Berlin: Kinder behutsam auf den Umzug einstimmen =

Berlin: Kinder behutsam auf den Umzug einstimmen =

Vor einem Umzug sind Eltern oft in Sorge, wie sie ihre Kinder auf den Ortswechsel vorbereiten sollen. „Kinder ziehen grundsätzlich nicht so gerne um”, sagt der Diplompsychologe Matthias Müller-Guth vom SOS-Familienzentrum in Berlin.

„Sie sind zwar neugierig, aber sie brauchen auch viel Verlässlichkeit. Und aus ihrer vertrauten Umgebung und ihren vertrauten Bindungen beziehen sie viel Sicherheit.”

Eltern sollten ein bisschen abwarten

Am einfachsten sei ein Umzug für Babys. Für sie lasse sich die alte vertraute Umgebung relativ leicht wiederherstellen - etwa indem das Kinderzimmer ähnlich eingerichtet werde. Kleinere Kinder ab drei Jahren und Schulkinder hätten es da schon schwerer - „weil sie ihre eigenen sozialen Kontakte haben und weil sie meist sehr an ihrer Umgebung und ihren gewohnten Wegen hängen”.

„Eltern sollten daher ein bisschen warten, bis sie ihren Kindern von den Umzugsplänen erzählen”, rät Müller-Guth. Auf keinen Fall sollten sie den Nachwuchs einweihen, bevor die Sache wirklich spruchreif sei. „Das ist, als würde man zu früh von Weihnachten sprechen, das macht die Kinder nur nervös.”

Anders bei Jugendlichen: Deren Meinung sollten die Erwachsenen frühzeitig in die Pläne einbeziehen, zumal für Teenies der Ortswechsel besonders schwierig sei. „Die eigenen Freunde haben für Jugendliche eine sehr große Bedeutung”, sagt Müller-Guth.

Abschiedsgefühle sollen ihren Platz bekommen

Eltern könnten ihren Kindern helfen, mit ihren Sorgen besser fertig zu werden, „wenn die Abschiedsgefühle ihren Platz bekommen”. Ganz wichtig sei es, ein offenes Ohr zu haben. „Wenn Kinder sehr still sind, sollte man sie ruhig ansprechen”, rät der Psychologe. „Wenn die Oma oder der beste Freund plötzlich nicht mehr in der Nachbarschaft wohnen, ist das auf jeden Fall ein Einschnitt: Da darf Traurigkeit sein.”

Abwägen solle man auch, wann der beste Zeitpunkt für den Umzug sein könnte. Leichter sei es für Schulkinder die Koffer zu packen, „wenn sowieso ein Schulwechsel ansteht”.

Vor dem Neustart die Umgebung zusammen erkunden

Müller-Guth rät, vor dem Neustart die neue Umgebung mit den Kindern zusammen zu erkunden - Spielplätze anzuschauen und die neue Kita, die neue Schule oder einen passenden Sportverein vorab schon mal zu besuchen. Zudem könnten Eltern mit ihren Kindern überlegen, wie sie die alten Kontakte aufrechterhalten können - etwa per E-Mail oder Chat.

Grundsätzlich sollten Vater und Mutter ihren Kindern aber die Zeit lassen, die sie brauchen, um sich in der neuen Umgebung wohlzufühlen. „Es ziehen ja nicht immer intakte Familien um”, betont Müller-Guth. „Wenn Scheidung oder Trennung der Grund für den Wechsel sind, dann kann es unter Umständen länger dauern, bis sich das Kind an die neue Situation gewöhnt hat.”

Ob die Kinder am Umzugstag dabei sind oder vielleicht besser bei Freunden oder Verwandten unterkommen, sollte man vom „Typ des Kindes” abhängig machen, rät der Psychologe. Manch ein Kind könne es vielleicht nicht so gut verkraften, wenn sein Kinderzimmer „abgebaut und zerlegt” werde. Dann sei es besser, wenn es erst dazukomme, wenn in den neuen vier Wänden alles wieder „in Ordnung” sei.

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