Berlin/Hamburg: Die fremde Welt der Computerspiele: Interesse für Games der Kinder zeigen

Berlin/Hamburg: Die fremde Welt der Computerspiele: Interesse für Games der Kinder zeigen

Fliegen lernen, Zauberwesen zähmen und ganze Fantasiewelten regieren - für Kinder sind solche Freizeitbeschäftigungen nichts Ungewöhnliches.

Immer ausgefeiltere Computerspiele präsentieren ihnen auf Knopfdruck ständig neue Abenteuer. Doch viele Eltern sehen die kindliche Begeisterung für die „Daddelei” mit Skepsis. „Das Problem ist, dass die Kenntnisse über diese digitalen Welten zwischen Kindern und Eltern weit auseinanderdriften”, sagt Tobias Miller, Redaktionsleiter von spielbar.de, einem Internetangebot der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Computerspiele. Eltern hätten häufig das Gefühl, sie könnten mit ihrem Nachwuchs in Sachen Computerspiele nicht mithalten.

„Die Meinung der Eltern über Computerspiele ist oft durch die Berichterstattung über gewalthaltige Games geprägt”, ergänzt Claudia Lampert, wissenschaftliche Referentin am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg und Beirätin der Initiative „Schau hin!”. Dabei gebe es neben diesen schlechten Beispielen eine Vielzahl guter, interessanter Spiele. „Durch diese Berührungsängste wird eine Barriere aufgebaut und es geht Erziehungsraum verloren”, warnt Tobias Miller. Beide Experten plädieren daher dafür, dass Eltern aktiv werden und sich mit dem Thema Computerspiele beschäftigen, um ihre Kinder bei der Nutzung der Games angemessen begleiten zu können.

Die gesetzliche Altersfreigabe der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist ein erster Anhaltspunkt bei der Frage, ob ein Spiel für ein Kind geeignet ist. „Dieses Siegel sollten Eltern unbedingt beachten. Man findet es in der Regel auf der Hülle des Spiels, im Internet gibt es unter usk.de aber auch eine Datenbank mit allen bewerteten Titeln”, sagt Miller. Claudia Lampert warnt allerdings davor, das USK-Siegel als Empfehlung misszuverstehen. „Hier geht es um den Jugendschutzaspekt - die Kennzeichnung sagt nichts darüber aus, ob ein Spiel pädagogisch empfehlenswert ist oder nicht”, erklärt die Medienpädagogin.

Für pädagogische Einschätzungen von Computerspielen gibt es jedoch andere Quellen. „Solche Hinweise findet man beispielsweise auf spielbar.de und spieleratgeber-nrw.de. Außerdem gibt es Preise wie den Pädi, den pädagogischen Interaktiv-Preis, mit denen besonders gute Spiele ausgezeichnet werden”, sagt Miller. Um sich eine eigene Meinung zu bilden, ermutigt der Medienpädagoge Eltern außerdem, die Spiele auch selbst einmal zu spielen - ob im Kaufhaus oder an der heimischen Konsole.

Auch internetbasierte Computerspiele finden bei Kindern großen Anklang. „Das Problem ist, dass es für diese Online-Games momentan keine Regelung zur Altersfreigabe gibt”, sagt Miller. Zudem seien sie im Spielverlauf oft mit Kosten und Werbung verbunden und die Spieler müssten manchmal ihre persönlichen Daten preisgeben. Eine weitere Charakteristik dieser Spiele sei, dass sie häufig kein Ende hätten und so unendlich viel Zeit in Anspruch nehmen könnten. „Bei diesen Spielen müssen Eltern daher ganz besonders aufpassen und sie sich unbedingt konkret selbst anschauen”, sagt Miller.

Aber auch wenn man ein Spiel für grundsätzlich geeignet befunden hat, darf man Kinder damit nicht alleine lassen. „Man sollte klare Regeln über die Dauer der Spiele aufstellen”, sagt Miller und rät gleichzeitig dazu, solche Zeitlimits auch mit den Kindern zu besprechen und dabei die Art des Spiels zu berücksichtigen. „Bei manchen Spielen dauert beispielsweise ein Level schon mal eine Stunde”, erklärt der Medienpädagoge.

„Wichtig ist, dass Computerspiele nicht das zeitliche Übergewicht bekommen”, sagt Claudia Lampert. Dabei gehe es nicht nur darum, darauf zu achten, dass Schule und Lernen noch ihren Platz im Alltag hätten. Auch im Vergleich zu anderen Hobbys müsse die Balance gewahrt bleiben. Falls Eltern den Eindruck hätten, das Kind verliere sich in seinen Spielwelten und könne die Spielenutzung nicht mehr kontrollieren, sollten sie sich professionelle Hilfe holen.

Um einer solchen Entwicklung vorzubeugen, empfiehlt Lampert, Kindern gezielt andere attraktive Aktivitäten anzubieten. „Das sollten möglichst Beschäftigungen sein, die dem Kind auch die Möglichkeit zur Selbsterfahrung bieten und ihm Erfolgserlebnisse bescheren”, sagt Lampert. Denn unter anderem diese Faktoren machten Computerspiele für Kinder so interessant.

Um im Blick zu behalten, was das Kind beschäftigt, ist auch das Gespräch über die Computerspiele sehr wichtig. „Allerdings stellen Eltern hier häufig die falschen Fragen, äußern sich abwertend und respektlos über das Spielen, und die Kinder fühlen sich nicht ernst genommen”, sagt Claudia Lampert. Sie empfiehlt Eltern, sich interessiert zu zeigen und anzuerkennen, dass das Kind an den Computerspielen Spaß hat.

Ideal sei außerdem, wenn die Eltern mal selbst mitspielten, um die Faszination der Computerspiele zu erfahren und nachvollziehen zu können. „Wenn sich ein Kind tagelang mit einem Brettspiel beschäftigen würde, würde man ja auch nachfragen, was es da so macht”, gibt Lampert zu bedenken.

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