Frankfurt/Main: Durchgestylte Formgeber: Funktionale Dessous werden modischer

Frankfurt/Main: Durchgestylte Formgeber: Funktionale Dessous werden modischer

Der hautfarbene Bauchweg-Schlüpfer, der zwischen Knie und Rippen jede Wölbung gnadenlos wegpresst, ist Geschichte. Figurformende Wäsche bleibt trotzdem im Winter 2011/12 ein Renner - aber Spitze, Farbe und High-Tech haben die einstigen Liebestöter auf Dessous-Status gehoben.

Bis unter den Busen gehen auch in der kommenden Wintersaison immer noch viele figurformende Höschen. Auch wenn das nach Liebestöter klingt: Die ganz hohen Slips modeln einfach am besten die eine oder andere Delle weg, sagt Martina Metzner, Unterwäsche-Expertin aus Frankfurt. Und die neuesten Modelle sehen im Gegensatz zu ihren biederen Vorgängern auch noch richtig sexy aus.

Die sogenannte Shapewear liegt weiter voll im Trend, die inzwischen teils bunten und durch Spitze aufreizenderen Höschen waren schon im Sommer ein Verkaufsschlager. Die Steigerung soll Metzner zufolge nun noch vorzeigbarer und noch funktionaler sein.

Taillenformer-Slips sind farbig, etwa in der Modefarbe Lila von Lascana, oder haben Spitzeneinsätze und feinen Netzüberzug, wie von Heine. Sie wirken so nicht nur eher jung und sexy als funktional, sondern teils sogar eher verrucht.

Frauen wollen zwar auch gemütliche Wäsche, entscheidend ist aber inzwischen auch ihre Funktion: „Die Stoffe der Oberbekleidung werden nämlich immer fließender, dünner und transparenter”, erklärt Metzner, die für das Fachmagazin „Textilwirtschaft” die Unterwäschtetrends analysiert, den Hintergrund dieser Entwicklung.

Darunter zeichne sich auch das kleinste Pölsterchen ab. „Interessant ist, dass die am besten verkauften Größen bei Shapewear 36 und 38 sind”, sagt Metzner. Gerade modische, junge Frauen mit sehr schlanken Silhouetten schummeln also gern, um perfekter auszusehen.

Von einem Trend zur Hochwertigkeit spricht die Wäsche-Designerin Rose Vollmer: „Es passiert viel im Verborgenen.” Die immer feinere Qualität der Dessous bemerkt man erst auf den zweiten Blick.

„In wirtschaftlich schlechten Zeiten geben Frauen viel Geld für Wäsche aus”, hat Vollmer beobachtet. Wer sich keine großen Investitionen leisten kann, wolle sich dafür wenigstens im Kleinen etwas gönnen. Auch edle Spitze sei daher wieder im Kommen.

Der Retro-Schick ist Thomas Grün von der Dessous-Akademie in Ginsheim-Gustavsburg (Hessen) aufgefallen. Inspiriert von der Mode der 50er Jahre lassen Designer das Bündchen der Pantys immer höher schneidern und sie damit an Mieder erinnern.

Das sind genau die Schnitte, die auch die Shapewear verwendet - was diese Stücke, die Frau offiziell nicht trägt, nahezu unauffällig am Körper und im Schrank Platz finden lässt. So zeigen etwa Lisca und Speidel High-Waist-Pantys in verführerischem Dunkelrot, Palmers nutzt den gleichen Stil und dieselbe Farbe in seiner Shapewear-Kollektion.

Zum Retro-Trend passen auch die Unterhemden mit Spitze, Stäben und Schnürungen vieler Hersteller: Speidel zeigt eines in Blau, Mey in Rosé und C&A sogar in hellem Rot mit auffälligeren Spitzenelementen, das an ein Korsett erinnert.

Was BHs angeht, sind sich die Experten Grün und Metzner einig: Schalen sind beliebter als einfache Bügel-BHs ohne Wattierung. Die festen Cups hätten den Vorteil, dass sie die Brust formen und ein bisschen größer erscheinen lassen, erklärt Grün.

Manche Designer spielen bei den vorgeformten Schalen auch gern mit Farbe, sagt Metzner: Auf der Dessous-Messe in Paris, wo Designer die Trends für den Winter vorgestellt haben, habe sie oft knallig gelbe oder pinkfarbene Cups, überzogen mit dunkler Spitze, gesehen.

Die Farbpalette wandelt sich laut Grün langsam: Die Winter- und die kommenden Sommerkollektionen ließen sich farblich kaum noch voneinander unterscheiden. Freundliche Töne seien nicht mehr nur im Sommer angesagt, und der Trend gehe generell zu Elfenbein und Rosa.

„Ton in Ton” lautet Metzners Farbtipp für Frauen: BH und Höschen sollten die gleiche Farbe haben. Aber gemustert darf es sein, wie in den Herstellerkatalogen häufig zu sehen ist: Es gibt auch im Winter viele Blumenmuster, etwa von Freya oder Lisca.

Männer mögen es untendrunter gerne schlicht, aber hochwertig, sagt Metzner. „Junge Männer kaufen Wäsche einer Lifestyle-Marke in einer schönen Vollfarbe und mit einem breiten Markenlogo-Bund.” Diesen Trend zum sportlichen Understatement greift etwa Mey auf: „Bundbänder werden breiter und maskuliner”, heißt es im Kollektionstext.

Häufig wird man am Mann im Winter gestreifte Unterhosen sehen: bei HOM entweder breite Längssteifen an der Seite oder wie auch bei Mey und Jockey die komplette Boxershorts mit schmalen Quer- und Längsstreifen. Die Farben bleiben hier klassisch dezent und mehrheitlich Schwarz, Blau, Weiß.

Das weiße Doppelripp-Unterhemd - bisher oft als modisches No-Go verschrien - ist bei Männern derzeit beliebter denn je. Der einst peinliche Klassiker hat es sogar in die Oberbekleidung geschafft. „Es passt halt zum momentan beliebten derberen Look, zum Mann mit Bart”, sagt Metzner. Besonders gern tragen junge Männer das doppelt gerippte Trägerhemd deutlich sichtbar unter einem halb aufgeknöpften Karohemd.

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