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Jena: Heikle Geschenke: Gar keine sind genauso schlecht wie die falschen

Jena : Heikle Geschenke: Gar keine sind genauso schlecht wie die falschen

Schenken ist heikel. Das falsche Geschenk kann genauso problematisch sein wie gar keins. Selbst ein Verlegenheitsgeschenk sei besser, als ganz aufs Schenken zu verzichten, sagte der Kultursoziologe Michael Hofmann aus Jena der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn man dreimal nichts schenkt, ist die Beziehung wahrscheinlich hinüber.” Gerade in langjährigen Partnerschaften sei es wichtig, die Beziehung mit Geschenken zu symbolisieren.

Von Absprachen, sich nichts zu schenken, um Enttäuschungen vorzubeugen und dem Einkaufsstress in der Vorweihnachtszeit zu entgehen, hält Hofmann deshalb nichts: „Wir werden asozial, wenn wir nicht mehr schenken.” Allerdings ist Schenken immer auch mit Risiken verbunden. Die Gefahr stecke weniger im fünften Paar Socken oder im sechsten Schlips. Das seien solide Waren, die Gebrauchswert haben.

„Die Gefahren lauern woanders, nämlich darin, dass ich einem Menschen zu viel zumute mit meinem Geschenk. Zum Beispiel, wenn ich ihn mit einem besonders teuren Geschenk beeindrucken möchte oder jemanden mit Geschenken überhäufe.”

Wer ein Geschenk bekommt, das ihm nicht gefällt, darf das ruhig ansprechen. „Aber nicht im Augenblick der Übergabe”, sagt Hofmann. Die Regel beim Schenken laute: „Ich muss das Geschenk annehmen und mich bedanken.” Drei Wochen später könne man aber an denjenigen herantreten und sagen: „Das war nicht ganz mein Geschmack.”

Ein hohes Konfliktpotenzial hat es, ein Geschenk abzulehnen, zum Beispiel, weil es zu teuer ist. „Beides ist eine Kriegserklärung - ein Geschenk abzulehnen oder einem Freund ein unangemessen teures Geschenk zu machen”, erklärt Hofmann. „Er ist dann ja gezwungen, etwas Gleichwertiges zurückzuschenken.” Das löse einen Statuskampf aus und könne zum Bruch der Beziehung führen.

(dpa)