Kann-Kind-Einschulung: Wann ist vorzeitiges Einschulen sinnvoll?

„Kann-Kind“ : Wann ist vorzeitiges Einschulen sinnvoll?

Wann Kinder eingeschult werden, ist gewöhnlich vom Alter abhängig. Wenn das Kind am Stichtag sechs Jahre alt ist, erhalten die Eltern vom Schulamt eine Benachrichtigung. Wird das Kind nach diesem Stichtag sechs Jahre alt, handelt es sich um die sogenannte „Kann-Kind-Einschulung“. Dann stellen sich viele Eltern die Frage: Soll ich mein Kind schon einschulen oder noch warten?

Bei dieser Entscheidung sollten verschiedene Kriterien wie die körperliche, intellektuelle und emotionale Reife des Nachwuchses berücksichtigt werden. Daneben steht oft die Frage im Raum, ob die frühzeitige Einschulung ein Stück Kindheit raubt. Der folgende Ratgeber erläutert die Vor- und Nachteile und alles Wissenswerte.

Wann ist ein Kind ein „Kann-Kind“?

Die Schulpflicht beginnt grundsätzlich für Kinder, die bis zum Stichtag ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben, im gleichen Kalenderjahr nach den Sommerferien. Während der Stichtag früher landeseinheitlich der 30.06. war, haben die Bundesländer heutzutage eigene Stichtage (zwischen 30.06. und 31.12.).

  • 30. Juni: Hamburg, Bremen, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Schleswig-Holstein
  • 1. August: Thüringen
  • 31. August: Rheinland-Pfalz
  • 30. September: Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen

Wenn das Kind danach geboren ist, beginnt die Schulpflicht erst im nächsten Jahr. Doch hierbei handelt es sich um die "Kann-Kinder". Vor einigen Jahren stand noch fest: Wenn das Kind bei Beginn des Schuljahres sechs Jahre ist, wird es eingeschult. In anderen Fällen bleibt es noch im Kindergarten.

Mittlerweile handelt es sich in letzterem Fall um das „Kann-Kind“. Es kann also mit einem Antrag und nach bestandener Schuleingangsprüfung mit fünf Jahren bereits eingeschult werden. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob die vorzeitige Einschulung sinnvoll ist oder nicht. Entsprechende Eltern stehen vor einer sehr schweren Entscheidung.

Nicht jeder Nachwuchs entwickelt sich in gleicher Weise. „Ist das Kind reif genug für die erste Klasse?“ Diese Frage gilt es zu beantworten. Es ist wichtig, die Einschulung des Kindes zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen. Nicht nur die Eltern, sondern auch die Schule und Lehrer müssen diesen festlegen.

Welche Kriterien sollten berücksichtigt werden? Ab wann ist ein Kind schulreif?

Viele Erziehungsberechtigte denken bei den "Kann-Kindern" über eine vorzeitige Einschulung nach. Die Meinungen gehen bei diesem Thema oftmals weit auseinander. Es ist eine schwierige Entscheidung, die mit der Angst vor einer eventuellen Überforderung bei einer zu frühen Einschulung, aber auch mit einer Unterforderung bei einer Einschulung im kommenden Jahr einhergeht.

Selbstsicherheit des Kindes

Vorzeitig eingeschulte Kinder sind jünger als die meisten Schüler der Klasse, oftmals auch kleiner. Sie müssen sich dennoch behaupten und benötigen hierfür viel Selbstsicherheit. Ansonsten kann es schwierig werden.

Geistige Entwicklung

Ob das Kind bereits schreiben, lesen und rechnen kann, sagt nichts über dessen geistige Entwicklung aus. Es sollte geprüft werden, ob es sich Dinge merken und Zusammenhänge erfassen kann und es bereits die Fähigkeiten, die zum Lernen notwendig sind, erworben hat.

Körperliche Entwicklung

Daneben ist es wichtig, dass es körperlich von der Größe und vom Gewicht her bereit ist für die Schule. Mit Beginn der Schule müssen Eltern einen Schulranzen erwerben. Das Kind sollte ihn allein tragen können. Hier empfiehlt es sich, einige Modelle probetragen zu lassen. Eine Auswahl können Eltern online bestellen und einen passenden Ranzen zu Hause in Ruhe auswählen.

Motorische Entwicklung

Die Grob- und Feinmotorik sollten ausgeprägt sein, damit das Kind den Stift halten, schreiben und etwas ausschneiden oder andere filigrane Bewegungen kann. Schulfähige Kinder können beispielsweise rückwärts laufen, balancieren, einen Ball fangen oder mit dem Fuß schießen.

Sprachliche Entwicklung

Die sprachliche Entwicklung ist wichtig, um keine Probleme beim Lesen und Schreiben zu haben. Schulkinder sollten in der Lage sein, deutlich zu sprechen, Sätze zu bilden oder Sachverhalte wiedergeben zu können.

Emotionale Entwicklung

Das Kind sollte emotional reif genug für den Schulalltag sein. Ist es noch zu verspielt, kann die Regeln nicht befolgen, reagiert auf Enttäuschungen mit Ausbrüchen oder kann sich noch nicht von seinen Eltern lösen, sollte von einer vorzeitigen Einschulung abgesehen werden.

Soziale Kompetenzen

Der Umgang mit anderen Kindern spielt hierbei eine wichtige Rolle. Kann sich das Kind angemessen mit ihnen unterhalten und spielen? Wie werden Streitigkeiten ausgefochten? Mit Worten oder mit Händen und Füßen?

Vor- und Nachteile einer vorzeitigen Einschulung

Eltern kennen ihr Kind genau. Beginnt es bereits vor der Einschulung selber mit dem Lesen oder Rechnen oder zeigt eine Unterforderung und Langeweile und möchte in die Schule, kann ein vorzeitiger Schulbeginn sinnvoll sein. Ein häufiger Grund ist auch, dass Eltern ihrem Kind damit zu einem zeitigeren Schulabschluss und Berufsbeginn verhelfen möchten.

Andersherum wird es als ein Nachteil angesehen, dass die Kindheit verkürzt wird. Fühlt sich der Nachwuchs im Kindergarten wohl und will nicht eingeschult werden oder ist noch nicht reif genug für die Schule, sollte davon abgesehen werden. Bei einigen Kindern, die frühzeitig eingeschult wurden, kommt es zu Überforderungssituationen und in der Folge zur Wiederholung des Schuljahres.

Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich. Daher kann eine frühzeitige Einschulung sinnvoll oder nicht ratsam sein. Die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchung des Kindes U9 helfen bei der Entscheidung. Der Kinderarzt prüft ab dem 60. Lebensmonat die körperlichen, geistigen, sprachlichen, sozialen und emotionalen Fähigkeiten des Kindes. Entsprechend dieser Ergebnisse kann er die Eltern beraten. Daneben können sich die Eltern an die Erzieher des Kindergartens wenden, die die Entwicklung des Kindes am besten verfolgen.

(eo)
Mehr von Aachener Nachrichten