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Karlsruhe/Berlin: Eine Vollmacht allein reicht nicht für gemeinsames Sorgerecht

Karlsruhe/Berlin : Eine Vollmacht allein reicht nicht für gemeinsames Sorgerecht

Hat ein Elternteil dem anderen eine Sorgerechtsvollmacht erteilt, bedingt das nicht automatisch das gemeinsame Sorgerecht der beiden.

Das sei nur dann der Fall, wenn diese Vollmacht auf einer beiderseitigen Vereinbarung der Eltern beruht, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Im verhandelten Fall (AZ: 18 UF 181/14) entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe, dass die Mutter das alleinige Sorgerecht für das Kind behalten sollte.

Die Eltern waren geschieden, der Vater saß in Haft. Beide hatten zuerst das gemeinsame Sorgerecht für das Kind. Während seiner Haftzeit gab der Vater der Frau eine Vollmacht, ihn in allen Angelegenheiten, die das Kind betreffen, zu vertreten. Nachdem das Familiengericht der Mutter das alleinige Sorgerecht übertragen hatte, legte der Mann dagegen Beschwerde ein. Er verwies dabei unter anderem auf diese Vollmacht - unter diesen Voraussetzungen könne man das gemeinsame Sorgerecht beibehalten.

Das Gericht aber sah das anders: Diese Vollmacht habe nicht auf einer Vereinbarung der beiden beruht. Im Gegenteil: Die Mutter wollte sich auf keinen Fall weiter das Sorgerecht mit dem Mann teilen. Sie habe sogar Angst vor ihm und Anzeige wegen mehrfacher Beleidigung und Brandstiftung gegen ihn erstattet. Außerdem argumentierte das Gericht, es sei auch für das Wohl des Kindes besser, wenn die Mutter das alleinige Sorgerecht hat.

(dpa)