San Francisco: Leidenschaftliche Liebe kann wie ein Schmerzmittel wirken

San Francisco: Leidenschaftliche Liebe kann wie ein Schmerzmittel wirken

Intensive und leidenschaftliche Liebe kann Schmerzen lindern: Der Gedanke an den Liebsten aktiviert Regionen des Gehirns, die für die Belohnung zuständig sind und den Schmerz vertreiben. Diesen Zusammenhang haben US-amerikanische Forscher gezeigt.

Ihren Ergebnissen zufolge wirkt die Liebe nicht als bloße Ablenkung vom Scherzreiz, sie zeigt ähnliche Wirkung wie Schmerzmittel oder Drogen: Auch schmerzlindernde Medikamente, Opium und Kokain aktivieren dieselben Belohnungszentren. Das soll aber nicht heißen, dass in Zukunft Schmerzmittel durch eine leidenschaftliche Liebesbeziehung ersetzt werden können, betonen die Forscher.

Das Verständnis der Belohnungspfade im Gehirn, die durch die Liebe ausgelöst werden, könnte jedoch zu neuen Ansätzen in der Behandlung von Schmerzen führen. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Sean Mackey von der Stanford University School of Medicine in der Fachzeitschrift „PLoS ONE” (Onlineveröffentlichung vom 13.10.2010).

Die Forscher führten ihre Studie an verliebten Studenten durch. Über Flugblätter suchten sie Paare, die sich in den ersten neun Monaten ihrer Beziehung befanden. „Wir richteten unser Augenmerk absichtlich auf diese frühe Phase der leidenschaftlichen Liebe”, erläutert Mackey. „Wir wollten Versuchsteilnehmer, die sich euphorisch und energiegeladen fühlen und die wie besessen an ihren Liebsten denken und sich nach ihm sehnen.” Weil diese Phase der Liebe einer Sucht ähnelt, vermuteten die Wissenschaftler, dass sie in denselben Hirnregionen wie Suchteffekte hervorgerufen wird.

Die 15 ausgewählten Versuchsteilnehmer sollten ein Foto ihres Partners und eines Bekannten mitbringen, den sie genauso attraktiv fanden. Die Forscher zeigten ihnen diese Fotos abwechselnd, während ein Wärmestimulator in der Handfläche der Versuchspersonen erhitzt wurde, um einen leichten Schmerz hervorzurufen. Gleichzeitig zeichneten sie die Gehirnaktivität mit Hilfe eines funktionellen Magnetresonanztomographen auf. Die Studenten wurden außerdem auf einen schmerzlindernden Effekt untersucht, während sie durch Fragen abgelenkt wurden. Die Wissenschaftler wollten durch diesen Versuchsteil ausschließen, dass Liebe nur als eine Ablenkung vom Schmerz funktioniert.

Die Ergebnisse machen deutlich: Sowohl Liebe als auch Ablenkung lindern den Schmerz und sind dabei weitaus effektiver als der Blick auf das Foto des attraktiven Bekannten. Doch es werden dabei ganz unterschiedliche Wege im Gehirn benutzt. Während die Schmerzlinderung der Liebe in ursprünglichen Hirnarealen entsteht, führt die Ablenkung zu einer Aktivität in höher entwickelten Regionen des Großhirns.