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Wolfsburg: Kinder trauern anders als Erwachsene

Wolfsburg : Kinder trauern anders als Erwachsene

Kinder trauern nach Erkenntnissen von Pädagogen anders als Erwachsene. „Erwachsene springen in das Meer der Trauer hinein, sind darin gefangen und tauchen ganz lange nicht mehr auf”, sagt Sozialpädagogin Andrea Wiedemann von der „Trostinsel” für Kinder im Hospizhaus Wolfsburg.

„Kinder dagegen springen in ihre Trauer wie in eine Pfütze und auch wieder hinaus, von einem Moment zum anderen, ohne Rücksicht.” Sie könnten sehr traurig sein, aber bald darauf schon wieder in einer Gegenwelt.

„Erwachsene können häufig nicht mit der Trauer der Kinder umgehen”, weiß auch Rosely Plumhoff. Sie hat die „Trostinsel” vor zwei Jahren gegründet, um einen Ort für trauernde Kinder und Jugendliche zu schaffen. Da im Hospiz viele junge Menschen starben, kamen die Mitarbeiter oft in Kontakt mit jüngeren Angehörigen und Kindern, die sie nicht mit ihrer Trauer alleinlassen wollten. In einer eigens eingerichteten Etage finden Kinder nun Unterstützung und Beistand.

Wenn Kinder ihre Trauer nicht ausdrücken könnten und den Verlust eines geliebten Menschen nicht aufarbeiteten, könne dies schwere seelische Folgen haben, erläutert die Wolfsburger Krebsärztin Katrin Heine: „Kinder mit pathologischer Trauerbewältigung können im weiteren Leben nur schwer ihren Platz in unserer Gesellschaft finden.” Sie litten unter Problemen in der Schule, Konflikten am Arbeitsplatz und seien häufig in ihren Beziehungen sehr ängstlich und verschlossen.

Allerdings wagten es trauernde Kinder oft nicht, ihre Probleme etwa mit dem überlebenden Elternteil zu besprechen, sagt Beate Alefeld-Gerges vom Zentrum für trauernde Kinder in Bremen. Sie fürchteten sich davor, Vater oder Mutter noch mehr zu belasten. Das wiederum erhöhe den seelischen Druck auf die Kinder. „Einige werden aggressiv, andere ziehen sich zurück.