchste Nettoeinkommen erzielt.

Werden die Klassen vor dem Elterngeldbezug getauscht, erhöht sich das Elterngeld - es ist auf der anderen Seite aber auch ein geringeres monatliches Nettoeinkommen einzuplanen. Das müsse, so der Steuerzahlerbund, umso mehr beachtet werden, je weiter die Einkommen der Partner auseinanderliegen und je mehr fixe finanzielle Verpflichtungen bestehen.

Splitting: Lassen sich Partner einzeln veranlagen, können sie nicht vom Ehegattensplitting profitieren. Gerade für Eltern kann der Splitting-Vorteil aber eine Rolle spielen. „Er macht Sinn, wenn einer voll und der zweite weniger verdient”, sagt Klocke. Wenn beide ähnlich viel verdienen, sei die getrennt Veranlagung besser. „Die Progression durch das Elterngeld betrifft dann nur den, der es auch bezieht.”

Kinderfreibetrag: Sobald Nachwuchs da ist, sollten Eltern beim Finanzamt auf ihrer Lohnsteuerkarte den Kinderfreibetrag eintragen lassen. Er beläuft sich für gemeinsam veranlagende Eltern neuerdings auf 6024 Euro pro Jahr. Zwölf Monate Kindergeld summieren sich auf 1968 Euro, denn seit Anfang 2009 gibt es für jedes Kind pro Monat 164 Euro. „Auf dem Papier ist der Freibetrag also mehr als das Kindergeld. Deshalb kann das steuerlich für mich besser sein”, erläutert Klocke. Das muss es aber nicht.

Das Finanzamt rechnet bei der Veranlagung - also nach Einreichen der Einkommensteuererklärung - von sich aus gegen, ob das bezogene Kindergeld oder der Kinderfreibetrag für den Steuerzahler günstiger ist, erklärt Nora Schmidt-Keßeler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer. Je nach Jahreseinkommen und Steuersatz kann das eine oder das andere von Vorteil sein. Bei geringen Einkommen bleibt bei Ansetzung des Kindergeldes in der Regel mehr übrig.

Kinderbetreuungskosten: Sie werden grundsätzlich bei der Ermittlung der Steuer berücksichtigt - unabhängig davon, ob das Geld für den Besuch einer Kindertagesstätte oder für eine Tagesmutter ausgegeben wurde, zählt Schmidt-Keßeler auf. Pro Kind werden zwei Drittel der Kosten bis maximal 6000 Euro berücksichtigt - also Aufwendungen bis 4000 Euro.

Informationen: Broschüren zum Mutterschaftsgeld und zum Elterngeld gibt es auf der Homepage des Bundesfamilienministeriums (http://www.bmfsfj.de). Eine weitere nützliche Seite des Familienministeriums: http://www.familien-wegweiser.de . Unter http://www.abgabenrechner.de - einer Seite des Bundesfinanzministeriums - können Steuerzahler sich unter Berücksichtigung auch von Kinderfreibeträgen ihre Lohnsteuerlast ausrechnen lassen.

So geht der Steuerklassenwechsel

Im Lauf eines Jahres können Steuerzahler die Steuerklasse in der Regel nur einmal wechseln. Bis zum 30. November muss der Antrag bei der Wohnsitzgemeinde vorliegen, erläutert die Bundessteuerberaterkammer in Berlin. Ausnahmen sind das Auslaufen eines Einkommens oder Tod: Wenn ein Ehepartner aus dem Dienst ausscheidet oder stirbt, kann auch ein zweites Mal die Steuerklasse gewechselt werden.

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