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Köln: Der Weg zur Schule muss trainiert werden

Köln : Der Weg zur Schule muss trainiert werden

Für rund 780.000 Erstklässler beginnt in den nächsten Wochen der Schulalltag. Das bedeutet für die ABC-Schützen auch die aktive und regelmäßige Teilnahme am Straßenverkehr. Ihren Eltern legt Jacqueline Grünewald vom ADAC deshalb ans Herz, den Schulweg rechtzeitig zu trainieren.

Am ersten Schultag sei es zu spät. „Das Fahrrad ist erst nach einer schulischen Radfahrausbildung eine Alternative”, betont sie, und „wer sein Kind regelmäßig mit dem Auto zur Schule bringt, tut ihm nichts Gutes, da so das selbstständige Verhalten im Straßenverkehr erst später erlernt wird”.

Die meisten Schulanfänger sind dem komplizierten Verkehrsgeschehen noch nicht gewachsen. „Es ist eine Frage der Perspektive - Kinder sehen, hören, denken und reagieren völlig anders als Erwachsene”, mahnt Grünewald. Allein aufgrund ihrer Körpergröße können Kinder das Geschehen auf der Straße nicht so überblicken wie Erwachsene.

Als Fußgänger sind sie den Anforderungen des Straßenverkehrs frühestens ab einem Alter von acht Jahren gewachsen, als Fahrradfahrer sogar erst mit 14 Jahren. Bis ins Schulalter hinein fällt es Kindern schwer, Entfernungen und vor allem Geschwindigkeiten einzuschätzen. Der Bremsweg eines Autos ist ihnen somit unbegreiflich.

Es reicht also nicht, die Kleinen mit auffällig-poppiger Kleidung zu schützen, damit sie besser gesehen werden. Der Weg zur Schule muss trainiert werden. „Erklären Sie ihrem Kind ausführlich mögliche Gefahrenstellen”, mahnt Alfred Fuhr vom Autoclub AvD. Der Verkehrspsychologe weiß Rat: „Gemeinsam mit dem Schulanfänger wird der Weg geübt, kritische Punkte werden fotografiert und mit dem Kind anhand der Fotos das korrekte Verhalten an diesen Gefahrenpunkten besprochen.”

Ganz wichtig ist es, dass Eltern und Kinder den neuen Weg zu den üblichen Schulzeiten abgehen. So lernen die Kleinen genau die Verkehrsbedingungen kennen, die sie später allein zu meistern haben. Grünewald: „Als Faustregel gilt, einfache Schulwege mindestens siebenmal abgehen, schwierigere mindestens doppelt so oft.”

Hilfreich ist es auch, mit den Kindern einen Rollentausch vorzunehmen: Das Kind bringt die Eltern zur Schule und erklärt selbst die Gefahrenstellen. „Auch wenn der Nachwuchs bereits eigenständig zur Schule geht, sollte er gelegentlich beobachtet werden. So können Nachlässigkeiten erkannt und das Training wiederholt werden”, betont die ADAC-Fachfrau.

Unfallursache Nummer eins bei Kindern, die zu Fuß zur Schule gehen, ist das Überqueren der Fahrbahn. Deshalb wollen diese Schritte besonders geübt sein: Vor jedem Betreten der Fahrbahn müssen die Kinder am Bordstein stehen bleiben, nach allen Seiten schauen, zuerst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links, um dann auf kürzestem Weg über die Straße zu gehen. Wenn möglich, sollten sie Straßen nur an Ampeln und Fußgängerüberwegen überqueren. An Zebrastreifen nehmen sie am besten Blickkontakt zu den Autofahrern auf, ebenso auf Fahrbahnteilern.

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen”, unterstreicht AvD-Mann Fuhr: „Sie verhalten sich mitunter völlig anders, wenn sie alleine oder in der Gruppe sind.” Entdecken sie beispielsweise Klassenkameraden auf der anderen Straßenseite, wird der Verkehr uninteressant. „Gerade kleinere Kinder lassen sich stark von ihrer Gefühlslage leiten, und die kann sich schnell ändern”, erläutert Ulrich Wetzels vom Medizinisch-Psychologischen Institut des TÜV-Rheinland.

Fährt der Nachwuchs mit dem Schulbus, sollten Eltern dies ebenfalls mit ihren Sprösslingen üben, empfehlen Verkehrsfachleute. Das gilt für den Hin- und Rückweg zur Haltestelle. Das gilt für das Ein- und Aussteigen. So sollten die Kinder immer erst an den Bus herantreten, wenn der zum Stehen gekommen ist und die Tür geöffnet hat. Nach dem Aussteigen warten sie, bis der Bus weggefahren ist, und erst dann dürfen sie die Fahrbahn überqueren - wenn möglich am nächsten Fußgängerüberweg oder an einer Ampel. Wichtig ist zudem, dass das Kind rechtzeitig an der Haltestelle ist, damit es nicht unter Zeitdruck kommt.

Doch die größte Gefahr für die Kleinen lauert ganz woanders. Die häufigsten Schulwegunfälle mit Todesfolge passieren Kindern laut ADAC nicht zu Fuß, sondern als Beifahrer im Auto. Aufgrund der meist nur kurzen Fahrstrecke sichern Eltern ihr Kind oft nicht oder nicht richtig - und setzen es dadurch kaum zu kalkulierenden Gefahren aus.