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Gesellschaft: Drei Geschlechterklischees und ob sie wahr sind

Gesellschaft : Drei Geschlechterklischees und ob sie wahr sind

Wie stellt man sich den typischen Mann vor und wie die typische Frau? Und gibt es so etwas überhaupt noch? Scheinbar ja.

Denn trotz der wichtigen Entwicklung hin zu Emanzipation und Gender-Sensibilisierung bleiben Geschlechterrollen und Klischees in den Köpfen vieler Menschen verankert.

Frau kauft gerne Kleidung, Mann gerne Autos. Sie entscheidet emotional, während Er eher rationale Entscheidungen trifft. In der Liebe sind Frauen auf Treue gepolt, Männer hingegen auf Sex. Wieso sich Geschlechter-Klischees wie diese wohl so hartnäckig halten? Zeit für einen Fakten-Check.

1. Männer kaufen Autos – Frauen kaufen Kleidung

Autos für Jungs, gestylte Barbies für Mädchen. Von klein auf lernt man, dass das Auto Männersache und Mode Frauensache ist. Über Jahrtausende bestimmten tradierte Geschlechterrollen wie dieses den Alltag. Erst die Gleichberechtigungsbewegung hat zur Hinterfragung dessen geführt. Heutzutage ist es nicht gesagt, dass sich Frauen im Vergleich zu Männern besser mit den neuesten Mode- und Lifestyle-Trends und schlechter mit PS-Leistungen auskennen. Trotzdem hält sich das Klischee weiterhin. Tatsächlich steckt sogar Wahrheit darin:

Diese Faktenlage hat mit Jahrtausenden der Unterdrückung zu tun. Frauen mussten sich früher um den Haushalt kümmern. So auch um die Kleiderbeschaffung für ihre Männer und Kinder. Bis Ende des 20. Jahrhunderts durften sie nur mit der Bewilligung ihrer Ehemänner arbeiten und auch Autofahren durften sie ohne eine solche lange nicht.

Ist es ein Überbleibsel gesellschaftlicher Unterdrückung, dass Frauen bis heute lieber Kleidung, als Autos kaufen? Jein, meinen Experten, denn auch die weibliche Emanzipation spielt mit hinein. Lange hatten Frauen kaum Mitspracherecht, was ihre Kleiderwahl betraf.

Das heutzutage umfangreiche Sortiment an Damenmode für jeden Anlass konnten sie sich lange nur erträumen. Hosen beispielsweise waren bis ins 20. Jahrhundert Männern vorbehalten. Kein Wunder also, dass Frauen ihre noch gar nicht allzu alte Freiheit beim Kleidungskauf bis heute wertschätzen.

2. Von gender-spezifischen Entscheidungswegen

Männer werden von der Vernunft gesteuert, Frauen vom Bauchgefühl. Schon Aristoteles beschrieb die Frauenwelt unabhängig von der Spezies als eine emotionsgesteuerte, wohingegen er die Männerwelt eher als verstandsgesteuert einordnete. Obwohl Gleichberechtigung im 21. Jahrhundert groß geschrieben wird, hält man bis heute an der mehr als 2.000 Jahre alten Vorstellung fest. Unter anderem wegen des Hormonprofils, das je nach Geschlecht variiert.

Das Gelbkörperhormon Progesteron beeinflusst die weibliche Stimmung. Sowohl dieser Botenstoff als auch das Glückshormon Serotonin schwanken während der Monatsblutung. Kein Wunder, dass Frauen während ihrer Tage gelegentlich in Tränen ausbrechen.

Für die Neurowissenschaft steht außerdem fest, dass sich Frauen aus physiologischer Sicht durch eine höhere Reizempfänglichkeit auszeichnen. Dadurch haben sie eine größere Basis zur Generierung von Emotion, denn erst Reize lösen Gefühle aus. Vielleicht entscheiden sie – anders als das Stereotyp besagt – nicht ausschließlich auf Gefühlsbasis. Rein körperlich sind Frauen im Vergleich zu Männern aber tatsächlich eher geneigt, Emotionen bei ihrer Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.

3. Treue Frauen und sexgesteuerter Männer

Als Begründer der Evolutionslehre hielt Charles Darwin Thesen zum geschlechterspezifischen Sexualverhalten fest. Der Mann habe einen stärkeren Sexualtrieb als die von Natur aus monogame Frau. Die Begründung: Männliche Lebewesen sind evolutionsbiologisch darauf gepolt, so viele Nachkommen wie möglich zu zeugen und so das Artüberleben zu sichern.

Weibliche hingegen sind zum Arterhalt darauf ausgerichtet, Versorger für ihren Nachwuchs zu finden. Sie brauchen Sicherheit, während dies für die Männerwelt eine untergeordnete Rolle spielt. So logisch das auch klingt: Tatsächlich beeinflussen auch die Umgebung und Kultur das Sexualverhalten.

Schwere Strafen für sexuelles Begehren:  Jahrhundertelang wurde der Sexualtrieb der Frau mit teils körperlicher Bestrafung unterdrückt. Dadurch wurde die Damenwelt sozusagen noch tiefer in die Passivität und Monogamie gezwungen, die evolutionsbedingt vorgesehen wäre.

Inzwischen geraten geschlechtertypische Rollen hinsichtlich des Sexualverhaltens in Ländern wie der Bundesrepublik ins Wanken. Die Gleichberechtigungsbewegung und der Feminismus haben eine Umgebung geschaffen, in der Frauen zur Sicherung des Überlebens keinen Partner mehr brauchen. Auch Monogamie ist damit nicht mehr zwingend notwendig.

Viele Gender-Unterschiede sind gesellschaftsbedingt

Wie sich Frauen und Männer selbst und gegenseitig wahrnehmen, hängt von der gesellschaftlichen Umgebung ab. Fremdbilder beeinflussen erwiesenermaßen das Selbstbild. Genau damit lässt sich erklären, dass einige Gender-Klischees bis heute zutreffen. Hören Frauen von klein auf, dass man die Frauenwelt mit emotionalen Entscheidungen, Monogamie und Liebe zur Mode verbindet, passen sie sich unbewusst an diese scheinbaren Erwartungen an.

Dasselbe gilt für Männer. Hören sie von Kindesbeinen an, dass sich die Männerwelt mit Autos auskennt, rational entscheidet und ungern monogam verhält, wird sich auch ihr Selbstbild daran orientieren. Obwohl zwischen Männern und Frauen aus evolutionsbiologischer und physiologischer Sicht durchaus Unterschiede bestehen, hätten jene ohne Geschlechterrollen und damit verbundene Klischees weitaus weniger Auswirkungen.

(rd)