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Neuss: Kindern schon früh Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen

Neuss : Kindern schon früh Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen

Wenn das Kind zum Stubenhocker wird und kaum oder gar keine Freunde hat, sind viele Eltern ratlos. „Auf gar keinen Fall sollte das Alleinsein in Gegenwart des Nachwuchses offen thematisiert werden”, warnt der Erziehungsexperte Albert Wunsch aus Neuss. Gut gemeinte Ratschläge und Argumente wie „Du braucht Freunde” oder „Du wirst sonst einsam” bewirkten nämlich oft das Gegenteil: Entweder würden sie gar nicht aufgenommen oder sie verstärkten noch die Negativsicht des Kindes.

Stattdessen sollten Eltern subtiler vorgehen, empfiehlt Wunsch. „Sie können scheinbar zufällige Situationen inszenieren, damit Kinder die eigenen vier Wände verlassen”, sagt der Experte. Zum Beispiel könnte die Lieblingstante einen Gutschein für zwei oder drei Kinder für einen Kletterparcours schenken. „Das sind kleine Schritte zur Belebung des Selbstbewusstseins, welches wiederum wichtig ist, damit das Kind sich anderen öffnet.”

Grundsätzlich sollten Eltern schon von früh an darauf achten, dass es ihrem Kind nicht an Kontakt zu Gleichaltrigen mangelt. Das gelte vor allem bei Einzelkindern. Eine Möglichkeit seien Spielgemeinschaften, schlägt Wunsch vor und erläutert: „Vier, fünf Einzelkinder treffen sich regelmäßig. Dabei rotiert der Ort des Treffens.” So ließen sich Sozialkontakte gezielt einüben.

Wunsch hält es auch für wichtig, dass Eltern ein Auge auf die spielenden Kinder werfen. „Häufig wollen Kinder ihre Spielsachen nicht teilen. Eltern müssen ihnen dann die Gastgeberrolle klarmachen”, sagt er. Das klinge zwar abstrakt, funktioniere aber in der Praxis. Wenn ein Kind das nicht lernt, passiert es rasch, dass niemand mehr mit ihm spielen möchte. Denn: „Freundschaften ergeben sich aus positiven sozialen Kontakten.”

Von besonderer Bedeutung für sie soziale Reife eines Kindes sind laut Wunsch Sportvereine und Freizeitgruppen. „Sie sind geradezu ideal, um Kontakte zu schaffen. Kinder lernen, sich sozial zu verhalten, aber auch sich zu behaupten.” Sträubten Kinder sich dagegen, gelte es auch hier, das Kind indirekt dazu zu bringen, Sportarten auszuprobieren.

Eltern sollten sich notfalls nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel bei Erziehungsberatungsstellen. „Wenn ein Kind sich abkapselt, kann das Folge einer massiven Erfahrung von Ausgrenzung, Blamage oder Unterforderung, aber auch von Trennung und Scheidung sein”, sagt Wunsch. Werde dies nicht aufgearbeitet, könne es sich bis ins Erwachsenenleben auswirken, im Beruf wie in der Partnerschaft.