Düsseldorf/Berlin: Digitale Spiele und Geräte führen die Wunschlisten an

Düsseldorf/Berlin: Digitale Spiele und Geräte führen die Wunschlisten an

„Lieber Weihnachtsmann! Mein liebster Wunsch ist das neue iPhone mit ultraschnellem Wi-Fi und 8 Megapixel iSight-Kamera...” So oder ähnlich beginnen wohl viele Wunschlisten im Jahr 2012. Wahlweise sollen es auch ein neues Computerspiel für den Tablet-PC, eine Konsole oder ein eigener Laptop sein. Digitale Medien und Spiele stehen bei Kindern hoch im Kurs. Wie Eltern ein altersgerechtes Weihnachtsgeschenk finden, das nicht nur zum Daddeln verführt, verraten die Experten Kristin Langer und Michael Schnell.

Ob in virtuellen Welten oder offline: „Spielen ist grundsätzlich etwas Positives”, sagt Michael Schnell, Leiter des Projekts „Internet-ABC” am Grimme-Institut. Dass digitale Medien auch in Kinderzimmern Einzug halten, findet er nicht per se bedenklich - entscheidend sei der Umgang mit ihnen. Eltern sollten Kindern den Wunsch nach technischen Geräten und Spielen nicht ausreden, sondern sie begleiten, sagt Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative „Schau hin! Was Deine Kinder machen”. „Ich möchte ja erreichen, dass mein Kind einen sinnvollen Medienumgang praktiziert. Das geht am besten, wenn ich regelmäßig Medien- und Geräteangebote kritisch prüfe”, sagt sie. Dass Kinder vor dem Bildschirm nicht sich selbst überlassen werden sollen, versteht sich für die Experten von selbst.

Auch das Spiel am Bildschirm kann pädagogisch wertvoll sein, sagen Kristin Langer und Michael Schnell. Entscheidend sei, dass die Eltern Alter und Persönlichkeit ihres Kindes berücksichtigen. „Am besten beobachte ich mein Kind genau: Wofür interessiert es sich? Wann fühlt es sich herausgefordert? Kann es schon mit Frust umgehen?”, zählt die Medienpädagogin auf. Ein gutes Computerspiel, das den Fähigkeiten und dem Charakter des Kindes entspricht, könne die Konzentration fördern, den Wissensschatz erweitern und dazu anregen, selbst Ideen zu entwickeln, sagt Kristin Langer. Die verbreitete Meinung, Computerspielen mache einsam und eigenbrötlerisch, ist nach Michael Schnells Erfahrung nicht haltbar. „Vor allem ältere Spieler kommunizieren in der Gruppe - online oder gemeinsam vor dem Bildschirm - sehr viel”, sagt er.

Geschenktipp: Gutschein zum gemeinsamen Surfen

Wann aber ist ein Computerspiel oder ein Handy altersgemäß? Kristin Langer rät Eltern dazu, die Gewohnheiten ihrer Kinder im Umgang mit Medien zu bedenken. „Bei Kindern zwischen drei und fünf Jahren sind digitale Geräte zu vernachlässigen”, sagt sie. „Ein Bilderbuch oder eine Hörgeschichte auf CD sind da wesentlich empfehlenswerter.” Kindern, die von sich aus Neugier auf den Computer entwickeln, könnten Eltern mit einem Gutschein eine Freude machen - zum Beispiel zum gemeinsamen Surfen auf Kinderseiten wie der „Seite mit der Maus” (www.wdrmaus.de) oder „Kikaninchen” (www.kikaninchen.de).

Schon im Grundschulalter wünschten sich viele Kinder ein Handy mit Internetzugang, Kamera und MP3-Player - auch deshalb, weil sie sich damit zu den Größeren zählen können und soziale Anerkennung bekommen, sagt Kristin Langer. Nachgeben müssten Eltern dem Wunsch trotzdem nicht. „Handys sind aus unserer Einschätzung frühestens ab dem Alter von neun Jahren sinnvoll”, sagt die Expertin von „Schau hin!”. Oft ließen sich aber Kompromisse finden: Will das Kind das Smartphone etwa vor allem zum Musikhören nutzen, tue es ein einfacher MP3-Player genauso gut.

Vor dem Kauf über Qualität informieren

Woran können Eltern bei der Suche nach Weihnachtsgeschenken Qualität erkennen? „Im Laden kann man nicht sehen, ob ein Spiel gut oder schlecht ist”, sagt Michael Schnell. Ebenso wie Kristin Langer rät er daher, sich vor dem Kauf ausführlich zu informieren. Auf der Seite des Internet-ABCs (www.internet-abc.de) etwa findet sich auch ein Portal für Eltern, wo Fachleute ausgewählte Spiel- und Lernsoftware pädagogisch bewerten. „Die Experten testen die Spiele für uns und picken die besten raus”, sagt Schnell. Auf der Seite www.schau-hin.info finden Eltern zudem Tipps zu Handys und Smartphones und weiteren Medien. „Ich empfehle auch, bei anderen Familien nachzufragen”, sagt Kristin Langer. „Die Erfahrungen kann man nutzen.”

Beim Kauf von Spielen oder DVDs sollten Eltern auf Siegel achten. „Erstes Kriterium ist das USK-Zeichen - da geht es vor allem um Jugendschutz”, sagt Michael Schnell. Zusätzlich sollten Eltern Verkäufer zurate ziehen, rät Kristin Langer. Sind die Figuren ansprechend gestaltet? Könnten Stimmen oder Musik Angst machen? All das sei von Spiel zu Spiel und von Kind zu Kind unterschiedlich zu bewerten, sagt sie. „Für Eltern muss erkennbar sein, dass ein Spiel altersgerecht konzipiert und gestaltet ist.” Dann taugt es - je nach Wunsch - auch für den Gabentisch.

(dapd)