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Stuttgart: Konfirmation: Wie das Fest zum Fest wird

Stuttgart : Konfirmation: Wie das Fest zum Fest wird

Die Sozialpädagogin Birgit Rilling vergleicht Jugendliche mitten in der Pubertät gerne mit stacheligen Kaktussen. Und genau in diese Phase fällt die Konfirmation: Aufnahme des Konfirmanden als mündiges Mitglied in die Kirchengemeinde, Übergang von der Kindheit ins Erwachsensein - und eine Familienfeier, die leicht zum emotionalen Balance-Akt werden kann.

Rilling hat bereits zahlreiche Elternseminare zur Konfirmation gegeben und rät, die Konfirmanden von Anfang an in alle Planungen einzubeziehen und sich viel Zeit zum Reden zu nehmen. Manche Jugendliche stünden gern im Mittelpunkt, sagt die Reutlingerin. Aber für viele sei das Fest ein peinliches Problem. Bei einer gemeinsamen Vorbereitung hätten sie Gelegenheit, Unerwünschtes zur Sprache zu bringen, etwa wenn sie eine Beteiligung ihrer Mutter am Einsegnungsgottesdienst für „oberpeinlich” halten.

Gute Stimmung und kein Streit steht für die überwiegende Mehrheit der Konfirmanden an erster Stelle der Wünsche für eine gelungene Feier. Denn die Konfirmation ist das einzige Fest ganz speziell für einen Jugendlichen, sagt die Ostfilderner Diakonin Gretel Failenschmid. Deshalb empfiehlt sie, intensiv nachzuhaken, wenn Jugendliche sagen: „Konfirmation ja - Fest nein!”

Eines von Failenschmids Themen bei Konfirmanden-Elternabenden ist die Aufforderung: „Kostbares entdecken!”. Das bezieht sich dann nicht nur auf den Tipp, kleine Edelsteinchen zur Gestaltung der Tischdekoration zu verwenden. „Wenn wir die Jugendlichen einbeziehen, werden wir staunen, was sie alles einbringen und was ihnen wichtig ist, um ihren Konfirmationstag zu gestalten”.

Aus ihrer Sicht ist schon ein großer Schritt getan, wenn sich beim Fest die Jugendlichen nicht an den Spiele-PC zurückziehen und die Erwachsenen die Zeit nicht nur für Essen, Klatsch und Alkohol nutzen. Der Einstieg zu einer gelungenen Konfirmationsfeier könne schon mit den Einladungskarten verschickt werden, indem man beispielsweise einen Apfel aus farbigem Tonkarton beilege. Hierauf schreibt dann jeder Gast einen Wunsch für den Konfirmanden. Ein Wunschbaum mit bunten Bändern hält diese dann fest.

Beliebte Motive, die von der Einladungskarte über Spiele bis zur Danksagung verwendet werden können, sind Fisch, Wasser, Brot, Weinstock, Baum, Regenbogen oder auch Worte Jesu wie „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Johannes, 14,6). Um Langeweile vorzubeugen, gibt es nicht nur den klassischen Spaziergang, sondern auch Spiele wie ein individuelles Memory oder ein Konfirmanden-Quiz.

Als Geschenke seien persönlichen Dinge wie ein Erinnerungsbuch oder „Zeit-Geschenke” wie eine gemeinsame Städtereise bleibend wertvoll, urteilt die Pädagogin und Autorin Inge Rümmele: „Konfirmation soll ein junges, fröhliches Fest sein”. Sie ermutigt die Familien, auch mal „alte Zöpfe” bei der Gestaltung der Konfirmation abzuschneiden. „Eine gelungene Feier fällt nicht vom Himmel”, weiß auch Reinhard Kafka vom evangelischen Kreisbildungswerk nördlicher Schwarzwald in Calw. Gemeinsam mit konfirmationserprobten Eltern hat er Gedanken und Tipps ins Internet gestellt (konfirmation-feiern.de).

Und: Was tun, wenn eine Konfirmationsfeier nach Scheidung oder Trennung der Eltern noch komplizierter wird? Dazu gibt es von der Arbeitsgemeinschaft für alleinerziehende Mütter und Väter im Diakonischen Werk (agae) die Broschüre „Damit das Fest ein Fest wird”. Ilse Ostertag von der Arbeitsgemeinschaft rät notfalls zu einer getrennten Feier: „Etwa Mittagessen mit der Papa-Familie und anschließend Kaffee mit der Mama-Familie”. Sie appelliert an Pfarrer, ihre Konfirmanden zu beobachten, ob eine Familie bei der Lösung solcher Konflikte Unterstützung und einen Mittler benötigt.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann macht in ihrem Vorwort zur agae-Broschüre Mut, auch in schwierigen Situationen ein Fest wie die Konfirmation gebührend zu feiern und erinnert an biblische Feste wie die Feier für den verlorenen Sohn: „Die Menschen erfüllen in diesen Geschichten keine althergebrachten Tischsitten und Ordnungen, sondern sie erleben, wie das Leben sich neu zeigt”.