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Biallos Ratgeber: Zeit und Kraft für die Pflege der Liebsten

Biallos Ratgeber : Zeit und Kraft für die Pflege der Liebsten

Welche Leistungen und Erleichterungen es für Menschen gibt, die Pflegebedürftige in ihrer eigenen Familie betreuen.

Rund 2,5 Millionen Angehörige versorgen ihre pflegebedürftigen Mütter, Väter, Partner oder Geschwister zu Hause. Gerade in der Corona-Krise müssen die Angehörigen noch mehr Zeit und Kraft für die Pflege aufbringen. Ein Überblick über Entlastungsmöglichkeiten.

Längere Freistellung mit Pflegeunterstützungsgeld: Arbeitnehmer, die „in einer akut aufgetretenen Pflegesituation“ für einen „nahen Angehörigen“ sorgen müssen, haben nach dem Pflegezeitgesetz bis Ende September das Recht, bis zu 20 Tage – statt bisher nur bis zu zehn Tage – der Arbeit fernzubleiben, um die Pflege (neu) zu organisieren oder sicherzustellen. Während dieser Zeit können sie Pflegeunterstützungsgeld bekommen.

Erleichterungen bei Pflegezeiten: Wer bei Arbeitgebern mit mehr als 15 Beschäftigten arbeitet, hat das Recht, bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Job auszusteigen und einen nahen Angehörigen zu versorgen (Pflegezeit). Wer bei Arbeitgebern mit mehr als 25 Beschäftigten arbeitet, darf darüber hinaus noch weitere 18 Monate seine Arbeitszeit auf mindestens bis zu 15 Stunden pro Woche verkürzen (Familien-Pflegezeit).

Ersatz für ambulante Dienste: Kommt der ambulante Pflegedienst wegen der Corona-Pandemie nicht, können Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2 bis Ende September auch andere Fach- oder Betreuungskräfte für die Versorgung in Anspruch nehmen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät: „Kontaktieren Sie Ihre Pflegekasse und lassen Sie sich bei der Organisation einer alternativen Versorgungsmöglichkeit beraten und unterstützen.“

Entlastungsbetrag jetzt häufig auch für Nachbarschaftshilfe: Allen zu Hause lebenden Pflegebedürftigen steht ein „Entlastungsbetrag“ von 125 Euro im Monat zu. Dieser Betrag kann etwa für Unterstützungsleistungen im Alltag genutzt werden – doch nur dann, wenn die Angebote nach dem jeweiligen Landesrecht anerkannt sind. Menschen mit Pflegegrad 1 können den Betrag aber bis zum 30. September nun auch für Dienste verwenden, die nicht nach den landesrechtlichen Bestimmungen anerkannt sind. Damit können sie Nachbarschaftshilfen vergüten.

Entlastungsleistungen verfallen später: Der Entlastungsbetrag kann für eine gewisse Zeit angespart werden. Nicht genutzte Beträge aus dem Vorjahr verfallen regulär Ende Juni, also bis gestern. Diese Frist wurde verlängert. Bis Ende September können nicht genutzte Beträge aus 2019 aufgebraucht werden.

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: Können pflegende Angehörige die Pflege nicht übernehmen, zahlt die Kasse für Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 in der Regel bis zu 1612 Euro für eine Ersatzpflege. Diese „Verhinderungspflege“ gibt es für bis zu sechs Wochen im Jahr. Alternativ kann auch für maximal acht Wochen im Jahr die Versorgung in einer stationären Einrichtung der Kurzzeitpflege erfolgen. Bis Ende September ist dies regulär auch in einer Reha-Klinik oder Vorsorge-Einrichtung möglich.

Tagespflege: Zu Hause lebende Pflegebedürftige ab Grad 2 können morgens und nachmittags in einer Tagespflegeeinrichtung betreut werden. Die Kasse zahlt dafür je nach Pflegegrad zwischen 689 bis 1995 Euro im Monat.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.