Hamburg: Gefährliche Entdeckungslust: Sicherheit für Kinder im Haus

Hamburg: Gefährliche Entdeckungslust: Sicherheit für Kinder im Haus

Für Kinder ist das Zuhause ein riesiger Abenteuerspielplatz. Vor allem in Bad und Küche gibt es allerhand zu entdecken. Doch gerade diese Zimmer bergen mehr Gefahren für die Kleinen als zunächst angenommen. Es sprudelt, zischt und blubbert auf dem Herd: Das zieht Kinder magisch an.

„Am besten lassen Mama und Papa ihre Kleinen nie allein in der Küche”, rät Susanne Woelk von der Aktion Das sichere Haus (DSH) in Hamburg. Einige Schutzmaßnahmen helfen, Unfälle zu vermeiden. „Ein Herdschutzgitter vor den Kochplatten verhindert, dass Kinderhände Töpfe zu sich herunterziehen können”, sagt Woelk.

Damit die Kinder den Backofen nicht öffnen können, empfiehlt die Expertin einen Herdtürstopper am Ofen zu befestigen. „Auch für Schubladen gibt es eine Schutzvorrichtung, die es Kindern unmöglich macht, Messer oder andere gefährliche Gegenstände herauszuholen”, ergänzt sie. Versenkbare Herdplattenregler verhindern zudem, dass Kinder die Kochplatten anschalten.

Küchengeräte wie Wasserkocher und Toaster sollten nicht zu nah am Rand stehen. „Vor allem Kinder im Krabbelalter ziehen gern an herunterhängenden Kabeln”, warnt Woelk. Hier kommt ein weiterer gefährlicher Faktor ins Spiel: Die Elektrizität.

„Wer Wasserkocher und Co. nach Gebrauch immer aussteckt, ist auf der sicheren Seite”, sagt Anja Becker von der Initiative Elektro+ in Berlin. Zusätzlich könnten Elektrokabel mit Schellen an der Wand befestigt und so gesichert werden. Bei Kabeln, die von Kindern erreicht werden, sollte außerdem regelmäßig die Isolierung überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden.

Auch Steckdosen machen Kinder neugierig: Kann ich meinen Finger in die Löcher stecken? Was passiert, wenn ich Spielzeug hineinstopfe? „Um solche lebensgefährlichen Experimente unmöglich zu machen, empfehle ich Kinderschutzsteckdosen, bei denen die Löcher der Stromquelle verschlossen sind, solange kein Gerät angesteckt ist”, rät Becker.

Unverzichtbar sei außerdem der Einbau eines FI-Schalters in den Stromverteiler der Wohnung. „Ein Fehlerstrom-Schutzschalter kann lebensrettend sein. Er unterbricht die Stromzufuhr sofort, wenn der Strom fehlgeleitet wird, sprich, durch einen Menschen fließt”, erklärt Becker. So könne zum Beispiel der tödliche Stromschlag eines Föhns verhindert werden, der ins Badewasser gefallen ist.

Doch auch mit einem FI-Schalter birgt das Baden noch Risiken für Kinder. „Ein ungefährliches Badevergnügen garantieren rutschsichere Einlagen auf dem Wannenboden und ein Temperaturbegrenzer für Heißwasser, damit sich Kinder beim Drehen am Wasserhahn nicht verbrühen können”, rät Woelk. Besonders aufmerksam müssen Eltern beim Baden von Kindern unter drei Jahren sein. „Kleinkinder können auch in wenig Wasser ertrinken.” Deswegen dürften sie dabei nie unbeaufsichtigt gelassen werden.

Auch außerhalb der Badewanne lauern Gefahren. „Bei Kindern zwischen dem ersten und dem vierten Lebensjahr besteht das Risiko, dass sie sich mit Haushaltschemikalien vergiften”, sagt Bernd Glassl vom Industrieverband der Körper- und Waschmittel (IKW) in Mannheim. Vor allem im Bad, aber auch in der Küche kommen viele gefährliche Mittel wie Entkalker und Allzweckreiniger zum Einsatz.

„Am besten wird derartiges in einem hohen, für Kinder unerreichbaren Schrank oder Regal aufbewahrt”, rät Glassl. Chemische Produkte sollten auch nie in Kindern bekannte Lebensmittelverpackungen wie leere Saftflaschen umgefüllt werden. „Besonders gefährlich sind stark ätzende Flüssigkeiten wie Rohrreiniger und Entkalker. Solche Mittel dürfen nie offen herumstehen.”

Einen relativ zuverlässigen Schutz bieten Produkte mit Kindersicherung. „Doch vor allem ältere Menschen lassen Produkte mit Kindersicherung gern offen, damit sie nicht wieder mit der Sperre kämpfen müssen. Das kann schlimm enden, wenn die Enkelkinder zu Besuch kommen”, warnt Glassl.

Bei Vergiftungen kein Erbrechen auslösen

„Hat ein Kind giftige Substanzen verschluckt, sollten Speiseröhre und Mund mit Leitungswasser oder Tee ausgespült und die Giftnotzentrale verständigt werden”, rät Bernd Glassl vom Industrieverband der Körper- und Waschmittel (IKW) in Mannheim. Auf gar keinen Fall dürfe ein Erbrechen ausgelöst oder dem Kind Milch oder Kochsalzlösung zum Trinken gegeben werden. Verätzte Haut oder Augen sollten unter fließendem Wasser abgespült werden. Anschließend sollten Eltern mit dem Kind sofort einen Arzt aufsuchen.