Washington: Bei Verhandlungen in Konflikten sollten die Alten das Sagen haben

Washington: Bei Verhandlungen in Konflikten sollten die Alten das Sagen haben

Mit dem Alter kommt die Weisheit. Darauf deutet eine groß angelegte Studie von US-Forschern hin, die sich mit den Überlegungen verschiedener Altersgruppen zu hypothetischen Konflikten auseinandersetzt. Demnach zeigen Menschen über 60 Jahre im Vergleich mit ihren jüngeren Kollegen deutlich mehr Eigenschaften, die in der psychologischen Literatur als Weisheitsaspekte gelten.

Darunter fällt beispielsweise die Fähigkeit, in einem Konflikt verschiedene Blickwinkel einzunehmen oder Kompromisse anzustreben. Anders als zahlreiche Studien zu negativen Auswirkungen des Alterns ermutigten die Resultate dazu, sich auf die Stärken älterer Menschen zu besinnen, schreiben die Forscher um Igor Grossmann von der University of Michigan im Fachmagazin „PNAS” (Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.1001715107).

Weisheit ist eine Charaktereigenschaft, die man automatisch mit älteren Menschen in Verbindung bringt. Zwar gibt es keine einheitliche Definition von Weisheit, aber immerhin einige wichtige Merkmale, die gemeinhin einer weisen Person zugeschrieben werden: Verständnis für unterschiedliche Werte und Ansichten, der Einsatz für Kompromisslösungen und die Erkenntnis, dass unsere Einschätzungen immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind, etwa weil uns nur begrenzte Informationen zur Verfügung stehen. Mit diesen Merkmalen beschäftigten sich die Forscher denn auch in ihrer Studie.

Sie wählten zufällig 247 Teilnehmer aus, davon je ein Drittel in den Altersgruppen 25 bis 40, 41 bis 59 und über 60 Jahre. In Telefoninterviews mussten die Probanden ihre Einschätzungen zu Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen abgeben. In einem Szenario ging es beispielsweise um Spannungen zwischen zwei ethnischen Gruppen in Djibouti: Eine Gruppe will die alten Traditionen erhalten, die andere will die Gesellschaft völlig umkrempeln und moderner machen. Die Befragten mussten einschätzen, wie sich der Konflikt entwickeln würde und dies auch begründen. Anschließend bewerteten andere Wissenschaftler, die im Gegensatz zu ihren Kollegen das Alter der Probanden nicht kannten, die Antworten der Teilnehmer auf Grundlage der erwähnten Weisheitsmerkmale.

Die über 60-Jährigen erhielten dabei durchgängig höhere Werte als die jüngeren Leute. Zusätzlich ließen die Forscher die Antworten noch einmal von Experten beurteilen, die sich beruflich mit der Lösung von Konflikten auseinandersetzen wie beispielsweise von Geistlichen, Richtern und Psychotherapeuten.

Die nachfolgenden statistischen Auswertungen ergaben, dass die Weisheit der älteren Leute weitgehend unabhängig von IQ, Bildung oder sozioökonomischem Status war: Die 16 beteiligten Akademiker waren nicht weiser als die Befragten ohne akademische Ausbildung. Nach Ansicht der Forscher könnte die Weisheit der Alten neben ihrer größeren Lebenserfahrung teilweise dadurch bedingt sein, dass sie eine größere Distanz zu Konflikten gewonnen haben und weniger emotional involviert sind.

Unabhängig von der Ursache für die Altersweisheit zeigten die Resultate, dass man gut beraten sei, Posten, die Weisheit verlangen - wie Vermittlungs- und Verhandlungsaufgaben - mit älteren Leuten zu besetzen, meinen die Wissenschaftler.