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Knackpunkt Kinderwunsch: Deswegen bleiben viele Paare kinderlos

Knackpunkt Kinderwunsch : Deswegen bleiben viele Paare kinderlos

Der Wunsch nach einem eigenen Kind ist bei vielen Paaren groß. Doch viele müssen jahrelang auf das Babyglück warten - und ziehen oftmals sogar zu spät die Konsequenz, sich medizinisch durchchecken zu lassen.

Mit Blick auf übervolle Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, die immer wieder aus allen Nähten platzen, sowie die im Zuge dessen herrschende Personalnot in Betreuungseinrichtungen, ist es kaum vorstellbar und doch wahr: Viele Paare in Deutschland haben einen unerfüllten Kinderwunsch.

Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend würde fast jedes zehnte Paar in der Altersgruppe der 25- bis 59-Jährigen die Hand heben, wenn die Frage gestellt würde, ob sie ungewollt kinderlos (geblieben) sind.

Warum bleiben viele Paare kinderlos?

Eben diese Frage versucht eine Studie zu beleuchten, die im September 2020 veröffentlicht wurde. Darin werden verschiedene Erklärungsmodelle für die Kinderlosigkeit aufgezeigt, die nicht immer offen und frei von Hemmungen und Tabus diskutiert werden.

  • Persönliche Gründe spielen eine große Rolle: Es ist der Stress des Alltags, im Privaten, in der Familie und auch im Job, den viele Betroffene anführen, wenn sie nach Gründen für die Kinderlosigkeit gefragt werden. Beruflichen Stress führten 39 Prozent der befragten Frauen und 34 Prozent der befragten Männer an. Familiärer Stress war für 27 Prozent der befragten Frauen und für 24 Prozent der befragten Männer der Grund. Ein noch deutlicherer Grund, warum Männer kinderlos geblieben sind, sei bei 47 Prozent der Befragten die vergebliche Suche nach einer "passenden Partnerin" gewesen. Zum Vergleich: 35 Prozent der Frauen gaben hingegen an, auch ohne passenden Partner ein Kind zu bekommen. Mit zunehmendem Alter spielt (zumindest aus Frauensicht) auch das Alter eine zunehmend wichtigere Rolle.
  • Biologische Gründe können in die Kinderlosigkeit führen: Nachweislich sind häufig medizinische Gründe dafür verantwortlich, dass Paare kinderlos bleiben, jedoch wird der Gang zum Arzt oder in eine Kinderwunschzentrum noch von vielen Paaren gar nicht erst beschritten. Nur 25 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer haben sich zu einer medizinischen Untersuchung durchgerungen, um herauszufinden, inwiefern biologische Gründe die Kinderlosigkeit bedingen könnten. Wer den Weg zum Arzt auf sich genommen hat, kam meist ohne Befund zurück. Nur bei einem Drittel der Paare konnten biologische Gründe ausgemacht werden, die eine Kinderlosigkeit bedingen können. Zudem zeigen die Ergebnisse der Studie, dass erst mit zunehmendem Alter (und damit nach einigen nervenzehrenden Jahren der Kinderlosigkeit) der Versuch unternommen wird, biologische Gründe auszumachen. Das bedeutet allerdings auch: Die Paare werden älter. Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt ab, Erektionsprobleme beim Mann werden größer. Teilweise lassen sich diese Probleme medizinisch gegenwirken, etwa mit bekannten und bewährten Wirkstoffen wie Sildenafil.
  • Manchmal liegt der Knackpunkt auch in der Partnerschaft: Der berufliche Stress war bereits bei den persönlichen Problemen ein Thema, welches die Kinderlosigkeit bedingen kann. Allerdings gibt es einen noch gewichtigeren Grund in der Partnerschaft, der sich auch bereits in den biologischen Gründen abzeichnete: 31 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer befürchten, zu wenig Sex zu haben, um ein Baby zu zeugen. Dabei lässt sich beobachten, dass die Sex-Häufigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt und der Stressfaktor in Familie und Beruf sich steigert. Ein Blick in die Praxis zeigt dann auch: Wer gestresst von der Arbeit nach Hause kommt, hat weniger Lust auf den Partner. Die Suche nach dem "passenden" Termin, der im Übrigen viel wichtiger ist als die Sex-Häufigkeit, kommt dann als weiterer Stressfaktor on top. Immer häufiger werden auch sogenannte Zyklus-Apps dazu bemüht, Auskunft über die fruchtbaren Tage zu geben - allerdings diagnostiziert die Stiftung Warentest nicht vielen Geräten gute Noten.
Familienplanung bedeutet, sich gemeinsam für das Abenteuer Schwangerschaft und Nachwuchs zu entscheiden. Das bedeutet auch, dass gemeinsam nach Gründen gesucht werden muss, wenn es nicht klappt, schwanger zu werden. Foto: pixabay.com/pixel2013

 Um sich den Kinderwunsch zu erfüllen, müssen beide an einem Strang ziehen

In jungen Jahren haben Paare mit Kinderwunsch noch eine vergleichsweise offene Sicht auf die Dinge. Die meisten gaben an, dass sie wohl beide die Kinderlosigkeit ein Stück weit mit bewirken. Doch mit den Jahren wird das Gefühl, mit Blick auf den Kinderwunsch in einem Boot zu sitzen, geringer. Dabei braucht es eine starke Partnerschaft, um die oft jahrelange Zeit der Kinderlosigkeit mit tendenziell mehr Rückschlägen als Erfolgen auch überstehen zu können.

Statistisch betrachtet sind 35 Prozent der Frauen mit Kinderwusch über fünf Jahre im Wartemodus; bei Männern sind es sogar 48 Prozent. Diese Werte gelten für Paarte, die angaben, in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft zusammenzuleben. Bei verheirateten Paaren waren es 47 Prozent der Frauen, die über fünf Jahre auf einen positiven Schwangerschaftstest warten mussten, und 62 Prozent der Männer. Einen Gedanken daran, dass es auf natürlichem Wege nicht klappen könnte, verschwenden statistisch betrachtet nur die Wenigsten, wobei Frauen sich darüber eher Gedanken machen als Männer.

Grundsätzlich gilt für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch: Es ist in jedem Fall ratsam, zu prüfen, ob medizinische Gründe für die Kinderlosigkeit vorliegen. Ist dies der Fall, kann häufig eine gezielte Kinderwunschbehandlung helfen, die mittlerweile sogar finanziell unterstützt wird. Wer gar nicht erst nach den Gründen der Kinderlosigkeit fahndet, kann diesen Zustand auch nicht positiv auflösen.

(vo)